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Selbsttests aus der Apotheke

Manche Dinge will man erst mal alleine herausfinden: Schwanger? Fruchtbar? Oder krank? Test aus der Apotheke für zu Hause geben Aufschluss


Der Schwangerschaftstest ist der Klassiker unter den Selbsttest für zu Hause

Normalerweise stellen Ärzte die Diagnose. Mit Selbsttests aus der Apotheke können wir aber auch schon von zu Hause aus kontrollieren, wie es um unsere Gesundheit steht. Doch sind die Ergebnisse, die sie liefern, überhaupt zuverlässig? Wie aufwendig und teuer sind die Checks? Und können sie uns wirklich einen Arzt besuch ersparen?

Apothekerin Dr. Katja Renner aus Wassenberg, die Fortbildungsveranstaltungen für die Apothekerkammern Nordrhein und Westfalen-Lippe anbietet, kennt sich aus mit dem Thema. Sie hat Schwangerschafts-, Eisprung-, Spermien-, Glucose- und pH-Scheiden-Tests unter die Lupe genommen. Hier erklärt sie, welche Checks aus der Apotheke sinnvoll sind und was Sie bei ihrer Anwendung beachten sollten.


Schwangerschaftstest

Funktionsweise: Schwangerschaftstests messen die Konzentration des Hormons Humanes Choriongonadotropin (HCG) im Urin. Das Schwangerschaftshormon steigt schon kurz nach der Befruchtung an und erreicht zwischen der siebten und zwölften Schwangerschaftswoche sein Maximum.

Anwenden können Frauen den Test bereits ab dem ersten Tag ihrer ausbleibenden Periode. Die sogenannten Früh- oder Prätests reagieren sogar auf noch kleinere Hormonmengen im Urin und können schon vier Tage vor der ausbleibenden Regel eine Schwangerschaft anzeigen.

Anwendung: Katja Renner empfiehlt Frauen, den Test direkt morgens nach dem Aufstehen zu machen. „Die Konzentration des HCGs im Urin ist dann am höchsten“, erklärt sie. Die meisten Tests sind zwar so empfindlich, dass sie auch kleine Hormonmengen messen, trotzdem gebe die Untersuchung des Morgenurins Frauen zusätzliche Sicherheit, so Renner.

Wer vor der Anwendung große Mengen Flüssigkeit zu sich nimmt, läuft möglicherweise gerade in den ersten Tagen der Schwangerschaft Gefahr, dass der Test ein falsch negatives Ergebnis anzeigt. „Das Hormon liegt dann so verdünnt im Urin vor, dass der Schwellenwert des Tests trotz einer Schwangerschaft noch nicht erreicht wird“, sagt die Apothekerin.

Kosten: Schwangerschaftstests gibt es bereits ab etwa 4 Euro. Digitale Tests, bei denen sich das Ergebnis in Schriftform ablesen lässt, sind teurer.

Fazit: Bei richtiger Anwendung ist jeder Schwangerschaftstest zuverlässig. Ist der Test positiv, vereinbaren Sie am besten gleich einen Termin mit Ihrem Frauenarzt zur ersten Vorsorgeuntersuchung.


Spermiencheck

Funktionsweise:
Der Spermientest misst die ungefähre Anzahl der Spermien in einer bestimmten Menge Ejakulat. Liegt die Anzahl der Spermien bei mehr als 20 Millionen pro Milliliter Ejakulat, gilt der Mann als fruchtbar. Beträgt sie weniger als 20 Millionen pro Milliliter, kann das Ergebnis auf eine Unfruchtbarkeit hinweisen.

Anwendung: „Die Männer sollten die Anleitung genau befolgen, wenn sie den Test machen“, sagt Expertin Katja Renner. Wichtig ist auch, die Zeitabstände zwischen den einzelnen Reaktionsschritten genau einzuhalten. Deshalb ist die Durchführung des Tests relativ aufwendig.

Kosten: Einen Spermientest gibt es ab 50 Euro in der Apotheke.

Fazit: Die ungefähre Anzahl der Spermien wird zuverlässig ermittelt. Einen Arztbesuch ersetzt der Spermientest trotzdem nicht. „Bei Verdacht auf Zeugungsunfähigkeit sollten sich Männer unbedingt von einem Urologen untersuchen lassen“, empfiehlt Apothekerin Katja Renner.



