Beckenendlage: Drehen noch im Mutterleib

Die Geburt steht bald bevor und das Baby liegt verkehrt herum? Mit erfahrenen Ärzten an der Seite gelingt laut einer Erhebung bei einem Drittel eine Wendung im Mutterleib

von idw / Daniela Frank, aktualisiert am 31.03.2016

Mit gezielten Griffen können geschulte Geburtshelfer das Baby im Mutterleib drehen

BrandXPictures/ RYF

Eine Handfläche liegt oben auf dem kugelrunden Bauch, die andere unten. Mit sanftem Druck versucht Privatdozentin Dr. Tanja Groten, Oberärztin in der Geburtshilfe am Uniklinikum Jena, das Kind im Bauch der Schwangeren dazu zu bewegen, sich mit dem Kopf nach unten zu drehen. Die meisten Ungeborenen befinden sich spätestens vier Wochen vor der Geburt von selbst in der für die Geburt gewünschten Lage. Rund fünf Prozent aller Kinder hingegen liegen andersherum im Mutterleib, in der so genannten Beckenendlage. Von ihnen erblicken in Deutschland mehr als 90 Prozent per Kaiserschnitt das Licht der Welt.


Drehen im Mutterleib: Oft einen Versuch wert

Dabei gibt es manchmal Alternativen, zum Beispiel eine Geburt aus der Beckenendlage. Laut einer Untersuchung des Universitätsklinikums Jena (UKJ) ist auch die Drehung der Kinder noch im Mutterleib eine erwägenswerte Möglichkeit. Nur selten spricht aus medizinischen Gründen etwas gegen diese äußere Wendung – wenn beispielsweise der Bauchumfang des Kindes deutlich kleiner ist als der des Kopfes oder die Füße und nicht der Po zuerst zum Ausgang streben. Dann kann der vorangehende Teil den Geburtskanal nicht ausreichend weiten für den nachfolgenden Kopf. In vielen Fällen ist es dagegen einen Versuch wert – vorausgesetzt, der Geburtshelfer hat ausreichend Erfahrung mit der Methode. Sie wird daher nur in entsprechend vorbereiteten Kliniken angeboten. "Für manche Mütter ist es einfach sehr wichtig zu wissen, dass sie alles getan haben, um einen Kaiserschnitt zu verhindern", so Dr. Groten.

Die Medizinerin hat die Daten von mehr als 400 Schwangeren analysiert, die sich zwischen 2011 und 2014 mit einem Ungeborenen in Beckenendlage in der Jenaer Frauenklinik vorgestellt haben. Bei 30 Prozent der Versuche gelang die Wendung im Mutterleib. Doch auch, wenn sich das Kind nicht hat drehen lassen, gebären Frauen nach einem Wendungsversuch häufiger auf normalem Wege. Während nur 17 Prozent aller Kinder ohne Wendungsversuch spontan geboren wurden, waren es nach einem Wendungsversuch 49 Prozent, 31 Prozent davon aus Beckenendlage.

Spontane Geburt auch bei Beckenendlage möglich

Zwar ist eine Spontangeburt aus der Beckenendlage für die Kinder mit zusätzlichem Stress verbunden. Weil der Kopf erst nach der Nabelschnur geboren wird, kann diese für einen kurzen Moment stark zusammengedrückt werden und so die Sauerstoffversorgung reduziert sein. "Es ist so, als würden wir im Schwimmbecken 25 Meter tauchen", beschreibt das Groten. Stimmen die Voraussetzungen und werden die Frauen von erfahrenen Geburtshelfern begleitet, sei dies jedoch kein Hindernis.

Der Wendungsversuch findet meistens in der 37. Schwangerschaftswoche statt, damit es auch im unwahrscheinlichen Fall, dass er die Geburt erzwingt, nicht zu einer Frühgeburt kommen kann. Die Frauen erhalten eine Viertelstunde vor der Wendung ein wehenhemmendes Medikament, damit die Gebärmutter entspannt. "Wichtig ist, dass es nicht wehtun darf", sagt Groten.



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