www.baby-und-familie.de sagt herzlichen Glückwunsch, Frau Familienministerin Kristina Schröder! Die 33-Jährige erwartet im Juli Nachwuchs. Sie wird die erste Ministerin in einem Bundeskabinett sein, die während ihrer Amtszeit ein Baby bekommt. Gerade ihre Schwangerschaft dürfte wohl vielen Frauen Mut machen, sich trotz beruflichen Erfolgs für ein Kind zu entscheiden.
Natürlich erfüllt sich die Familienministerin mit ihrer Schwangerschaft in erster Linie den ganz persönlichen Kinderwunsch. Aber Kristina Schröder bringt nun auch die Kritiker zum Schweigen, die sich seit ihrem Amtsantritt im November 2009 darüber beschwert haben, dass eine so junge, kinderlose Karrierefrau nicht die richtige Besetzung als Familienministerin sei. Vor allem, weil ihre Vorgängerin und jetzige Bundesarbeitsministerin, Ursula von der Leyen (52), mit sieben Kindern und großer Wählerakzeptanz tüchtig vorgelegt hat.
"Wir werden vor den gleichen Herausforderungen stehen wie viele andere Paare in Deutschland, bei denen beide beruflich sehr gefordert sind. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir das auch mit der Unterstützung unserer Familien hinbekommen", hieß es von der Familienministerin. Für die 33-Jährige steht fest: Sie wird während des gesetzlichen Mutterschutzes sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt zuhause bleiben. Allerdings werde sie ihr Amt nicht ruhen lassen, sondern von daheim führen, wie ein Sprecher mitteilte.
Wir nehmen die frohe Botschaft aus Berlin zum Anlass, mit Familiensoziologin Dr. Petra Buhr über die Signalwirkung von Schröders Schwangerschaft zu sprechen. Die Soziologin an der Universität Bremen und Mitarbeiterin des Deutschen Beziehungs- und Familienpanels ist überzeugt, dass Schröders Schwangerschaft Frauen Mut machen kann: "Kristina Schröder setzt damit ein deutliches Zeichen und zeigt, dass sie die Bereiche Kind und Karriere miteinander vereinbaren möchte". Schröder drücke damit aus, dass sie wirklich an die Vereinbarkeit glaubt. Und, noch wichtiger, sie signalisiert: Ich bin bereit, mein kleines Kind zumindest teilweise von Anderen betreuen zu lassen.
Natürlich ist es für die Politikerin und viele andere Frauen in hochqualifizierten und damit gut bezahlten Positionen einerseits leichter, eine gute Betreuung für den Nachwuchs zu finanzieren. Andererseits sind gerade bei anspruchsvollen Berufen unzählige Überstunden unvermeidlich. Die Organisation des Alltags mit Kind wird dadurch noch schwieriger. "Da ist die Unterstützung vom Partner gefragt. Das Paar Schröder steht vor einem enorm hohen Abstimmungsbedarf", vermutet Petra Buhr.
Die Soziologin ist optimistisch, dass dies gelingt: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf habe sich in den letzten Jahren verbessert. Stichwort Elterngeld, Ausbau von Kitas und Betriebskindergärten, flexiblere Arbeitszeitmodelle. Da sei vieles im Fluss in der Politik und in der Gesellschaft. Langsam entwickele sich ein neues Bewusstsein, dass Kinderkriegen nicht nur Frauensache ist, sondern die Kinderbetreuung die Aufgabe der ganzen Gesellschaft.
Optimal ist das Betreuungsangebot in Deutschland bekanntlich noch lange nicht. In den alten Bundesländern werden nur 17,5 Prozent der unter Dreijährigen in Kitas oder von Tagesmüttern betreut. Trotz der Einführung des Elterngeldes Anfang 2007 ist die Geburtenrate im Jahr 2009 auf ein Rekordtief gesunken. Jede fünfte Frau zwischen 41 und 45 Jahren ist kinderlos. Inzwischen ist der Trend wieder positiv: Von Januar bis September 2010 kamen 20.000 Babys mehr auf die Welt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres – ein Plus von 3,6 Prozent!
Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch 20 Prozent weniger als Männer. Das mag einer der Gründe sein, warum in Deutschland weniger Frauen mit betreungsbedürftigen Kindern in ihren Beruf zurückkehren als in anderen Ländern. In Dänemark sind 88 Prozent der Mütter erwerbstätig, Deutschland liegt im internationalen Vergleich mit 70 Prozent auf Platz 12. "Das hat außerdem viel mit de Frauenbild in unserer Gesellschaft zu tun", sagt Soziologin Buhr. In Deutschland haben Mütter, die ihre sehr kleinen Kinder betreuen lassen, immer noch Angst, als Rabenmutter zu gelten. In Frankreich oder den skandinavischen Ländern sind die Menschen diesbezüglich aufgeschlossener. Frauen, die Kind und Karriere verbinden möchten, stehen in Deutschland noch immer vor einem Dilemma.
"Nehmen Sie Ihren Partner in die Pflicht. Und schrauben Sie die eigenen Ansprüche nicht zu hoch. Niemand kann Karriere machen und eine perfekte Hausfrau sein - wohl aber eine gute Mutter", rät die Soziologin. Buhr vermutet, dass das tradierte Rollenbild im sonst so modernen Deutschland ein Ergebnis der Jahrzehnte langen konservativen Sozial- und Familienpolitik ist. "Die deutschen Gesetze haben lange nur die Rahmenbedingungen für das altbewährte Alleinernährer-Modell des Mannes geschaffen", sagt Buhr.
Diese Strukturen brechen jetzt langsam auf – und Spitzenpolitikerinnen wie Kristina Schröder tragen mit ihrer Arbeit und ihrem eigenen Rollenverständnis dazu bei. Petra Buhr: "In den nächsten zehn Jahren wird sich viel verändern. Schließlich wünschen sich die allermeisten Frauen Kinder. Nur fünf bis zehn Prozent geben an, auch unter optimalen Bedingungen keinen Nachwuchs zu wollen". Na so was, schon wieder eine gute Nachricht!
Simone Herzner / www.baby-und-familie.de;
21.01.2011, aktualisiert am 27.01.2011
Bildnachweis: Getty Images/Andreas Rentz
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