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Herpes

Herpes-simplex-Viren sind verantwortlich für die juckenden Bläschen an der Lippe, können jedoch auch Ursache eines Genitalherpes sein. Warum eine Infektion mit Herpes-Viren eine Gefahr für das Ungeborene darstellen kann

Beim Wort Herpes denken die meisten Menschen wohl an die juckenden, unter Umständen schmerzenden und unschönen Bläschen an der Lippe. Doch Herpes ist nicht gleich Herpes: "Es gibt das Herpes-simplex-Virus Typ 1 und Typ 2", erklärt Prof. Klaus Vetter, Chefarzt der Klinik für Geburtsmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin. Die Viren vom Typ 1 sind verantwortlich für das Lippenherpes – die Bläschen können jedoch auch an anderen Stellen des Gesichts auftauchen, etwa an der Nase. Typ 2 hingegen führt meist zu Genitalherpes.

Hat man sich einmal mit Herpes angesteckt, bleiben die Viren ein Leben lang im Körper. Ist das körpereigenen Abwehrsystem geschwächt, beispielsweise durch eine Erkältung oder Stress, kommt die Krankheit wieder zum Ausbruch und die typischen Bläschen zeigen sich erneut. Die erste Genitalherpes-Infektion hat meist einen schweren Verlauf. Im Gegensatz dazu verläuft eine Infektion mit dem Lippenherpes manchmal gänzlich symptomlos und bleibt so unbemerkt. Viele Menschen infizieren sich bereits im Kindesalter mit dem Typ-1-Virus, weshalb 40 bis 90 Prozent der Erwachsenen Antikörper dagegen haben.


Hat sich eine Frau bereits vor der Schwangerschaft mit dem Herpesvirus infiziert und kommt es während dieser Zeit zu einem wiederholten Ausbruch der Krankheit, stellt dies nur ein geringes Risiko für das Ungeborene dar, da es ebenfalls Antikörper besitzt. "Hier genügt eine lokale Behandlung mit sogenannten Virustatika, die es zum Beispiel als Salben gibt", erklärt Vetter. Problematisch kann es jedoch werden, wenn sich die werdende Mutter kurz vor der Geburt erstmals mit Herpes ansteckt – vor allem, wenn es sich um Genitalherpes handelt: "Denn bei der Geburt gelangen die Viren dann über Haut und Augen des Babys in sein Blut und können vor dort bis ins Gehirn wandern und eine Gehirnentzündung auslösen", warnt der Experte. Deshalb kann bei einer akuten Erstinfektion mit Genitalherpes ein Kaiserschnitt notwendig sein.

Dasselbe kann unter Umständen auch bei einem frisch wieder aufgeblühtem Herpes gelten, sofern die Krankheit kurz vor dem Geburtstermin auftritt und der Geburtskanal betroffen ist: denn trotz der vorhandenen Antikörper besteht kein absolut sicherer Schutz für das Kind. "95 Prozent der Säuglinge mit einer Herpeserkrankung haben sich während der Geburt infiziert. Lediglich 5 Prozent schon im Mutterleib", sagt Vetter.

Das Blut jeder Schwangeren routinemäßig auf Herpes-Antikörper zu untersuchen, mache laut Vetter jedoch keinen Sinn, da bei einer Herpes-Neuinfektion noch keine Antikörper nachgewiesen werden könnten: "Die gefährlichste Situation kann auf diese Weise also nicht entdeckt werden".




Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY
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Vanessa von Blumenstein-Langer / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 14.12.2010, erstellt am 25.11.2010
Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

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