Drucken

Blutungen in der Schwangerschaft – was tun?

Die meisten Ursachen bei Blutungen während der Schwangerschaft sind nicht schwerwiegend. Trotzdem ist es notwendig, sich sofort mit dem Frauenarzt in Verbindung zu setzen


Blutungen und Schmerzen in der Schwangerschaft? Schnell zum Arzt!

Viele Frauen, die schwanger werden wollen, warten genau auf diesen Moment – das Nicht-Einsetzen der Regelblutung. Wenn dann unerwartet Blutungen während der Schwangerschaft auftreten – und das tun sie bei beachtlichen 20 Prozent aller Schwangeren –, reagieren die meisten Frauen beunruhigt und haben Angst vor einem möglichen Abort. Dabei können diese Blutungen die unterschiedlichsten Ursachen haben und sind meist harmloser Natur. Trotzdem sollte man diese Symptome immer ernst nehmen und auf jeden Fall sofort den Gynäkologen aufsuchen. Manche Blutungen können sogar lebensgefährlich sein, so dass der Notarzt gefragt ist.

Blutungen in der ersten Schwangerschaftshälfte

Im ersten Trimenon sind solche Blutungen nichts Ungewöhnliches. Der Gynäkologe muss in dem Fall abklären, ob es sich um eher leichte Schmierblutungen oder bereits um stärkere Blutungen handelt. Ein wichtiger Punkt sind auch eventuell mit einer Blutung verbundene Schmerzen. Via Ultraschalluntersuchung kann meistens die mögliche Ursache eruiert werden.


Manche Frauen halten solche Blutungen für ihre Regelblutung und sind verständlicherweise beunruhigt. „Dabei handelt es sich nicht um eine richtige Menstruation,“ erklärt Dr. Dieter Sauter, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in München. Die Ursachen für diesen Blutverlust sind vielfältig. Es kann sich um Hormonschwankungen handeln oder aufgrund einer besonderen Form der Gebärmutter bluten. „Wenn Blutungen ohne Krämpfe einhergehen, dann ist das meistens noch ein ganz gutes Zeichen,“ weiß Sauter. Wenn allerdings zusätzlich ein starkes Ziehen und Schmerzen auftreten, handelt es sich meistens um einen Abort.

Bei starken Unterleibsschmerzen kann Abort drohen

In vielen Fällen bemerken die Frauen gar nicht, dass sie schwanger sind oder waren, da ihr Zyklus gar nicht ausfällt – oder wenn, dann nur etwas zeitversetzt einsetzt. „Bei den Erstschwangerschaften kann man davon ausgehen, dass circa 60 Prozent nicht halten. Als ob die Natur so einen Art Probelauf bräuchte,“ sagt Sauter. „Das hat unter anderem mit dem Alter der Mütter zu tun, aber auch beispielsweise mit einer Unterversorgung mit Folsäure.“

Eine drohende Fehlgeburt wird meist begleitet von heftigen Unterbauchschmerzen. Aus der Stärke der Blutung lässt sich allerdings meist nicht das Risiko für eine Fehlgeburt ablesen. Für gewöhnlich verordnen Gynäkologen Schonung und Entspannen in liegender Position. Auch Magnesium könne "als Antistress- und Entspannungsmineral" helfen, so Sauter. Dass sich Frauen – wie früher – wochenlang hinlegen sollen, gilt heute nicht mehr. „Entweder es hält trotzdem oder es hält eben nicht,“ gibt Sauter ganz offen zu. „Das ist so ein bisschen das Alles-oder-nichts-Gesetz der Natur.“

Weitere Gründe für Schwangerschaftsblutungen

Ektopie: Ganz einfach ausgedrückt ist eine Ektopie die Wanderung der Gebärmutterschleimhaut auf den Muttermund. Nach dem Geschlechtsverkehr kann es aufgrund dieser Schleimhautverschiebung zu meist leichten Blutungen kommen, den so genannten Kontaktblutungen. In fast allen Fällen sind diese Verschiebungen aber gutartig und die Blutungen harmlos, schmerzfrei und ungefährlich.

