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Einschlafen (2):
Babys allabendliche Nachspielzeit

Was ist der Unterschied zwischen einem Vierjährigen und einem Bumerang? Es gibt keinen, findet unsere Autorin

Vater und Tochter schlafen auf dem Sofa

Friedlich schlafend – was für ein beruhigender Anblick

Was ist das? Es ist vier Jahre und zwei Monate alt, hat sauber geputzte Zähne, einen Bärchenschlafanzug an und seinen Kuscheltiger unter dem Arm. Ganz klar: Das sieht aus wie ein Kind auf dem Weg ins Bett. Ein Kind, das, weil es zehn Minuten nach acht Uhr abends ist, dringend schlafen möchte.

Irrtum: Dieses Kind im Bärchenschlafanzug sieht nur aus wie ein Kind, dem gleich die Augen zufallen. In Wirklichkeit ist es ein Kind, das unbedingt einen Schluck Wasser trinken möchte. Das aufs Klo muss. Das ein grünäugiges Ding hinter dem Vorhang gesehen hat. Das wissen will, wann Oma und Opa zu Besuch kommen. Und ob Giraffen


Eigentlich könnte man sich auch darauf eini gen, dass ein Kind ab 19 Uhr nicht mehr Kind heißt, sondern Bumerang. Man sagt zu ihm: „Gute Nacht, mein süsser Schatz, schlaf gut und träum was Schönes“, macht das Licht aus und schleicht los. Innerlich zählt man die Schritte: eins, zwei, drei… Spätestens jetzt ruft der Bumerang: „Ich habe Durst!“

Im Kopf blättert man die Ratgeberliteratur durch: Alle Kinder können schlafen lernen, steht da. Wenn ihre Eltern konsequent sind, den Bumerang ein bisschen quengeln lassen, frühestens nach drei Minuten ans Bett zurückkehren. Faustregel: So viele Minuten warten, wie das Kind alt ist. Wann wird es endlich 182?

Die Aussicht, drei Minuten auf dem Treppenabsatz zu stehen und zu hören, wie das Kind sich in Rage brüllt, bringt weniger charakterfeste Eltern dazu, ein Glas mit Wasser zu füllen und es ins Kinderzimmer zu tragen. Das Kind trinkt. Jetzt nur nichts reden, sonst denkt es, es sei wieder Tag!

„Ich hab dich lieb“, sagt das Kind. „Ich dich auch!“ Mist, das ist schneller raus, als man die Buchseite eines Schlafratgebers umblättern kann. „Dann können wir Zauberkuss spielen, Mama.“ Zauberkuss geht so: Einer wirft einen unsichtbaren Kuss, der andere fängt ihn auf, gibt einen Wurfkuss zurück und so weiter. Das dauert ewig. „Es ist Nacht, und wir haben schon Zauberkuss gespielt.“ „Nur noch einmal!“, ruft das Kind. „Wenn du jetzt die Augen zumachst, kochen wir morgen Karamellbonbons, du darfst rühren.“ „Nacht, Mama!“ Der Ratgeber hat recht: Alle Kinder können schlafen lernen.



Pia Lerche, Baby und Familie / GesundheitPro; 10.07.2009, aktualisiert am 26.06.2010
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