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Schlaf schön: So finden Babys ihren Rhythmus

Ruhige Nächte gibt es mit einem Neugeborenen selten. Aber mit Hilfe ihrer Eltern können Babys das Durchschlafen lernen


Es dauert lange, bis das Baby dann schläft, wenn auch die Eltern schlafen wollen

Schlafen können Babys schon ganz gut, wenn sie geboren werden. Auf ­etwa 13 bis 16 Stunden kommen sie durchschnittlich innerhalb von 24 Stunden. Ihr Schlafverhalten stimmt nur nicht mit dem ihrer Eltern überein, und das ist die Krux an der Sache. „Ruhige Nächte gibt es nicht mehr, denn nun bestimmen die Bedürfnisse des Babys den Tagesablauf“, sagt Frauke Ostmann, Diplom-Psychologin und Mitarbeiterin der Beratungsstelle „Frühe ­­Hilfen“ der Stadt Karlsruhe. Eines der zentralen Bedürfnisse in den ers­ten Lebenswochen ist der Hunger. Ungefähr alle zwei bis vier Stunden möchten die Kleinen trinken. Nach dem Füttern verabschieden sie sich dann wieder in die nächste Schlummerphase, egal ob es taghell oder dunkle Nacht ist. Erleichterung gibt es meist nach den ers­ten vier bis sechs Wochen: Dann entwickeln Babys langsam ein ­regelmäßigeres Schlafverhalten.


Längere Schlafphasen mit etwa einem halben Jahr

Gegen Ende des ersten halben Jahres werden die Abstände zwischen den Mahlzeiten deutlich größer, nachts ergeben sich längere Schlafphasen. „Am Ende des ersten Lebensjahres nimmt die Schlafmenge insgesamt etwas ab, und der Schlaf findet überwiegend nachts statt“, erklärt Dr. med. Frank Kirchhoff, Leiter des Kinderschlaf­labors am Klinikum Südstadt in Ros­tock. Am Tag schlummern Babys dann meist nur noch zweimal, und das deutlich kürzer.

Bis ein Baby durchschläft, vergeht viel Zeit. Gegen Ende des ers­ten Lebens­­jahres gelingt es jedoch ­vielen Kindern, nachts sechs Stunden am Stück zu schlummern. Das Problem ist auch nicht das Durchschlafen an sich, sondern ­alleine wieder in den Schlaf zurückzufinden, wenn sie kurz aufwachen. „Diese Fähigkeit zur Selbstberuhigung ist ein großer Schritt. Den Meilenstein erreichen ­Babys frühes­tens mit acht bis elf Wochen“, erklärt Kirchhoff.

Kinder haben unterschiedliche Schlafbedürfnisse

Allerdings, betonen beide Experten, ist das Schlafverhalten eines Kindes sehr individuell. Jedes Baby hat ein anderes Schlafbedürfnis, reagiert verschieden auf Reize, zeigt eine unterschiedlich schnelle Gehirnreifung. Manchen gelingt es deshalb rascher, einen Rhythmus zu finden als anderen.

Eltern können ihrem Nachwuchs jedoch helfen, diesen zu entwickeln. „Beobachten Sie aufmerksam die Müdigkeitssignale des Kindes, und legen Sie es dann schlafen“, rät die Psychologin. Müdigkeit zeigt ein Säugling von Anfang an, indem er unruhig ist, quengelig wird, sich am Ohr kratzt, die Augen reibt, gähnt oder schreit. Wer sich unsicher ist, ob ein Weinen tatsächlich „Ich bin ­müde!“ bedeutet, sollte zusätzlich zur Orien­tierung auf die Uhr gucken und prüfen, wie viel Zeit seit dem letzten Schläfchen vergangen ist.

Rituale strukturieren den Tagesablauf

„Ich erinnere Mütter auch immer wieder daran, dass die Wochenbettzeit eine Schonzeit sein sollte – für sie selbst und das Kind“, erklärt Frauke Ostmann. Denn die Ruhe und die Nähe zur Mutter, die ein Neugeborenes dann automatisch erlebt, lässt es insgesamt ruhiger und ausgeglichener sein. Ebenso hilft es dem Kleinen, einen Rhythmus zu finden, wenn sein Tagesablauf von Anfang an durch kleine Rituale bestimmt wird. Zum Beispiel, dass nach dem Wickeln Zeit zum Kuscheln ist oder das Schlafzimmer nachts nicht in Festbeleuchtung erstrahlt, wenn das Baby zum Stillen wach wird. „Kinder lernen so, dass alles seine Zeit hat“, sagt die Expertin.

