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Schwangerschaft: Neuer Test auf Trisomie 21

Ein neuer Bluttest kann schon in der 10. Schwangerschaftswoche feststellen, ob das ungeborene Baby unter dem Down-Syndrom leidet. Wie er funktioniert, welche Fragen er aufwirft


Im Blut der Mutter schwimmen Erbgut-Stückchen des Ungeborenen

Seit Kurzem ist ein neuer Bluttest für Schwangere verfügbar, der genetische Veränderungen – zunächst lediglich Trisomie 21 – beim Ungeborenen feststellen kann. Er untersucht Genfragmente des Fötus, die sich im Blut der Mutter befinden, und spürt Auffälligkeiten im Erbmaterial auf. Bislang wird der sogenannte Triple-Bluttest eingesetzt, bei dem aus verschiedenen Blutwerten der Mutter die Wahrscheinlichkeit von Trisomie 21 beim Kind berechnet wird. Deutet das Ergebnis auf das Syndrom hin, ist aber in jedem Fall eine Fruchwasserpunktion nötig, die das Risiko für eine Fehlgeburt erhöht. Ethik-Professor Norbert Paul über den neuen Bluttest.

Was macht den neuen Test zur Pränataldiagnostik ­besser als den alten?

Der bisher übliche Triple-Bluttest ist zwar ungefährlich, aber ungenau. Mehr als 40 ­Prozent der ­Ergebnisse sind falsch­positiv. Die Fruchtwasser­untersuchung, die dann nötig ist, birgt zudem ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko. Der neue Test ist dagegen eine siche­re und genaue Alternative. Im Blut der Mutter befindet sich DNA des Babys, die analysiert wird.



Prof. Dr. Norbert Paul leitet das Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Universitätsklinik Mainz

Klingt gut. Aber wieso sind manche Behindertenverbände vehement dagegen?

Sie argumentieren: Der frühere Test führe dazu, dass die Toleranz gegenüber Behinderten noch mehr abnimnt und sprechen von „Neo-Eugenik“. Ich halte das für eine unnötige Radikalisierung und glaube nicht, dass sich bei der Abwägung für oder gegen ein Kind mit chromosomalen Besonderheiten durch den neuen Test etwas ändert. Ich freue mich auch deshalb über das neue Verfahren, weil es erneut zum Nachdenken zwingt.

Worüber müssen wir nachdenken?

Wir haben in Deutschland ein extrem niedriges Schutzniveau für Abbrüche in der Spätschwangerschaft, die ­Zahlen nehmen aber stetig zu. Das liegt auch ­daran, dass genauere Testergeb­nisse zu ­­genetischen Veränderungen erst spät vorliegen. Ich finde das ethisch problematisch. Die Debatte um Präimplantationsdiagnostik ­dagegen, die nur 140 Paare jährlich in Deutschland betrifft, wurde hochkontrovers diskutiert. Tatsache ist: Wir verlegen ­­hierzulande die Selektion von Leben in den Mutterleib. Das finde ich zu spät und bigott.

Was wäre konsequenter?

Wir sollten darüber diskutieren, unter welchem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Druck Familien in Deutschland stehen, ein Kind abzutreiben, das krank ist. Mir persönlich bereitet nicht das verfeinerte genetische Testverfahren Sorge, sondern das kinder- und behindertenfeindliche Klima in diesem Land.




Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, W&B/Peter Pulkowski

Anne-Bärbel Köhle / Baby und Familie; 01.12.2011, aktualisiert am 21.08.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, W&B/Peter Pulkowski

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