Sie wollen von allen Müttern im Stilltreff oder beim Babyschwimmen beneidet werden? Verkünden Sie einfach: Unser Kleines schläft jetzt durch! Alle Eltern sehnen das Ende unruhiger Nächte herbei. Doch das kommt erst, wenn der Nachwuchs gelernt hat, ohne Hilfe ins Land der Träume zu finden. Wie lange dieser Prozess dauert, ist individuell – und abhängig davon, wie gut Eltern ihr Kind dabei unterstützen.
Dass Babys nachts aufwachen und weinen, ist im ersten halben Jahr ganz normal. Sie haben Hunger, sehnen sich nach Körperkontakt. Eltern machen dann oft den Fehler, ihr Baby sofort hochzuheben und herumzutragen. So wird das Kleine erst richtig wach. „Wenn Sie wissen, dass Ihr Kind keinen Hunger hat, versuchen Sie, es im Bett zu beruhigen. Streicheln Sie es, reden Sie leise mit ihm“, rät Dr. Christine Sonn-Rankl, Psychologin in der Schreiambulanz des Wilhelminenspitals in Wien und Autorin (Endlich durchschlafen, Walter Verlag). Das Baby spürt Ihre Nähe und wird nicht völlig aus dem Schlaf gerissen. Beim Füttern gilt ebenfalls: so wenig Unruhe und Reize wie möglich. Benutzen Sie zum Beispiel gedämpftes Licht.
Meist übernachten Kinder in der ersten Zeit im Zimmer der Eltern. Das ist oft praktischer fürs Stillen – und die Angst vor dem plötzlichen Kindstod wird kleiner. Bereits ein paar Maßnahmen senken das Risiko: „Babys sollten auf dem Rücken, auf einer festen Matratze, nur mit Schlafsack und in nikotinfreier Umgebung schlafen“, erklärt Bernhard Hoch, Leiter des Schlaflabors am Augsburger Josefinum. Davon, das Baby mit ins Elternbett zu nehmen, rät der Mediziner ab.
Entscheidend für eine gute Nacht ist auch ein strukturierter Tagesablauf mit geregelten Essens- und Ruhezeiten. „Der Schlaf tagsüber ist sehr wichtig, am besten an einem festen Ort“, sagt Diplom-Sozialpädagogin Petra Weidemann-Böker, die in Aachen Schlafsprechstunden anbietet. Denn Babys gewöhnen sich leichter an ihr Bett, wenn sie auch tagsüber nicht nur in Kinderwagen oder Babyschale schlummern. Zudem ist der Schlaf dort oft tiefer und erholsamer als auf dem Spielplatz oder beim Spazierengehen.
Dr. med. Bernhard Hoch ist Arzt in der Schlafmedizinischen Ambulanz für Kinder und Jugendliche im Josefinum in Augsburg
Größeren Kindern erleichtern Rituale den Übergang zur Nachtruhe (siehe nächstes Kapite). Eltern sollten diese jedoch nicht mit Einschlafhilfen verwechseln. Wiegen Sie Ihr Kind immer in Ihren Armen, um es zu beruhigen, wird es bald nur noch so in den Schlaf finden – und Sie bereuen es eventuell, jemals damit begonnen zu haben. „Die Entwöhnung gelingt in solch einem Fall am besten Schritt für Schritt“, sagt Psychotherapeutin Sonn-Rankl. Zuerst das Wiegen einstellen, dann das Kind hinlegen statt es zu tragen, anfangs bei ihm bleiben, anschließend immer eher aufstehen. Übrigens: Auch nächtliches Stillen kann ab einem gewissen Alter nur noch Gewohnheit sein.
Will ein Kleinkind plötzlich nicht mehr alleine schlafen oder abends nicht mehr ins Bett gehen, kann das unterschiedliche Gründe haben. Zum einen testet der Nachwuchs in diesem Alter gerne seine Grenzen aus. Zum anderen passiert in dieser Phase oft sehr viel – ein Geschwisterchen kommt, der Kindergarten beginnt. „Durchhalten und konsequent bleiben“, empfiehlt Autorin Weidemann-Böker (Das neue Ein- und Durchschlafbuch, Oberstebrink Verlag) den Eltern. Also das Kind auch ins Bett zurückbringen, wenn es zum zwanzigsten Mal im Wohnzimmer auftaucht – und das ohne Schimpfen und Diskussion. Sonst bekommt der Nachwuchs genau die Aufmerksamkeit, die er mit seinem Verhalten provozieren will. „Besser ist es, Kindern in solch einer Phase tagsüber viel Zeit zu widmen“, sagt Bernhard Hoch.
Manchmal helfen schon ganz kleine Änderungen: etwas länger am Bett sitzen zu bleiben, sich kurz mit unter die Decke zu kuscheln. Oder den Nachwuchs ausnahmsweise bei sich übernachten zu lassen. „Eltern sollten auf die Bedürfnisse eingehen“, findet Sonn-Rankl. Meist würden sie von den Kindern ohnehin nur kurze Zeit eingefordert. Tipp der Expertin: immer mal wieder den Ausstieg versuchen. Einfach sagen, dass man kurz die Spülmaschine ausräumen muss und nachher noch einmal hereinschaut.
Julia Wölkart / Baby und Familie;
30.09.2010
Bildnachweis: W&B/Privat, Privat, Strandperle/Medien Services e.K/Photo Alto
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