Dehnungsstreifen entfernen: Geht das?

In der Schwangerschaft muss sich die Haut stark dehnen – manchmal reißen bestimmte Schichten. Was Frauen bei Schwangerschaftsstreifen tun können
von Daniela Frank, 12.01.2017

Cremen kann Schwangerschaftsstreifen etwas vorbeugen

Pixland/RYF

Der weibliche Körper leistet in der Schwangerschaft Erstaunliches. Gegen Ende der neun Monate produziert und befördert er zum Beispiel bis zu zwei Liter mehr Blut und ist zwischen 9 und 20 Kilogramm schwerer als zuvor. Der Großteil des zusätzlichen Gewichts verteilt sich auf Bauch und Brüste. Vor allem an diesen Stellen muss sich die Haut um ein Vielfaches dehnen.

Eigentlich ist es also ein Wunder, wenn der Körper das ganz gut wegsteckt und die meisten Veränderungen wieder zurückbildet. Und es ist kein Wunder, dass nicht alles wieder genauso aussieht wie vorher. Zum Beispiel die Haut an Bauch und Busen. "Dehnungsstreifen kommen bei 50 bis 90 Prozent der Schwangeren vor", sagt Dr. Dimitra Kiritsi, Funktionsoberärztin an der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Ursachen für Schwangerschaftsstreifen

Die Hormone in der Schwangerschaft verändern die Beschaffenheit der Haut. Sie wird dünner. Zusätzlich wird sie stark gedehnt. Überdehnt das Bindegewebe dabei, können die unteren Hautschichten einreißen. Durch die Risse schimmern die darunter liegenden Blutgefäße. Deshalb erscheinen Schwangerschaftsstreifen zunächst rötlich oder bläulich. Später verblassen sie und werden dünner. "Das dauert meist einige Monate – wie lange genau, ist von Frau zu Frau verschieden", sagt Kiritsi. Komplett verschwinden sie in der Regel nicht.

Fast jede Schwangere bekommt Dehnungsstreifen – schon daran lässt sich ablesen, dass es kaum möglich ist, sie zu vermeiden. Trotzdem gibt es beeinflussbare Risikofaktoren, wie etwa Übergewicht.


Risikofaktoren für Schwangerschaftsstreifen:

  • erbliche Veranlagung
  • schon in der Pubertät Dehnungsstreifen bekommen
  • junges Alter – die Haut junger Frauen ist noch straffer und reißt dadurch leichter
  • hohes Gewicht
  • starke Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
  • großes Kind oder Mehrlingsschwangerschaft

Schwangerschaftsstreifen vorbeugen

"Sport spielt anscheinend weniger eine Rolle", sagt Kiritsi. "Dazu gibt es allerdings nicht viel Literatur." Für eine elastische Haut sei Sport zwar gut – allerdings reiche es nicht, erst mit Beginn der Schwangerschaft damit anzufangen. Nichtsdestotrotz ist Sport aus anderen Gründen für Schwangere sehr ratsam, unter anderem zur Gewichtskontrolle.

Denn der wichtigste Tipp, um Schwangerschaftsstreifen vorzubeugen, ist: Früh auf das Gewicht achten. Am besten, Übergewicht schon vor der Schwangerschaft vermeiden und während der neun Monate nicht übermäßig zunehmen. Außerdem gibt es in Studien gewisse Hinweise – wenn auch schwache –, dass regelmäßiges Eincremen während der Schwangerschaft Dehnungsstreifen vorbeugen kann. "Demnach könnten sowohl Cremes mit Centella asiatica, Hyaluronsäure als auch Pflegeöle mit Zupfmassage einen leichten vorbeugenden Effekt haben", sagt Kiritsi. "Für Zink gibt es dagegen keine Belege." Unklar bleibt in den Studien allerdings, ob die Inhaltsstoffe der Cremes oder die Gewebsmassage beim Eincremen den positiven Effekt bewirken.

Gegen Ende des zweiten Trimenon steigt das Risiko für Schwangerschaftsstreifen deutlich an. "Deshalb ist es ratsam, ab der zwölften Woche mit dem Cremen anzufangen", rät Kiritsi. Selbst, wenn das Cremen die Streifen nicht komplett verhindert, gibt es Hinweise, dass das Entstehen der Streifen positiv beeinflusst wird.

Behandlung von Schwangerschaftsstreifen: Vom Arzt beraten lassen

Wer trotzdem die kleinen Risse bekommt, kann sich bei einem qualifizierten Hautarzt über Behandlungsmöglichkeiten informieren. Generell gilt: In der ersten Zeit nach ihrer Entstehung sind die Streifen am besten behandelbar.

Direkt beginnen können Frauen mit erneutem regelmäßigem Eincremen. "Zwar gibt es zum Einsatz von Narbenpflegecremes keine großen Studien", sagt Kiritsi. "Trotzdem ist Eincremen generell immer sinnvoll, egal mit welcher Creme." Frauen sollten sich nicht zu viel davon versprechen, aber es helfe auf jeden Fall, die Haut geschmeidig zu halten. Für andere Methoden wie Lasern oder Needling sollten sich Frauen nach der Geburt etwas Zeit lassen. "Bis der Körper wieder in einem Zustand ist, in dem er die Behandlung gut vertragen kann", sagt Kiritsi. Ein paar Monate zu warten sei kein Problem, schließlich ändere sich der Körper in der ersten Zeit wieder rasant.

Generell sei die Erwartungshaltung der Patientinnen an die Behandlung häufig hoch, berichtet die Expertin. "Leider ist der Effekt in der Regel nicht sehr groß", sagt sie. "Deshalb klären wir die Patientinnen intensiv auf." Mit all den unten beschriebenen Methoden ließe sich bei lediglich 40 bis 50 Prozent der Betroffenen eine moderate Besserung erreichen. Viele entscheiden sich angesichts der Kosten und des zu erwartenden geringen Effekts dann gegen einen Behandlungsversuch. Die Krankenkassen bezahlen solche Behandlungen nämlich nicht: Je nach Methode, Beschaffenheit der Haut und Areal kosten sie zwischen einigen Hundert bis einigen Tausend Euro. "Die Patientinnen, die es nach unserer Aufklärung trotzdem versuchen, sind dann schon meist zufrieden", sagt Kiritsi.


Behandlungsmethoden: Lasern oder Needling

Diese Behandlungsmethoden gibt es:

Der Farbstoff-Laserzerstört die Blutgefäße und eignet sich vor allem für frischere Risse und Narben. Er lässt sie schneller verblassen.

Für weiße Dehnungsstreifen und andere Narben eignet sich der sogenannte ablative Fraxel-CO2 Laser. Er verursacht viele winzige Löcher in den unteren Hautschichten und regt so die Bildung von neuem Bindegewebe an. Wie viele Sitzungen nötig sind, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. "Das ist abhängig davon, wie der Körper auf die Behandlung reagiert", sagt Kiritsi. "Meist wird mit einer geringeren Intensität begonnen zu lasern. Wenn das nicht ausreicht, steigert man sie. Bei manchen funktioniert es gut, bei manchen auch gar nicht." Im Schnitt müsse man mit mindestens fünf Sitzungen rechnen.

Die aggressivste Behandlungsform mit dem CO2-Laser ist die sogenannte Rio-Methode: Die Haut wird zuerst mit Vitamin-A-Säure behandelt und dann gelasert. "Das ist ein aggressives Abtragen der Haut, das nicht viele Zentren durchführen", sagt Kiritsi. "Es eignet sich bei jungen Müttern in vielen Fällen ohnehin nicht, da Vitamin-A-Säure während der Stillzeit tabu ist."

Mithilfe des sogenannten Micro-Needlings werden kleine Wunden in die Haut gestochen. Dadurch soll die Kollagenbildung angeregt werden. Zusätzlich wird meist ein Serum aufgetragen, das die Haut durch die kleinen Verletzungen besser aufnehmen können soll. "Die Wirksamkeit der Methode beim Arzt schätze ich ähnlich ein wie bei den Laserverfahren", sagt Kiritsi. "Allerdings wenden sie meines Wissens nach nicht viele Ärzte an den Universitäten an."

Problematisch sei, dass das Micro-Needling im Gegensatz zum Lasern keiner ärztlichen Zulassung bedürfe – jeder kann es anwenden. Es gibt sogar Nadelroller, -pens oder -stempel für den Hausgebrauch. "Nadelroller für zu Hause unterscheiden sich erheblich von denen für den medizinischen Gebrauch", sagt Kiritsi. "Sie haben einen viel geringeren Effekt, aber gleichzeitig ist das Risiko viel höher, etwas kaputtzumachen – schon alleine wegen der Infektionsgefahr." Die Expertin rät: Wenn gewünscht, das Needling unbedingt bei einem qualifizierten Arzt durchführen lassen.

Eine neue Methode ist auch das Fractional Radiofrequence Micro-Needling. Sie kombiniert das Needling mit Ultraschallwellen, die die Kollagenbildung noch besser anregen sollen. "Ob dieses neuere Verfahren den anderen überlegen ist, ist noch nicht ausreichend untersucht", sagt Kiritsi.



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