Blasenmole: Ein anderer Grund für Blutungen kann eine so genannte Blasenmole sein, die aber relativ selten vorkommt. „Die Blasenmole ist eine Veränderung der Plazentaanlage, die meistens genetisch bedingt ist,“ erklärt Dieter Sauter. Die Blasenmole zählt zu den Trophoblasterkrankungen. Der Plazenta ist es aufgrund einer unkontrollierten Zellwucherung nicht möglich, sich richtig zu entwickeln. Man unterscheidet zwischen einer partiellen und einer kompletten Blasenmole. In beiden Fällen kann sich kein lebensfähiges Baby entwickeln.  

Eileiterschwangerschaft: Eine weitere Blutverlust-Ursache kann eine Eileiterschwangerschaft sein. „Das ist eine Schwangerschaft im Eileiter, also außerhalb der Gebärmutter,“ erklärt Sauter. Die Einnistung der befruchteten Eizelle außerhalb der Gebärmutter nennt man Extrauteringravidität. „Dieses Chamäleon der Medizin ist sehr gefürchtet, weil man es nicht immer gleich erkennt,“ so Sauter. Die „verirrte“ befruchtete Eizelle versucht sich also in ihrer Not im Eileiter einzunisten – und kann im schlimmsten Fall den Eileiter sprengen. Eine Chance auf Überleben hat die Eizelle nicht. „Die Patientin, die den Schmerz bisher vielleicht für Blinddarmbeschwerden gehalten hat, ist im ersten Moment froh, dass die Beschwerden nach dem Platzen des Eileiters aufhören,“ sagt der Gynäkologe. Das ist fatal, denn „da laufen schnell mehrere hundert Milliliter Blut in den Bauch.“ Und das kann lebensbedrohlich für die Frau sein.

Blutungen in der zweiten Schwangerschaftshälfte

Im zweiten Trimenon kommen Blutungen wesentlich seltener vor. Allerdings können sie aufgrund ihrer Stärke oftmals gefährlicher für Mutter und Kind sein.

Plazenta praevia: Die meisten Blutungen in der zweiten Schwangerschaftshälfte haben plazentare Gründe. Die Placenta praevia bedeutet eine fehlerhafte Lage des Mutterkuchens. Dieser liegt in dem Fall in unmittelbarer Nähe des Muttermundes und macht quasi den Weg dicht, den das Kind normalerweise nehmen würde. In den meisten Fällen ist ein Kaiserschnitt unumgänglich, wenn die Plazenta nicht wieder nach oben wandert. Die Gründe für diesen Plazenta-Rutsch sind nicht immer eruierbar. Bisweilen kann er durch vorzeitige Wehentätigkeit oder auch manchmal durch körperliche Beanspruchung verursacht werden. Auch bei der Placenta praevia gilt: Sofort ins Krankenhaus, da der daraus resultierende Blutverlust lebensbedrohlich für Mutter und Kind werden kann.

Vorzeitige Plazentalösung:
Die vorzeitige Plazentalösung (bei einer normal sitzenden Plazenta) ist meist mit starken Schmerzen verbunden. Das Fatale: Nach außen dringen oft nur geringe Mengen an Blut. Der Großteil fließt nach innen. Auch hier muss die Schwangere sofort ins Krankenhaus gebracht werden und eventuell ein Kaiserschnitt vorgenommen werden. Mögliche Gründe für eine vorzeitige Plazentalösung: Hämatome hinter der Plazenta, welche durch einen Sturz ausgelöst werden können, durch Bluthochdruck, eine zu kurze Nabelschnur oder einen vorzeitigen Blasensprung.




Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Liquid Library

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 19.09.2013,
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Liquid Library

Newsletter für Schwangere

Hier können Sie unseren kostenlosen Schwanger- schaftsnewsletter abonnieren »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages