Beckenendlage: Drehen noch im Mutterleib

Die Geburt steht bald bevor und das Baby liegt verkehrt herum? Erfahrenen Geburtshelfern gelingt in vielen Fällen eine äußere Wendung im Mutterleib

von Daniela Frank, aktualisiert am 10.08.2016

Mit gezielten Griffen können geschulte Geburtshelfer das Baby im Mutterleib drehen

BrandXPictures/ RYF

Eine Handfläche liegt oben auf dem Bauch der Schwangeren, die andere unten – bei der sogenannten äußeren Wendung versuchen erfahrene Geburtshelfer, mit sanftem Druck das Ungeborene zum Drehen zu bewegen. Die meisten Babys liegen zwar spätestens bis vier Wochen vor der Geburt mit dem Kopf nach unten im Mutterleib. So, wie es für die Geburt am günstigsten ist. Doch rund fünf Prozent drehen sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht von selbst nach unten sondern liegen andersherum im Mutterleib, in der so genannten Beckenendlage. Mehr als 90 Prozent kommen daraufhin per Kaiserschnitt zur Welt.


Drehen im Mutterleib: Oft einen Versuch wert

Doch das müsste nicht so sein: Immer häufiger sind auch vaginale Geburten aus der Beckenendlage möglich. Obwohl bis vor einiger Zeit vehement davon abgeraten wurde, sind sie unter bestimmten Voraussetzungen kein Problem. In vielen Fällen lohnt sich aber auch der Versuch, das Kind von außen zum Drehen zu bewegen. Ist die äußere Wendung erfolgreich, liegt das Baby anschließend in Schädellage, einer normalen Geburt steht nichts im Weg.

Eine Studie der Uniklinik Jena hat die Daten von mehr als 400 Schwangeren mit einem Ungeborenen in Beckenendlage analysiert. Bei 30 Prozent der Versuche gelang die Wendung im Mutterleib. Und auch, wenn sich das Kind nicht drehen ließ, hatten Frauen nach einem Wendungsversuch häufiger eine normale Geburt: Während nur 17 Prozent aller Kinder ohne Wendungsversuch spontan geboren wurden, waren es nach einem Wendungsversuch 49 Prozent, 31 Prozent davon aus Beckenendlage. Ältere Studien geben für die äußere Wendung höhere Erfolgsquoten zwischen 50 Prozent für Erstgebärende und 70 Prozent bei weiteren Schwangerschaften an.

Erfahrene Geburtshelfer überwachen jeden Schritt

Nur erfahrene Geburtshelfer sollten eine äußere Wendung durchführen – in der Klinik und unter entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel ausführliche Voruntersuchungen mit Ultraschall, eine durchgehende CTG-Überwachung während des Wendungsversuches und die Möglichkeit, jederzeit einen Notkaiserschnitt zu machen.

Vorab wird die Schwangere über den Eingriff sowie seine Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt. Die äußere Wendung wird ab der 37. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Lunge schon so weit entwickelt, dass das Baby auf die Welt kommen könnte und keine Frühgeburt mehr droht. Die Frauen erhalten eine Viertelstunde vor der Wendung ein wehenhemmendes Medikament, damit die Gebärmutter entspannt.

Was gegen eine äußere Wendung sprechen kann

Nur selten sprechen medizinische Gründe gegen eine äußere Wendung. Dazu zählen unter anderem eine Placenta praevia, vorzeitiger Blasensprung, Nabelschnurumschlingungen oder eine zu geringe Fruchtwassermenge.

Es ist nicht gesagt, dass die äußere Wendung funktioniert. Manche Kinder drehen sich auch wieder zurück. Auch deswegen sollten werdende Eltern vorab das Für und Wider zusammen mit dem Frauenarzt genau abwägen.



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