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Ratgeber Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

Ein hoher Blutzuckerspiegel während der Schwangerschaft kann sich negativ auf Mutter und Kind auswirken. Was es bei einem Schwangerschaftsdiabetes zu beachten gilt, erfahren Sie hier


Meist keine Symptome, aber fatale Folgen: Schwangerschaftsdiabetes

Hinterlistig sind vor allem die Übel, von denen man selbst erst mal gar nichts merkt. Kein Schmerz, kein Ziehen, kein Drücken. Schwangerschaftsdiabetes – auch Gestationsdiabetes genannt – ist eine von diesen heimtückischen Störungen ohne ersichtliche Beschwerden. Wenn man ihn allerdings nicht rechtzeitig behandelt, kann er schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind haben.


Definition

Diabetes in der Schwangerschaft? Was ist das eigentlich genau? „Ganz einfach ausgedrückt versteht man unter Schwangerschaftsdiabetes eine Störung, bei der es zu erhöhten Blutzuckerwerten bei werdenden Müttern kommt“, erklärt Professor Orsolya Genzel-Boroviczény, Leiterin des Perinatalzentrums der Universitätskinderklinik in München. In den meisten Fällen verschwindet diese Erkrankung unmittelbar nach der Geburt wieder.

Etwa fünf bis zehn Prozent aller Schwangeren sind von Gestationsdiabetes betroffen. Genzel-Boroviczény ist sich jedoch sicher, dass diese spezielle Art von Diabetes „mit Sicherheit unterdiagnostiziert ist.“ Immerhin zählt die Blutzuckerstörung zu den häufigsten Erkrankungen während der Schwangerschaft.

„Im Endeffekt ist eine Schwangerschaft eine Art Stresstest“, erklärt die Expertin. Der Körper der werdenden Mutter – und damit auch ihr Stoffwechsel – sind in dieser Zeit einer überdurchschnittlichen Belastung ausgesetzt. Besonders der rapide Anstieg an Schwangerschaftshormonen setzt den Frauen zu. Die plötzlich frei gesetzten Hormone schrauben den Insulinbedarf hoch. Die werdende Mutter benötigt also mehr Insulin als sonst. Wenn nun die schwangere Frau diesen Bedarf nicht ausgleichen kann, steigt der Blutzuckerspiegel.

Diagnose

Schwangere bemerken selbst erst einmal gar nichts von dem Diabetes. Auffälligkeiten bezüglich des Blutzuckers kann der Arzt aber feststellen. Zu den Vorsorgeuntersuchungen gehört deshalb ein entsprechender Screening-Test (Vortest). Er kann im sechsten oder siebten Schwangerschaftsmonat in Anspruch genommen werden.

Der Arzt gibt dazu der Frau 50 Gramm in Wasser gelösten Zucker zu trinken. Nach einer Stunde nimmt er ihr Blut ab und bestimmt den Blutzuckerwert. Ist dieser unauffällig, ist der Test beendet. Liegt der Wert bei 135 mg/dl oder höher, muss der Arzt meistens einen zweiten Test durchführen, um ein genaues Ergebnis zu erhalten. Mithilfe dieses sogenannten Zuckerbelastungstests, auch oraler Glukose-Toleranztest (oGTT) genannt, kann er eine Diabeteserkrankung sicher feststellen. Für den Test muss die Frau nüchtern sein und 75 Gramm in Wasser gelösten Zucker trinken. Der Arzt nimmt ihr in nüchternem Zustand sowie ein und zwei Stunden nach dem Trinken der Zuckerlösung Blut ab und bestimmt die Werte. Anhand dieser kann er dann sicher sagen, ob ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt oder nicht.