Der Handschuh misst den pH-wert der Vagina

Scheiden-pH-Test

Funktionsweise: Schwangere können mit dem Testhandschuh regelmäßig den pH-Wert in ihrer Scheide messen. Der liegt normalerweise im leicht sauren Bereich. Ist der pH-Wert erhöht, deutet das auf eine Infektion mit Bakterien hin. Und die kann gefährlich werden – besonders für das ungeborene Kind. Infektionen in der Scheide erhöhen das Risiko für eine Frühgeburt.

Anwendung: Renner empfiehlt, mindestens einmal in der Woche das Scheidenmilieu mit dem Handschuh zu überprüfen. Der Handschuh wird dazu angezogen, der Zeigefinger in die Scheide eingeführt. Den pH-Wert ermittelt man dann durch einen Abgleich mit der Farbskala.

Kosten: Ein Set mit 50 Handschuhen gibt es ab etwa 50 Euro. Manche Krankenkassen zahlen die Tests aber im Rahmen der Vorsorgemaßnahmen für Schwangere. Fragen Sie am besten bei Ihrer Kasse nach.

Fazit: Katja Renner hält die Kontrolle des Scheiden-pH-Wertes für wichtig. „Viele Frauen merken nicht, wenn sie eine bakterielle Scheideninfektion haben“, sagt sie. Trotzdem ersetzt der Selbsttest natürlich nicht die Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen beim Gynäkologen.


Eisprungcheck

Funktionsweise: Mit einem sogenannten Ovulationstest können Frauen das Zeitfenster ihrer fruchtbaren Tage eingrenzen. Knapp zwei Tage vor dem Eisprung steigt das luteinisierende Hormon (LH) im Urin sprunghaft an. Die Empfängniswahrscheinlichkeit ist bei Frauen um diesen Zeitpunkt herum am größten. „Der Test gibt also einen Hinweis darauf, wann die Zeugung stattfinden sollte“, erklärt Apothekerin Renner.

Anwendung: Der Test eignet sich für Frauen mit Kinderwunsch. Als Verhütungsmittel sollte er dagegen nicht angewendet werden. „Ein negatives Ergebnis ist kein verlässliches Zeichen dafür, dass eine Frau zu diesem Zeitpunkt nicht schwanger werden kann“, sagt die Expertin. Denn Spermien haben eine Überlebenszeit von bis zu sieben Tagen innerhalb des Körpers und können die Eizelle auch noch Tage nach einem negativen LH-Ergebnis befruchten.

Kosten: Fünf bis sieben Teststäbchen kosten zwischen 30 und 40 Euro. Pro Zyklus sind mehrere Messungen notwendig.

Fazit: Der Eisprungtest misst den Anstieg des luteinisierenden Hormons zuverlässig. Trotzdem garantiert er nicht, dass Frauen bei einer zeitlich optimalen Übereinstimmung von Geschlechtsverkehr und Eisprung auch tatsächlich schwanger werden. Gerade Frauen mit einem unregelmäßigen Zyklus kann der Test aber Anhaltspunkte geben.


Glucosetest

Funktionsweise: Wenn der Blutzucker einen Schwellenwert überschreitet, wird Glucose auch über die Nieren ausgeschieden. Zucker lässt sich dann im Urin nachweisen. Der Test aus der Apotheke gibt Hinweise auf Diabetes.

Anwendung: Der Teststreifen wird in den Harn getaucht. Die Verfärbung zeigt, ob Zucker nachweisbar war. Achtung: Die Streifen schlagen erst Alarm, wenn die Glucosekonzentration im Blut über der sogenannten Nierenschwelle liegt. Das heißt: Auch wenn die Teststreifen noch keine Glucose im Urin anzeigen, können die Blutzuckerwerte bereits zu hoch sein.

Kosten: 50 Teststreifen kosten etwa 25 Euro.

Fazit: Sinnvoller als ein Urin- ist ein Blutzuckertest in der Apotheke, bei dem das Kapillarblut aus der Fingerbeere untersucht wird. Er kostet etwa zwei Euro und ist zuverlässiger. Schwangeren empfiehlt Renner, sich von ihrem Frauenarzt beraten zu lassen. Um einen Schwangerschafts-Diabetes auszuschließen, kann er bei werdenden Müttern zwischen der 24. und 28. Woche einen oralen Glucose-Toleranz-Test machen.

Unsere Expertin:


Dr. Katja Renner ist Apothekerin in Wassenberg (Nordrhein-Westfalen)



Julia Schulters, Baby und Familie; 31.03.2011
Bildnachweis: W&B/Alere GmbH, W&B/Privat, W&B/Forster & Martin

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