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Bluthochdruck während der Schwangerschaft

Sie beeinträchtigt das Wachstum des Ungeborenen und führt oft zu einer Frühgeburt: Präeklampsie. Wie sich die Erkrankung äußert und was Schwangere dagegen tun können


Wichtige Kontrolle: Bei Schwangeren wird regelmäßig der Blutdruck gemessen

Von hundert Schwangeren entwickeln drei bis fünf eine sogenannte Präeklampsie. „Die Krankheit gehört zu den häufigsten Komplikationen, die während einer Schwangerschaft auftreten können“, sagt Professor Dr. med. Walter Klockenbusch, Leiter des Bereichs Geburtshilfe am Universitätsklinikum Münster. Schätzungen der Uniklinik Köln zufolge gibt es in Deutschland jährlich 15000 Frühgeburten aufgrund von Präeklampsie, die umgangssprachlich oft als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet wird. Fünf Frauen sterben durchschnittlich pro Jahr an den Folgen der Erkrankung. Bis heute ist die genaue Ursache der Präeklampsie ungeklärt, und es gibt nur wenige gesicherte Methoden zur Vorbeugung und Behandlung – trotz intensiver Forschung. Das Wichtigste für werdende Mütter: regelmäßig den Blutdruck kontrollieren lassen.

Hauptsymptom bei Präeklampsie: Bluthochdruck

Präeklampsie tritt bei den betroffenen Schwangeren meist nach der 20. Woche auf. Sie definiert sich vor allem durch Bluthochdruck – über 140/90 mmHG – in Kombination mit vermehrten Eiweißausscheidungen im Urin. Weitere Symptome wie Wassereinlagerungen, Übelkeit, starke Kopfschmerzen und Sehstörungen kommen in manchen Fällen hinzu.


Um die Erkrankung zu erkennen, ziehen Gynäkologen Blutdruck- und Urinwerte heran. Außerdem messen sie beim zweiten großen Ultraschall die Durchblutung der Gebärmutter. „Zeigt sich hier ein erhöhter Widerstand, ist das Präeklampsie-Risiko deutlich erhöht“, sagt Professor Dr. med. Peter Mallmann, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uniklinik Köln.

Ältere Mütter stärker gefährdet

Ein erhöhtes Risiko haben werdende Mütter, die älter als 35 Jahre alt sind, Frauen mit chronischem Bluthochdruck, Nierenproblemen oder Diabetes und Schwangere, bei denen das Phänomen zuvor schon einmal aufgetreten ist. Da die Erkrankung oft gehäuft in einer Familie vorkommt, glauben Forscher heute außerdem, dass die Veranlagung zur Präeklampsie vererbt wird.

Schätzt der Arzt die Gefährdung als hoch ein, kann er vorbeugend und unter strenger Beobachtung Acetylsalicylsäure verordnen. Ab der Frühschwangerschaft in niedrigen Dosen eingenommen, soll das Mittel eine Präeklampsie verhindern – vermutlich unter anderem, weil es die Blutversorgung der Plazenta und damit des Babys verbessert. „Das ist die einzige seriöse und verfügbare Präventionsmethode“, erklärt Peter Mallmann. Sein Kollege Klockenbusch warnt vor anderen Empfehlungen, die vor allem im Internet kursieren. Hier werde besorgten Müttern beispielsweise eine Immuntherapie für Hunderte von Euro ans Herz gelegt, berichtet der Experte. „Die ist fragwürdig. Und die Einnahme von Vitaminen ist nutzlos“, so der Experte.

Nur wenige Behandlungsmethoden

Auch für die Behandlung stehen nur wenige Methoden zur Verfügung. „Eigentlich gibt es derzeit keine Therapie außer der Entbindung“, so Mallmann. Treten bei der Mutter schwerwiegende Durchblutungsstörungen auf – etwa in den Nieren, dem Herzen oder auch im Gehirn –, muss das Kind häufig früher als geplant auf die Welt geholt werden. Walter Klockenbusch rät deshalb allen betroffenen Frauen, sich auf jeden Fall in einem Perinatalzentrum anzumelden. Hier sind Ärzte und Pflegepersonal auf die Versorgung von Frühchen spezialisiert.

Bei der Entbindung wird die Plazenta entfernt, in der Wissenschaftler den Ursprung von Präeklampsie vermuten. „Die Ursachen scheinen in einer frühen Entwicklungsstörung des Mutterkuchens zu liegen“, erläutert Experte Mallmann. Möglichweise kommt es zu einem Sauerstoffmangel, der dazu führt, dass Stoffe wie ein bestimmtes Eiweiß in das mütterliche Blut gelangen. Und diese Stoffe wiederum begünstigen wohl die Entstehung der Präeklampsie.

Studie: Blutwäsche entfernt Eiweiß

Hier setzt ein Verfahren an, das die Uniklinik Köln in Zusammenarbeit mit der Harvard Medical School in Boston entwickelt hat: Eine neuartige Blutwäsche entfernt dieses Eiweiß aus dem Blut der Schwangeren. Bei zahlreichen Patientinnen verlief der Versuch bislang erfolgreich.

Die Methode habe sich als sicher erwiesen, betont Projektleiter Peter Mallmann. Aber er warnt auch vor vorschneller Euphorie. „Es handelt sich noch um eine Studie, wir müssen weitere Ergebnisse abwarten“, so Mallmann. „Es wäre aber schon ein Erfolg, wenn das Kind durch das neue Verfahren einfach nur länger im Bauch der Mutter bleiben kann, jeder Tag kann entscheidend für das Ungeborene sein.“ Bis dato werden oft blutdrucksenkende Mittel gegeben. „Damit lassen sich die Symptome eine gewisse Zeit kontrollieren, aber eine längere Gabe kann dem Kind schaden, sein Wachstum wird eingeschränkt“, sagt Klockenbusch.

Zudem können Frauen mit Präeklampsie intravenös Magnesium bekommen. Das senkt laut Klockenbusch die Wahrscheinlichkeit für Krampfanfälle, die manchmal als Komplikation der Präeklampsie auftreten. Vor allem müssen Mediziner aber eines tun: „Mutter und Kind beobachten, jeden Tag aufs Neue entscheiden, ob die Schwangerschaft fortgesetzt werden kann.“




Bildnachweis: Thinkstock/Creatas

Julia Wölkart / Baby und Familie; 20.12.2010, aktualisiert am 10.12.2012
Bildnachweis: Thinkstock/Creatas

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