Drucken

Kosmetik: Worauf Schwangere achten sollten

Solarium, Nagellack, Haarfarbe – zu welchen Beautytricks dürfen Schwangere eigentlich greifen? Schwere Frage. Denn Studien gibt es darüber so gut wie keine. Wir lassen Experten antworten


Darf sich eine werdende Mama die Haare färben? Oder Bräunungscreme benutzen?

Weiße Zähne

Für ein Lächeln wie aus der Zahnpasta-Werbung soll Bleaching sorgen, das Aufhellen der Zähne. „Schwangeren wird davon abgeraten“, erklärt Dr. Kerstin Blaschke, Zahnärztin im thüringischen Schmalkalden und erste stellvertretende Vorsitzende des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte. Bleichmittel in so hoher Konzentration können das Zahnfleisch angreifen. „Gerade bei Schwangeren aber ist das Zahnfleisch empfindlich, stärker durchblutet“, weiß Blaschke. Sie rät zur professionellen Zahnreinigung. Dadurch komme es auch zu einer gewissen Aufhellung.

Rote Fingernägel

Nagellacke und ihre Entferner enthalten giftige Stoffe wie Lösungsmittel oder Weichmacher – aber in so geringen Mengen, dass gesundheitliche Folgen als unwahrscheinlich gelten. „Schwangere können sich die Nägel lackieren“, sagt Professor Klaus Vetter, Chefarzt der Klinik für Geburtsmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin. Sein Tipp: Dabei gut lüften, sodass wenig Stoffe eingeatmet werden. Dasselbe gilt für Nagelstudios: Idealerweise sind die Fenster offen. Wer den Lack entfernen will, greift laut der Dermatologin Dr. Christiane Ravens am besten zu acetonfreien Mitteln.


Bemalte Haut

Von einer Tätowierung während der Schwangerschaft raten Experten ab. Ein Grund ist der Stress, dem das Baby durch die Adrenalinausschüttung der Mutter während des schmerzhaften Stechens ausgesetzt ist. Und: Wie Farben für Tätowierungen oder auch Permanent-Make-up im Körper wirken, ist bislang kaum untersucht. Darauf machte das Bundesinstitut für Risikobewertung aufmerksam. Die Berliner Behörde warnt zudem vor Henna-Tattoos, einem beliebten Urlaubsmitbringsel. Um die Farbe für diese Körperbemalung intensiver erscheinen zu lassen, wird ihr oft PPD zugesetzt – eine Substanz mit hohem Allergiepotenzial, die bei uns für kosmetische Anwendungen auf der Haut nicht zugelassen ist.

Gefärbte Haare

Auf keinen Fall blond? Lieber nur tönen? Am besten Henna? Rund ums Haarefärben in der Schwangerschaft kursieren unterschiedlichste Empfehlungen. 2001 sorgte eine US-Studie für Wirbel, die bei Friseuren und Verwendern von Färbemitteln ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs festgestellt hatte, insbesondere aus der Zeit vor 1985 (La Vecchia C., Tavani A., Hair dyes and bladder cancer: an update. European Journal of Cancer Prevention, 2001). „Die Produkte von heute aber gelten als sicher, auch in der Schwangerschaft“, sagt Klaus Vetter. Es sei nicht bekannt, dass sie dem Kind schaden. „Sonst gäbe es längst ein Arbeitsverbot für schwangere Friseurinnen“, erklärt der Experte. Allerdings ist auch die Unbedenklichkeit nicht bewiesen. Deshalb raten viele Hebammen und Gynäkologen, im ersten Trimester auf Farbe zu verzichten. In dieser Zeit bilden sich wichtige Organe des Babys heraus. Eine Alternative können Naturprodukte ohne toxische Stoffe sein. Oder Strähnchen: Die Farbe berührt nicht die Haut, die Inhaltsstoffe dringen nicht in den Körper ein. Generell gilt: Der Hormonhaushalt beeinflusst auch die Haarstruktur. „Farbe kann anders angenommen werden, intensiver oder blasser wirken“, sagt Ravens.

Sommerliche Bräune

Babybauch mit Sonnenteint? Dafür eignen sich Bräunungscremes. „Sie wirken nur in der oberen Hautschicht, sind für das Baby unbedenklich“, sagt die Essener Hautärztin Ravens. Aber: „Kaufen Sie Produkte ohne bräunungsbeschleunigende Psoralene.“ Diese stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. UV-Strahlen – natürlich oder künstlich – genießen Schwangere besser mit Vorsicht. Die Hormonumstellung regt die Pigmente an, Sommersprossen und Brustwarzen werden dunkler. Einige Frauen bekommen braune Flecken im Gesicht. „Sonne kann das alles noch verstärken“, sagt Gynäkologe Vetter. Dass ein Sonnenbad dem Kind schadet, ist bisher aber nicht bewiesen.

Schmucke Körpermitte

Mit einem neuen Piercing sollten Schwangere bis nach der Geburt warten. Denn es können Entzündungen oder Allergien auftreten – durch die Hormonumstellung übrigens auch bei bereits vorhandenem Körperschmuck. „Wenn ein Piercing Probleme macht, zum Beispiel gegen den sich nach außen wölbenden Nabel drückt, sollten Sie es rausnehmen“, rät Dermatologin Ravens. Eine Alternative zum Metall können biegsame, längere Stäbe aus Kunststoff sein, die es in Fachgeschäften zu kaufen gibt. Brustwarzenpiercings sollten Sie beim Stillen ebenfalls entfernen. Probleme bereiten die alten Wunden dabei in der Regel nicht. „Es sei denn, Narben verschließen Gänge der Brustdrüse“, so Professor Klaus Vetter. Zu wenig Milch wird abgegeben, im schlimmsten Fall kann eine Brustentzündung die Folge sein.

Glatte Beine

Sie riechen oft schon nach Chemie, enthalten chemische Wirkstoffe und werden direkt auf die Haut aufgetragen: Haarentfernungscremes. „Es gibt keine Untersuchungen über mögliche Folgen für Schwangere und ihr Baby“, sagt Christiane Ravens. Trotzdem empfiehlt die Dermatologin werdenden Müttern, lästige Härchen lieber mit Rasierer oder Wachs loszuwerden.

Zupfen gegen Streifen

Für Ihre Haut ist die Schwangerschaft ein Kraftakt. Oft entstehen durch die Dehnung Schwangerschaftsstreifen. Mit Zupfmassagen können Sie vorbeugen: eine kleine Hautpartie zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen, hochziehen, kurz halten. Nach dem Loslassen soll die Haut leicht gerötet sein, aber nicht schmerzen. Am besten verwenden Sie dazu Produkte mit Jojoba-, Calendula- oder Mandelöl. Auch manche Cremes unterstützen den Effekt. Ihr Apotheker berät Sie gerne.




Bildnachweis: Strandperle/ITStockFree

Julia Wölkart / Baby und Familie; aktualisiert am 19.09.2013, erstellt am 11.10.2010
Bildnachweis: Strandperle/ITStockFree

Newsletter für Schwangere

Hier können Sie unseren kostenlosen Schwanger- schaftsnewsletter abonnieren »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages