Blutungen in der Schwangerschaft: Was tun?

Meist haben Blutungen in der Schwangerschaft keine gefährlichen Ursachen. Trotzdem sollten Betroffene sofort ihren Arzt kontaktieren

von Julia Schulters, aktualisiert am 22.07.2016

Blutungen und Schmerzen in der Schwangerschaft? Schnell zum Arzt!

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Die ersten zwölf Wochen können viele ­Schwangere kaum genießen. Zu groß ist die Angst vor einer Fehlgeburt, zu verunsichert sind viele von Horror­­geschichten aus dem Internet. Wenn dann auch noch Blutungen auftreten, befürchten die meisten Frauen das Schlimmste: "Fast ­alle Patien­tinnen rechnen sofort mit einer Fehlgeburt", sagt der Gynäko­loge Dr. Jörg Angresius aus Neunkirchen im Saarland. Dabei kann der Frauenarzt meist beruhigen: "Gerade in der Frühschwangerschaft sind Blutungen oft harmlos", erklärt er. Und: Sie kommen nicht selten vor. Rund 20 Prozent aller Schwangeren sind davon betroffen.

Dennoch sollte man ­Blutungen nicht ignorieren: "Sie sind ­immer ein Grund, möglichst schnell zum Arzt zu gehen", sagt die Berliner Geburtsmedizinerin Dr. Babett Ramsauer, Gynäkologin am Vivan­tes Klinikum Neukölln. "Und zwar unabhängig davon, in welcher Stärke oder zu welchem Schwanger­­schaftszeitpunkt sie auftreten."

Blutungen in den ersten Schwangerschaftswochen

Die Blutungsquelle erkennt der Arzt bei einer gynäkologischen Untersuchung und mithilfe eines Ultra­schalls über die Scheide.


Dr. Jörg Angresius ist Gynäkologe mit Praxis in Neunkirchen im Saarland

W&B/Privat

Kleine Verletzungen: "Häufig blutet es an einer kleinen Stelle in der Scheide, am Gebärmutterhals oder am Muttermund", erklärt Angresius. Dabei handele es sich um minimale Verletzungen, die zum Beispiel durch Geschlechtsverkehr ausgelöst wurden.

"Das ist nicht dramatisch und passiert häufig, weil das Gewebe in der Schwangerschaft gelockert ist", sagt der Gynäkologe. Meist kommt die Blutung von ­alleine zum Stillstand. Ist das nicht der Fall, verödet der Arzt das verletzte Gefäß manchmal auch.


Dr. Babett Ramsauer ist leitende Oberärztin der Geburtsmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin

W&B/Privat

Hormonelle Schwankungen: Ebenfalls häufig in der Frühschwangerschaft: Blutungen aufgrund von hormonellen Schwankungen. "Da die Hormonlage am Anfang noch nicht so stabil ist, haben viele Frauen um ihren eigent­lichen Menstruationstermin herum Schmierblutungen", erklärt Babett Ramsauer.

Die Blutung sei allerdings meist deutlich schwächer als die Regelblutung. In diesen Fällen verschreibt der Gynäkologe manchmal Medikamente mit dem Gelbkörperhormon Progesteron, um die Hormonlage etwas zu stabilisieren.

Fehlgeburt: Gehen Schmerzen und Krämpfe mit den Blutungen einher, stecken häufig ernsthaftere Ursachen dahinter. "Dann ist tatsächlich manchmal eine frühe Fehlgeburt der Grund", sagt Ramsauer.

Eileiterschwangerschaft: Auch bei einer sogenannten extra­­uterinen Schwangerschaft, bei der sich die befruchtete Eizelle etwa im Eileiter statt in der Gebärmutter eingenistet hat, treten häufig Blutungen auf. Werden sie von Schmerzen begleitet, gilt: sofort zum Arzt oder in die Frauenklinik! Eine Eileiterschwangerschaft kann lebensbedrohlich werden.

Blutungen in der zweiten Schwangerschaftshälfte

Seltener treten Blutungen in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf. "Dafür sind die Ur­sachen oft gravierender", sagt Angresius.

Plazenta praevia: Häufig rühren die Blutun­gen von einer ungünstigen ­Lage der Plazenta, zum Beispiel wenn sie in unmittelbarer Nähe des Mutter­munds liegt. "Bei Anstrengung oder Geschlechtsverkehr kann es dann bluten", erklärt der Arzt. Frauen mit einer sogenannten Plazenta praevia wird daher geraten, sich zu schonen und auf Sex zu verzichten. Manchmal ist auch ein Krankenhausaufenthalt nötig.

Notfall Plazentaablösung: Ein Notfall ist eine vorzeitige Plazentaablösung, bei der sich der Mutter­­kuchen vor der Geburt des Kindes von der Gebärmutterwand löst. Sie geht mit Blutungen, starken Schmerzen und einem harten Bauch einher. Grund kann zum Beispiel ein Bauchtrauma sein, ausgelöst ­etwa durch einen schweren Autounfall oder einen Schlag in den Bauch. "Je nach Ausmaß der Ablösung ist dann sofort ein Kaiserschnitt nötig", erklärt Ramsauer.

Zeichnungsblutung: Normal dagegen ist die sogenannte Zeichnungsblutung, die um den Geburtstermin herum auftreten kann. "Dadurch, dass sich der Muttermund öffnet, blutet es dann", erklärt Ramsauer. Passiert das allerdings deutlich vor dem errechneten Geburtstermin, droht eventuell eine Frühgeburt – zum Beispiel verursacht durch eine Infektion. Frauenärztin Ramsauer rät daher: "Im Zweifel unbedingt in der Klinik abklären lassen."


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