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Schwanger nach Brustkrebs – was beachten?

Nach einer erfolgreichen Brustkrebstherapie noch Mama werden – geht das? Es ist nicht einfach, aber möglich, sagt Reproduktionsmediziner Professor Markus Kupka


Die Diagnose Brustkrebs trifft heute immer mehr junge Frauen

Brustkrebs – die erschreckende Diagnose trifft immer mehr junge Frauen. Viele Betroffene sind bei der Krebsdiagnose noch kinderlos – und wünschen sich nach erfolgreicher Brustkrebstherapie ein Kind. Das ist nicht selbstverständlich. Aber es ist möglich, wie prominente Beispiele zeigen: Moderatorin Miriam Pielhau wurde nach Brustkrebs mit 36 Jahren schwanger, Schauspielerin Christina Applegate mit 38. Reproduktionsmediziner Professor Markus Kupka erklärt auf www.baby-und-familie.de, unter welchen Voraussetzungen eine Schwangerschaft nach Brustkrebs möglich ist.


Herr Professor Kupka, bekommen Frauen heute früher Brustkrebs?

Es gibt auf alle Fälle heute mehr junge Frauen, die wegen Brustkrebs medizinisch behandelt werden. Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass immer besser und intensiver untersucht wird. Man findet die Tumoren oft in einem früheren Stadium, was ja gut ist.

Kann eine Frau, die Brustkrebs hatte, noch schwanger werden?

Prinzipiell kann eine Frau nach Brustkrebs schwanger werden, aber in der Regel schwerer. Das kann an den Medikamenten liegen, am Stress oder aber am fortgeschrittenen Alter. Bestimmte Formen der Chemotherapie können mit dem Ausbleiben der Monatsblutung verbunden sein. Dann ist in der Regel keine Schwangerschaft mehr möglich. Das hängt aber ebenfalls vom Alter ab. Bei jüngeren Frauen kann dann eventuell eine Fruchtbarkeitsbehandlung helfen.

Wann ist eine solche Behandlung sinnvoll? Kann sie bei Brustkrebs zum Rückfall führen?

Eine Kinderwunschbehandlung soll auf keinen Fall das Risiko für erneuten Brustkrebs erhöhen. Dies zu vermeiden gelingt den Ärzten aber in der Regel sehr gut. Das Alter der Frau spielt dabei wiederum eine entscheidende Rolle. In der Regel wird es ab 40 Jahren sehr schwer, noch Erfolgsraten zu erreichen, bei denen der emotionale, technische und finanzielle Aufwand zu rechtfertigen ist.

Wir vom Netzwerk FertiPROTEKT (www.fertiprotekt.de*) versuchen deshalb anzustoßen, dass der Onkologe jungen Frauen vor der Krebsbehandlung ein Beratungsgespräch empfiehlt, wie ihre Fruchtbarkeit erhalten bleiben kann.

Kann sich die Frau vor Therapiebeginn also zum Beispiel noch Eizellen entnehmen und diese einfrieren lassen?

Das hängt von der Art des Krebses ab – bei Brustkrebs sind ja häufig Hormone an der Tumorentstehung beteiligt. Da für die Fertilitätsbehandlung auch Hormone gespritzt werden müssen, sind Onkologen in der Regel da sehr vorsichtig.

Ein neues Verfahren ist ja, einen der beiden Eierstöcke ganz oder teilweise zu entnehmen und einzufrieren. Nach der Krebsbehandlung wird er wieder eingesetzt. Seine Funktionstüchtigkeit soll so bestehen bleiben. Was halten Sie davon?

Das ist noch ein eher experimentelles Verfahren. Aber ich halte es für zukunftsträchtig. Momentan kann man dazu noch nicht viel sagen, es gibt weltweit erst rund ein Dutzend Babys, die mithilfe dieser Behandlung auf die Welt gekommen sind. Es wird im Moment viel eingefroren, aber noch wenig reimplantiert. Deshalb lässt sich auch noch nicht beurteilen, wie gut das Verfahren im Detail funktioniert.

Wie lange sollte eine Frau warten, bis sie nach erfolgreicher Krebsbehandlung schwanger wird?

Das hängt vom Alter ab und von der Art des Brustkrebses. Falls sich die Eierstockfunktion nach der Behandlung wieder erholt, kann die Frau eventuell auf natürlichem Weg schwanger werden. Das dauert oft ohnehin längere Zeit, sie sollte aber mindestens zwei Jahren damit warten. Bevor sie schwanger wird, sollte sie sich am besten vom Arzt nochmal genau untersuchen lassen. Wenn Rezidive (Rezidiv bedeutet, dass ein Tumor zurückgekehrt ist, Anm. d. Red.) oder Metastasen vorliegen, wird der Arzt nicht zu einer Schwangerschaft raten. Braucht die Frau eine Kinderwunschbehandlung, sollte sie mindestens zwei bis fünf Jahre damit warten.

Wann gilt die Frau als geheilt? Sollte sie nicht so lange warten?

Allgemein gilt eine Frau fünf Jahre nach erfolgreich abgeschlossener Brustkrebs-Behandlung als geheilt. Aber vielen Frauen läuft die Zeit weg: Sie können mit der Erfüllung ihres Kinderwunsches nicht so lange warten.

Kann eine Schwangerschaft nicht auch Auslöser für Brustkrebs sein oder zu einem Rückfall führen?

Angesichts der ausgeschütteten Hormone müssten Schwangerschaften eigentlich häufig Brustkrebs auslösen, aber sie tun es nicht. Brustkrebs in der Schwangerschaft und während der Stillzeit ist zum Glück selten. Warum das so ist, kann ich nicht erklären. Vielleicht hat dabei auch das äußerst positive Erlebnis der Schwangerschaft einen Einfluss auf die Krebsentstehung. Aber dieser Zusammenhang mit der Psyche ist schwer fassbar und nicht erwiesen.

Was passiert, wenn Brustkrebs während der Schwangerschaft auftritt?

Das kann zunächst problematisch sein: Weil sich die Brust in der Schwangerschaft verändert, erkennt man Brustkrebs dann häufig erst später. Das gilt vor allem auch für die Stillzeit. Da geht man häufig davon aus, dass eine entzündliche Veränderung durch das Stillen passiert ist.

Und wie behandelt man?

Wird bei einer Schwangeren Brustkrebs diagnostiziert, kann man häufig trotzdem behandeln, zum Beispiel mit bestimmten Chemotherapeutika. Die Schwangerschaft kann weiter fortgeführt werden. Was als Behandlung sinnvoll ist, hängt aber von vielen verschiedenen Faktoren ab. Das entscheidet der Arzt für den Einzelfall. Manchmal muss leider auch zu einem Schwangerschaftsabbruch geraten werden.

Können Frauen nach Brustkrebs stillen?

Ob das Stillen klappt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wenn die Brust oder die Brustwarze bei der OP nicht erhalten werden konnten, ist es leider nicht möglich. Nach einer brusterhaltenden Operation klappt es oft nicht so gut. Aber in vielen Fällen geht es trotzdem – es gibt ja in der Regel noch eine gesunde Brust. Natürlich ist es wichtig, dass die Chemotherapeutika abgebaut sind, das dauert etwas, aber wie gesagt: Eine Schwangerschaft ist ohnehin erst zwei Jahre nach Therapieende empfehlenswert.

 

* www.baby-und-familie.de übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten




Bildnachweis: W&B

Daniela Frank / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 30.09.2014, erstellt am 15.05.2012
Bildnachweis: W&B

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