Findet ein Baby nicht gut in den Schlaf, haben seine Eltern oft einfach den richtigen Zeitpunkt verpasst, es hinzulegen. Dann entsteht meist ein Teufelskreis, der ganz schön stressen kann: Das Kleine ist übermüdet und überreizt, es fängt an zu schreien. Um es zu beruhigen, tragen es Mama oder Papa herum, manche wippen mit ihm auf dem Pezziball, andere drehen ­eine Runde um den Block. Manche versuchen alles nachein­ander. Die heiß ersehnte Ruhe finden die meisten Babys dabei aber nicht. „Gut ist, sich für ­­eine Einschlafhilfe zu entscheiden, sich zum Beispiel mit dem Kind auf dem Arm einfach hinzusetzen und leise mit ihm zu sprechen“, rät Frauke Ostmann. Das hilft dem Baby viel eher dabei, zur Ruhe zu finden, als wenn ihm seine Eltern eine Abwechslung nach der anderen bieten.

Zum Alleine-Einschlafen brauchen Babys ihre Eltern

Was die Kleinen dringend benötigen, um das Alleine-Einschlafen zu lernen: das Wissen, dass jemand bei ihnen ist und sich kümmert. „Ein Baby im ersten Halbjahr braucht deshalb eine hundertprozentige Reaktion der Eltern, wenn es aufwacht und weint“, sagt Frauke Ostmann. Es ­alleine zu lassen in der Hoffnung, dass es so lernt, alleine einzuschlafen, ist nicht sinnvoll. Sie rät Eltern, stattdessen sich genau zu überlegen, welche Form des Einschlafens für ­einen in Ordnung ist. Wenn es die Mutter zum Beispiel genießt, dass das Baby nur auf dem Arm einschläft, ist das in ­ihren ­Augen kein Thema. „Sobald Sie sich aber ge­nervt fühlen und das Verhalten Sie belastet, müssen Sie umdenken. Überlegen Sie, welches Einschlafritual für Sie möglich ist, damit Sie dem Fernziel Alleine-Einschlafen ­einen Schritt näher kommen“, ergänzt die Psychologin.

Statt Schlaflernprogramm behutsames Abnabeln

Schlaflernprogramme, die auf die Methode des Mediziners Richard Ferber zurückgehen, eignen sich für unter ­Einjährige nur bedingt. Eltern legen das Kind dabei wach ins Bett und verlassen das Zimmer. Weint das Kleine, kommt ­einer zurück, trös­tet es und geht wieder. Das Ganze wiederholt sich, wobei die Abstände zwischen dem Zurückkommen immer länger werden. Die Kritik ­daran: Babys brauchen Zuwendung. Bekommen sie diese nicht, fühlen sie sich bedroht.

Besser für jüngere Babys eignet sich ein allmähliches ­voneinander Entfernen. Ein Beispiel: Das ­Kleine schläft nur am Arm ein, während seine Mama es herumträgt. Ein ­erster Schritt wäre es nun, sich zum Einschlafen gemeinsam hinzusetzen und es im Arm zu halten. Klappt das gut, legt die Mutter das Baby in einem nächs­ten Schritt in sein Bettchen und streichelt es, bis es einschläft. So geht das immer weiter, bis es für das Kind selbstverständlich ist, dass es zum Einschlafen in seinem Bett liegt. „Wenn man nach einer Woche Training noch nicht das Gefühl hat, das Baby gewöhnt sich um, sollten Eltern den Versuch abbrechen und sich professionelle ­Hilfe holen“, sagt Psychologin Frauke Ostmann.


Gute-Nacht-Rituale: Warum sie für Kinder so wichtig sind

Sie geben Sicherheit: Wiederholt sich etwas täglich, gibt das Vertrauen und vermittelt Geborgenheit. Kinder können sich deshalb mit Ritualen gut entspannen.

Sie beginnen nicht erst im Bett: Schon die Zeit vor dem Schlafengehen sollte möglichst immer gleich ablaufen – zum Beispiel essen, Sandmännchen gucken, waschen.

Sie schenken Zeit: Das Einschlafritual gehört ganz dem Kind, das die ungeteilte Aufmerksamkeit von Mutter oder Vater genießen kann, ehe es sich für eine Nacht von ihnen trennen muss.

Sie schaffen eine ruhige Atmosphäre: Abendrituale sollen Kinder nicht aufregen oder wieder richtig wach machen. Beliebt sind Dinge wie Lesen, Kuscheln, Singen. Kissenschlachten oder ein aufreibendes TV-Programm eignen sich nicht.

