Die Sehnsucht nach fernen Ländern weicht in der Schwangerschaft meist dem Sinn für Sicherheit und "Nestbau". Reisen ins Unbekannte bergen Risiken
In der Schwangerschaft ist das Risiko für eine Thrombose, also eine Verklumpung des Blutes, deutlich erhöht. Löst sich dieses Blutgerinnsel und verstopft ein Blutgefäß, spricht man von einer Embolie. Dies ist ein schwerwiegendes Krankheitsbild, welches auch tödlich verlaufen kann. Bei längeren Flügen beispielsweise, verbunden mit langem Stillsitzen, Flüssigkeitsverlust durch die Klimaanlage und einem Druckanstieg in der Flugkabine, wird das Thromboserisiko stark erhöht. Es kommt nicht selten vor, dass Passagiere – ohne schwanger zu sein – nach der Landung eine Lungenembolie erleiden (ein plötzlicher Verschluss von Blutgefäßen in der Lunge), ein mitunter lebensgefährlicher Notfall. Durch medikamentöse, die Blutgerinnung herabsetzende Therapien (mit Heparin und in bestimmten Phasen der Schwangerschaft auch mit Acetylsalicylsäure) kann diesem Risiko in gewissem Umfang entgegengewirkt werden. Auch sollten medizinische Kompressionsstrümpfe (Antithrombosestrümpfe) getragen und auf ausreichende Bewegung (einmal pro Stunde aufstehen und herumlaufen) und Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.
Dennoch: Wegen des oben beschriebenen Risikos ist aus medizinischer Sicht von einer Reise mit einer Flugdauer von über vier Stunden, also bereits ab Mittelstreckenflügen, in der Schwangerschaft abzuraten. Hier spielt auch das Schwangerschaftsstadium keine Rolle.
Ein normaler Reisedurchfall, zum Beispiel durch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, stellt kein Risiko in der Schwangerschaft dar. Wichtig ist allerdings der Ersatz der verloren gegangenen Flüssigkeit und Mineralstoffe. Sie sollten, insbesondere wenn Sie schwanger sind, bei Krankheitsbeginn auch sofort einen Arzt aufsuchen, der Erfahrungen mit den landestypischen Magen-Darm-Erkrankungen hat. Er kann beurteilen, ob es sich um einen eher harmlosen Reisedurchfall oder möglicherweise einen komplizierteren infektiösen Durchfall handelt. Insgesamt sollten die Symptome nicht länger als drei Tage anhalten. Andernfalls ist unter Umständen eine stationäre Behandlung mit Gabe eines Antibiotikums und Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes notwendig.
Prof. Dr. med. André Ahr, Experte der "Sprechstunde Schwangerschaft-Geburt-Stillen", in der Sie viele Fragen und Antworten rund um das Thema Schwangerschaft finden.
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Prof. Dr. med. André Ahr / surfmed / www.baby-und-familie.de;
02.01.2008, aktualisiert am 25.03.2011
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF
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