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Mutterschutz: Was Sie wissen müssen

Für wen gilt der Mutterschutz? Und ab wann greift er? Welche Sonderregelungen gibt es? Je früher sich werdende Mütter informieren, desto besser


Als werdende Mutter genießen Sie einen speziellen Schutz am Arbeitsplatz

Unter Mutterschutz versteht man die Schutzvorschriften für Schwangere und Wöchnerinnen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen. Diese Vorschriften sind im Mutterschutzgesetz (MuSchG) festgelegt.

Für wen gilt das Mutterschutzgesetz?

Grundsätzlich gilt das Gesetz für alle Frauen, die einen Job haben und damit in einem Arbeitsverhältnis stehen. Darunter fallen natürlich auch Teilzeitangestellte, Auszubildende, Geringverdienerinnen oder Heimarbeiterinnen. Welcher Nationalität die Schwangere angehört, ist unerheblich: Wenn der Arbeitsplatz in Deutschland ist, gilt auch das Deutsche Mutterschutzgesetz. Das Gesetz greift nicht bei Selbständigen, Studentinnen oder Hausfrauen.


Wann muss ich dem Arbeitgeber mitteilen, dass ich schwanger bin?

Am besten sobald wie möglich. Viele Frauen warten gerne die berüchtigte Drei-Monats-Hürde ab, da es in den ersten Wochen noch zu unerwarteten Abgängen kommen kann. Das Entscheidende ist: Nur wenn das Unternehmen von der Schwangerschaft weiß, kann es auch die entsprechenden Bestimmungen einhalten. Die Schutzvorschriften greifen also erst ab dem Moment der Inkenntnissetzung des Arbeitgebers.

Manchmal möchte der Arbeitgeber auch einen ärztlichen Nachweis über die Schwangerschaft erbracht haben. Dem müssen Sie nachkommen. Sollten Ihnen durch diese Bescheinigung Kosten entstehen, trägt diese allerdings der Arbeitgeber.

Viele Frauen möchten gerade in der Anfangsphase noch nicht, dass die Nachricht über die Schwangerschaft in der Firma oder im Büro die Runde macht. Keine Sorge, der Arbeitgeber darf diese Information nicht an Dritte weitergeben. Ausnahme: Die Mitteilung der Schwangerschaft an die zuständige Aufsichtsbehörde, die so genannten staatlichen Arbeitsschutz- oder Gewerbeaufsichtsämter. Das ist aber nur gut für die werdende Mutter. Diese Aufsichtsbehörde kontrolliert nämlich die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften.

Was bringt mir das Mutterschutzgesetz?

Der entscheidende Punkt ist, dass es dem Arbeitgeber untersagt ist, der werdenden Mutter in der Schwangerschaft und bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Geburt zu kündigen. Es ist demnach auch verboten, dass der Arbeitgeber die Kündigung in diesem Zeitraum überhaupt ausspricht – selbst wenn der Kündigungstermin später als diese vier Monate liegen würde. Entscheidet sich die Mutter für die Elternzeit, gilt der Kündigungsschutz bis zum Ablauf derselben.

Voraussetzung für diesen Schutz ist immer, dass beim Zugang der Kündigung eine Schwangerschaft besteht und das Unternehmen von der Schwangerschaft weiß. Es gibt allerdings noch die Möglichkeit, dem Arbeitgeber bis zu zwei Wochen nach der Kündigung die Schwangerschaft mitzuteilen.

Geht eine Firma allerdings insolvent oder muss der Betrieb teilweise stillgelegt werden, kann auch die Schwangerschaft nicht mehr vor dem Verlust des Arbeitsplatzes schützen. Wenn die Aufsichtsbehörde unter diesen besonderen Umständen der Kündigung zustimmt, ist diese auch wirksam.

Was mache ich, wenn mir mein Arbeitgeber rechtswidrig kündigt?

Auch oder gerade weil Sie schwanger sind, sollten Sie bei einem solchen Verhalten auf die Barrikaden gehen. Erklären Sie sich – am besten schriftlich – nicht mit dieser Kündigung einverstanden und fordern Sie das Unternehmen auf, die Kündigung zurück zu nehmen. Sie können sich daraufhin sofort an die zuständige Aufsichtsbehörde wenden.

Gleichzeitig sollten Sie innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der Kündigung Klage vor dem Arbeitsgericht erheben. Nur so kann die Rechtsunwirksamkeit der Kündigung erreicht werden.

Sollten Sie gekündigt werden und erst später (also nach der Drei-Wochen-Frist) aus irgendwelchen Gründen von Ihrer Schwangerschaft erfahren, müssen Sie innerhalb von zwei Wochen (von dem Moment an, von dem Sie von der Schwangerschaft wissen) die Klage erheben.

Welchen Schutz genieße ich als Schwangere an meinem Arbeitsplatz?

Der Arbeitgeber darf die werdende Mutter keinen Gefahren für Leben und Gesundheit aussetzen. Das bedeutet im konkreten Fall ein Beschäftigungsverbot für alle Schwangeren

  • wenn sie nach dem fünften Monat mehr als vier Stunden am Tag stehen müssen,
  • wenn sie körperlich schwere Arbeiten verrichten müssen, das heißt regelmäßig Lasten von mehr als fünf Kilogramm Gewicht oder gelegentlich Lasten von mehr als zehn Kilogramm Gewicht ohne mechanische Hilfsmittel heben, bewegen oder befördern müssen,
  • wenn sie bei Extrembedingungen (zum Beispiel Hitze, Kälte, Nässe, Lärm, Erschütterungen) oder bei Aussetzung gesundheitsgefährdender Stoffe (etwas Strahlen, Gase, Staub, chemische Schadstoffe) arbeiten müssen,
  • bei Geräte- oder Maschinenbedienung mit hoher Fußbeanspruchung oder grundsätzlich erhöhter Unfallgefahr,
  • bei körperschädlichen Haltungen (gestreckt, gebeugt, gebückt) oder Zeitdruck bedingten Aufgaben,
  • bei Akkord- und Fließbandarbeit,
  • nach dem dritten Monat auf Beförderungsmitteln,
  • in Nachtschichten (zwischen 20 und 6 Uhr) sowie an Sonn- und Feiertagen.

Diese Schutzvorschriften gelten im Übrigen auch für stillende Mütter. Des Weiteren dürfen diese zum Beispiel auch Stillpausen in Anspruch nehmen (zwei Mal täglich eine halbe Stunde oder einmal eine Stunde pro Tag).

Was ist, wenn ich während der Schwangerschaft gar nicht mehr arbeiten kann?

In manchen Fällen geht es den werdenden Müttern aufgrund ihrer Schwangerschaft körperlich so schlecht, dass sie ihrer Beschäftigung nicht mehr nachgehen können. Ein Arzt muss dafür ein entsprechendes Attest ausstellen und auf dieser Basis kann dann ein individuelles Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden. Dieses greift dann, wenn das Leben oder die Gesundheit von Mutter oder Kind bei Weiterführung des Jobs gefährdet wäre.

Statt eines generellen Beschäftigungsverbots kann man auch immer in Erwägung ziehen, die Arbeitszeit zu reduzieren oder leichtere Arbeiten zu verrichten. Der Arbeitgeber muss sich auf jeden Fall nach dem Beschäftigungsverbot richten. Er kann nicht verlangen, dass sich die Schwangere noch einmal von einem anderen, von ihm gewählten Arzt untersuchen lässt.

Vorsicht: Das individuelle Beschäftigungsverbot kann nur ausgesprochen werden, wenn die Beschwerden wirklich schwangerschaftsbedingt sind. Liegt eine andere Krankheit zu Grunde, muss der Arzt sie ganz normal krankschreiben. Gleiches gilt selbstverständlich auch für den Zeitraum nach der Geburt.

Dank des so genannten Mutterschutzlohnes muss sich die Schwangere keine Sorgen um Ihren Verdienst während eines Beschäftigungsverbotes machen. Garantiert ist in dieser Zeit mindestens der bisherige Durchschnittsverdienst. Das heißt: Der Mutterschutzlohn ist immer mindestens der Durchschnittslohn, den Sie in den letzten drei Monaten vor der Schwangerschaft verdient haben (bei wöchentlich ausbezahltem Lohn gelten die letzten 13 Wochen).

Wie lange gehen die Schutzfristen?

Die Schutzfrist beginnt im Regelfall sechs Wochen vor der Geburt und endet zwei Monate danach. Bei einer Frühgeburt oder bei Mehrlingsgeburten verlängert sich dieser Zeitraum auf zwölf Wochen nach der Entbindung (dafür ist jeweils ein ärztlicher Nachweis erforderlich).

Wenn die schwangere Frau es ausdrücklich wünscht und eine entsprechende Erklärung abgegeben hat, darf sie natürlich auch in dieser Schutzfrist arbeiten. Nach der Geburt darf sie allerdings selbst bei eigener Bereitwilligkeitserklärung nicht ihrer Beschäftigung nachgehen.

Wie viel Geld erhalte ich während des Mutterschutzes?

Das Mutterschaftsgeld wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Man kann es frühestens sieben Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin beantragen und es beträgt maximal 13 Euro pro Kalendertag. Es gilt für die bereits erwähnten sechs Wochen vor der Entbindung, den Entbindungstag selbst und die acht bzw. zwölf Wochen danach.

Ist das monatliche Nettoeinkommen höher als 390 Euro (also 30 Tage mal 13 Euro), muss der Arbeitgeber die Differenz zum Mutterschaftsgeld ausgleichen (Arbeitgeberzuschuss). Ausgangsbasis ist auch hier wieder der vergangene Durchschnittsverdienst (minus gesetzliche Abzüge).

Frauen, die nicht in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, sondern privat oder familienversichert sind, erhalten ein Mutterschaftsgeld von maximal 210 Euro. Der Ausgleich durch den Arbeitgeber wird natürlich auch hier vorgenommen.




Bildnachweis: Banana Stock/ RYF

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 19.09.2013, erstellt am 12.04.2011
Bildnachweis: Banana Stock/ RYF

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