Sie sind nicht nur Mamas Sache: Im Gegenteil. Viele Kinder sehen ihre Mutter tagsüber ohnehin mehr als den Vater. Umso schöner ist es, wenn Papa abends Zeit hat. Wechseln sich Eltern ab, müssen nicht beide dasselbe Ritual pflegen. Mit Papa wird gelesen, mit Mama gesungen.

Sie dürfen sich verändern: Kinder können bei der Gestaltung gerne ein Wörtchen mitreden. Ihre Bedürfnisse wechseln ja auch. Einige Monate steht Kuscheln an erster Stelle, dann werden lieber Schäfchen gezählt.

Sie erfreuen schon die Kleinsten: Auch Babys merken, wenn das Zubettbringen immer gleich abläuft – zum Beispiel immer dasselbe Lied gesungen wird oder aus der Spieluhr erklingt.

Sie brauchen ein Ende: Zum Beispiel einen Kuss auf die Stirn des Kindes oder ein letztes Zurechtrücken der Decke. Damit weiß der Nachwuchs: Ich muss jetzt schlafen. Dauern sollte ein Gute-Nacht-Ritual nicht länger als 20 Minuten.


Sicher im Bett: So beugen Eltern dem plötzlichen Kindstod vor

Es ist die Horrorvorstellung aller Eltern: Ihr Baby schläft ein und wacht nicht mehr auf. Einen Grund für den Tod finden Ärzte nicht. Plötzlicher Kindstod (SIDS = Sudden Infant Death Syndrome) heißt das Phänomen. Die Gefahr, an SIDS zu sterben, ist relativ gering – 2012 waren es in Deutschland 147 Kinder bei insgesamt 673 570 Neugeborenen. Dennoch ist SIDS die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr eines Babys. Jungen trifft es häufiger als Mädchen. „Das SIDS-Risiko lässt sich aber durch folgende Maßnahmen senken“, sagt Dr. med. Frank Kirchhoff, Leiter des Kinderschlaflabors am Klinikum Südstadt in Rostock: 

 

– Lassen Sie das ­Baby im eigenen Bettchen, aber in Ihrem Schlafzimmer schlafen, am besten das gesamte erste Jahr über.

– Legen Sie es zum Schlafen auf den Rücken.

– Ziehen Sie ihm einen Schlafsack an – je nach Jahreszeit einen dickeren oder dünneren. Kissen, Decke, Nestchen, Fell, Kuscheltier oder Schmusetuch gehören nicht in ein Babybett. Sie könnten über das Gesicht des Kleinen rutschen und ­­seine Atmung behindern.

– Lassen Sie es auf einer festen und luftdurchlässigen, möglichst neuen Matratze schlafen.

– Verzichten Sie auf einen Betthimmel.

– Regulieren Sie die Raumtemperatur auf 16 bis 18 Grad. Das Baby sollte außerdem im Schlafsack nicht zu warm angezogen sein (Body und Schlaf­­anzug reichen, im Sommer ruhig ein Teil weniger). Setzen Sie ihm keine Mütze auf.

– Halten Sie die Umgebung rauchfrei. Experten raten, in der gesamten Wohnung nicht zu rauchen.

– Stillen Sie Ihr Kind möglichst sechs Monate voll.


Aufgehorcht! Bei Schnarchen mit dem Kind zum Arzt

Das Baby schnarcht? Der Zweijährige schnauft, wirft sich herum oder schläft in einer komischen Position? Be­obachten Eltern über längere Zeit ­solches Verhalten, sollten sie mit dem Kinderarzt darüber sprechen. „Ist die Atmung im Schlaf  behindert, kann das die Entwicklung des Kindes beein­flussen“, sagt­ Dipl.-Med. Grim Kemper, leitender Oberarzt­ der­ Klinik für Kinder-­­­ und Jugend­medizin am Robert-Koch-Krankenhaus­ in Apolda. „­Studien zeigen, dass etwa schnarchende­ Schulkinder in ­­Mathematik und Deutsch schlechter abschneiden. Durch den fehlenden Schlaf wird Gelerntes nicht optimal ins Langzeitgedächtnis übertragen.“

Auch Hyperaktivität kann mit schlechtem Schlaf zusammen­hängen. Während Erwachsene bei Schlafmangel tags­über ­müde sind, ­zappeln Kinder herum. „Vergrößerte Gaumenmandeln oder Polypen verursachen oft Schnarchen, da sie den Atemdurchfluss im Rachenraum behindern“, sagt Kemper. Ein HNO-Arzt entscheidet, ob eine Operation oder Medikamente notwendig sind.




Bildnachweis: Corbis GmbH/A. Inden

Barbara Weichs, Annett Zündorf / Baby und Familie; 30.09.2010, aktualisiert am 14.03.2014
Bildnachweis: Corbis GmbH/A. Inden

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