Ein Gestationsdiabetes besteht – so besagen es die Leitlinien –, wenn der Nüchtern-Blutzuckerwert aus dem Venenblut über 91 mg/dl liegt, der Wert eine Stunde nach dem Belastungstest (1-Stunden-Wert) über 179 mg/dl und nach zwei Stunden über 152 mg/dl. „Wichtig ist, dass diese strengeren Kriterien nur für den Schwangerschaftsdiabetes gelten,“ betont der Diabetologe Dr. Frank Best vom Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN).

Risikopatientinnen

Besonders gefährdet sind übergewichtige Frauen. „Schwangerschaftsdiabetes ähnelt in dieser Hinsicht sehr dem Typ-2-Diabetes“, erklärt Genzel-Boroviczény. Aus diesem Grund sind auch gerade Frauen, in deren Familien Diabetes Typ 2 vorkommt, besonders gefährdet. Wenn bereits Schwangerschaften mit Gestationsdiabetes bestanden oder in der Vergangenheit ein überdurchschnittlich großes Kind (mit einem Gewicht über 4500 Gramm) zur Welt gebracht wurde, ist das Risiko für einen erneuten Diabetes ebenfalls höher. Auch bei Schwangeren über 30 Jahren wird von einer Diabetes-Risikogruppe gesprochen.

Risikopatientinnen und Schwangere, welche schon unter einem vorangegangenen Schwangerschaftsdiabetes litten oder aufgrund der Familiengeschichte ein erhöhtes Diabetesrisiko haben, sollten sich bereits ab der 13. Schwangerschaftswoche einer Testung unterziehen.

Behandlung

Glücklicherweise können Ärzte Schwangerschaftsdiabetes sehr gut therapieren. Nur in etwa 30 Prozent aller Fälle muss eine Insulintherapie begonnen werden. Meistens behebt bereits eine Ernährungsumstellung oder eine entsprechende Diät den Diabetes. „Diät heißt in diesem Fall aber nicht zwingend, dass die Schwangere weniger essen soll,“ so Genzel-Boroviczény. „Sie soll das Richtige essen.“ Vollkornprodukte, fettarme Nahrungsmittel, viel Obst und Gemüse. Auch auf Kohlenhydrate verzichten? „Zumindest auf die einfachen, wie sie in Zucker und Weißbrot enthalten sind“, weiß die Ärztin.

Wichtig bei dieser Ernährungsumstellung sei aber, so Genzel-Boroviczény weiter, dass sich die Schwangere auf jeden Fall von Experten beraten lässt. Denn wie die optimale Ernährung bei Gestationsdiabetes aussieht, hängt von mehreren Faktoren ab – zum Beispiel vom Glykämischen Index der Lebensmittel. Er gibt die blutzuckersteigernde Wirkung der Kohlenhydrate in dem entsprechenden Nahrungsmittel an. Denn es gibt Lebensmittel, die als sehr gesund gelten, die aber einen hohen Glykämischen Index haben – zum Beispiel gekochte Karotten oder Orangensaft.

Folgen

Aufgrund eines Schwangerschaftsdiabetes kann es bereits während der Schwangerschaft sowie bei und nach der Geburt zu Komplikationen kommen. „Zudem erhöht ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes für Mutter und Kind die Gefahr, im späteren Leben an einem dauerhaften Diabetes zu erkranken“, sagt Diabetologin Genzel-Boroviczény. Auch Harnwegsinfekte und Gestosen sind bei Gestationsdiabetikerinnen keine Seltenheit.

Worin liegt nun die Gefahr für das Kind? Wenn der Blutzuckerspiegel der Mutter hoch ist, dann ist der Blutzuckerspiegel des Kindes auch hoch. Das Baby im Mutterlieb produziert dadurch verstärkt Insulin, wächst dadurch auch überproportional schnell. „Das ist kein gutes, kein gesundes Wachstum,“ so die Ärztin. Geburtskomplikationen oder Kaiserschnitte sind bei Säuglingen mit einem Gewicht über 4500 Gramm oft die Folge.



Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; 04.05.2011, aktualisiert am 04.01.2012
Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

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