4D-Ultraschall: Nützlich oder nur Vergnügen?

Dreidimensionale Ultraschallbilder vom Ungeborenen sind sehr beliebt bei werdenden Eltern. Doch nutzen sie auch medizinisch?
von Dr. Christian Guht, 26.05.2017

Für 3D-Bilder ihres Ungeborenen nehmen viele Eltern einige Kosten in Kauf

iStock/SABarton

Die Ultraschalluntersuchung des wachsenden Embryos ist ein Meilenstein jeder Schwangerschaft: Erstmals können werdende Eltern Bilder ihres Kindes sehen. Allerdings stellt sich das junge Leben dabei noch als unscharfes und konturloses Gebilde dar. Wer es lieber plastisch, bewegt und fotografisch wünscht, der wählt sogenannte 3D- oder 4D-Untersuchungen.

Entsprechend ausgerüstete Ultraschallgeräte erzeugen mit Hilfe eines speziellen Schallkopfes dreidimensionale Echtzeitbilder vom Ungeborenen in nahezu filmischer Qualität. "Babykino" heißt die Untersuchung daher auch landläufig – und ein bisschen despektierlich, denn ihr medizinischer Zusatznutzen gilt als gering. Deshalb muss sie üblicherweise auch selbst bezahlt werden. Den vorgeburtlichen Kinderfilm lassen sich gleichwohl viele Eltern gern etwas kosten.


Wie funktioniert 4D-Ultraschall?

Das Grundprinzip ist das gleiche wie bei jeder Ultraschalluntersuchung: Ein Schallkopf sendet Ultraschallwellen aus, die von Körpergeweben reflektiert werden – und zwar unterschiedlich stark, abhängig von deren Dichte. Kristalle im Schallkopf produzieren den Schall und registrieren auch die verschiedenen Echos. Aus diesen rekonstruiert der Apparat Körperstrukturen und bildet sie ab. Auch mit der herkömmlichen Sonografie lassen sich dabei alle Dimensionen darstellen, allerdings nicht gleichzeitig: Der Untersucher dreht den Schallkopf, um abwechselnd Längs- und Querschnitte des Untersuchungsobjektes zu erhalten.

Beim 3D-Ultraschall rotieren die Schallkopfkristalle und erfassen so Volumendaten einer Struktur, also Messpunkte aller drei Raumebenen. Aus diesen lässt sich ein plastisches Bild berechnen, was bei den ersten derartigen Geräten noch sehr lange dauerte. Moderne Computer schaffen den Rechenprozess in Echtzeit, sodass sie dreidimensionale Livebilder aus dem Mutterleib liefern können. Weil so zu den drei räumlichen noch die zeitliche Dimension kommt, hat sich der Begriff "4D-Ultraschall" eingebürgert.

Wie hoch ist der medizinische Nutzen der Untersuchung?

Wie aus der Funktionsweise ersichtlich, zeigt 4D-Ultraschall in der Regel nichts, was mit herkömmlichem Ultraschall nicht auch erfassbar wäre. Die Bildauflösung – also die Detailgenauigkeit der Darstellung – ist bei der 4D-Sonografie üblicherweise sogar etwas geringer. Außerdem ist die 4D-Technik fehleranfälliger: Eine ungünstige Lage des Kindes, eine dicke Bauchdecke oder wenig Fruchtwasser können die Sichtbedingungen deutlich einschränken. Eine Notwendigkeit für 4D-Ultraschall im strengen medizinischen Sinne besteht daher nicht, weshalb die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür auch nicht übernehmen.

Bestimmte Vorteile des Verfahrens würden sich aber dennoch langsam abzeichnen, ist Dr. Krisztian Lato, Frauenarzt am Universitätsklinikum Ulm, überzeugt. Manche Fehlbildungen – vor allem des Gehirns – ließen sich in Art und Ausmaß mit 4D-Ultraschall sehr gut darstellen und dokumentieren. "Ich kann mir vorgeburtliche Diagnostik ohne 4D-Sonografie nicht mehr vorstellen", sagt der Mediziner, "die Methode ist schnell und anschaulich." Auch die psychologischen Effekte der Untersuchung seien von medizinischem Nutzen, so Lato: "Es beruhigt Eltern ungemein, wenn sie einen lebendigen Eindruck von ihrem Kind bekommen, wenn sie selbst sehen können, dass alles okay ist."

Wie läuft die Untersuchung ab und was kostet sie?

Die 4D-Sonografie läuft genau wie die normale Ultraschalluntersuchung ab: Der Untersucher fährt mit dem Schallkopf über den Bauch der Schwangeren. Eine besondere Vorbereitung ist nicht nötig. Hohe Risiken bestehen nicht. Allerdings erzeugen Schallwellen Wärme, weshalb das Baby ihnen nicht unnötig lange ausgesetzt sein sollte. Bei medizinischen Fragestellungen eignet sich die 20. Schwangerschaftswoche als Untersuchungszeitpunkt, so Krisztian Lato. Kritische Merkmale seien dann gut beurteilbar. "Allerdings sieht das Kind so früh noch nicht typisch babymäßig aus", ergänzt Lato. Zum Gucken aus psychologischen Gründen bietet sich daher ein späterer Zeitpunkt an, etwa zwischen der 26. und 30. Woche. Die werdenden Eltern müssen den 4D-Ultraschall als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) selbst bezahlen. Der Preis einer Untersuchung liegt zwischen 80 und 140 Euro.



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