So finden Babys ihren Schlaf-Rhythmus

Ruhige Nächte gibt es mit Neugeborenen selten. Aber mithilfe ihrer Eltern können Babys das Durchschlafen lernen

von Andrea Schmidt-Forth, 22.04.2016

Es dauert lange, bis das Baby dann schläft, wenn auch die Eltern schlafen wollen

Corbis GmbH/A. Inden

Es gibt Babys, die von Natur aus gut einschlafen. Viele andere brauchen aber anfangs noch etwas Unterstützung. Das ist ganz normal. Nur: Ein Patent­­rezept dafür existiert leider nicht. Iris Lang, Schlafberaterin aus Neuburg an der Donau, empfiehlt Eltern daher, sich folgende Dinge bewusst zu machen – denn dann fällt manches leichter:

  • Jedes Kind tickt anders. Nehmen Sie sich Zeit und Muße, Ihr Kleines zu beobachten und ­seine Bedürfnisse kennenzulernen. Vertrauen Sie dabei ruhig auf Ihr Bauchgefühl.
  • Sorgen Sie nicht nur für Ihr Kind gut, sondern auch für sich selbst! Entspannte Mütter und Väter können gelassener damit umgehen, wenn es mal ein bisschen stressiger wird. Geduld und Vertrauen in Babys Fähigkeiten wirken sich positiv auf die Beziehung zu Ihrem Kind und damit auch auf die Nächte aus.
  • Sehr hilfreich ist zu wissen, was Ihr Baby wann kann und wie es auf Einflüsse von außen reagiert. Das ändert sich nämlich im Lauf seiner Entwicklung.

Barbara Schneider ist Oberärztin und leitet das Schlaflabor am Kinderkrankenhaus St. Marien in Landshut

W&B/Simon Katzer

Wie viel Schlaf brauchen Babys?

Das ist ganz unterschiedlich. Zwischen 14 und 17 Stunden während eines 24-Stunden-Zyklus gelten als normal. Das zeigen neue Empfehlungen der National Sleep Foundation. Sie beruhen auf einer Ana­lyse von mehr als 300 internatio­nalen Studien zur Schlafdauer – von Babys bis zu Erwachsenen. Wichtig: Die Empfehlungen sind Durchschnittswerte. Auch eine längere oder kürzere Schlaf­dauer kann normal sein.

Die Landshuter Schlafmedizinerin ­Barbara Schneider weist zudem darauf hin, dass sich hiesige Schlafgewohnheiten wie auch der Lebensstil von den amerikanischen unterscheiden. Die Sprecherin der Arbeitsgruppe Pädiatrie in der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin rät Eltern: "Fragen Sie Ihre eigenen Eltern, wie lange Sie als Baby geschlafen haben und welcher Schlaftyp Sie waren."


Iris Lang ist Diplom-Pädagogin und Integrative Eltern-Säuglings- und Kleinkind-Psychotherapeutin am Sozialpädiatrischen Zentrum St. Elisabeth in Neuburg

W&B/Privat

Wie verändert sich Babys Schlaf im ersten Jahr?

Auf jeden Fall sehr dynamisch, so wie seine körperliche und geistige Entwicklung. Außerdem passt sich das Baby immer mehr den Gewohnheiten seiner Familie an. Neugeborene kennen weder Tag noch Nacht. Sie schlafen und trinken im Wechsel, weil ihr kleiner Magen oft nachtanken muss. Bereits nach wenigen Tagen beginnen sie aber, sich äußeren Taktgebern wie Hell und Dunkel anzupassen, und schlafen nachts mehr als am Tag. In den ersten drei Monaten verteilen sich die Schlafstunden auf fünf oder sechs Schla­­fperioden innerhalb von 24 Stunden.

Langsam wächst auch Babys Magen, sodass es mehr trinkt und zwischen den Mahlzeiten etwas länger durchhält. Bis zum sechsten Monat ungefähr entwickelt sich ­eine längere nächtliche Schlafperiode von sechs Stunden, bei insgesamt 12 bis 15 Stunden Schlaf. Vor allem Stillkinder werden in der Nacht aber noch wach, um zu trinken. Im zweiten Lebenshalbjahr kristallisieren sich neben dem längeren Nachtschlaf zwei kür­zere Tagschläfchen heraus. Bis zum ers­ten Geburtstag sind Kinder dann in der Regel in der Lage, nachts durchzuschlafen. Aus den ­beiden Nickerchen wird ein Mittagsschlaf.

Was heißt eigentlich durchschlafen?

Es bedeutet etwa sechs Stunden Schlaf am Stück. Allerdings wachen Babys zwischendurch immer wieder kurz auf und kontrollieren, ob ihre Umgebung noch so ist wie beim Einschlafen. Ein Schutz­mechanismus aus der Zeit, als der Säbelzahntiger noch um die ­Höhle schlich. Ist alles okay, schlummert das Baby weiter. Hat sich an der Umgebung etwas verändert, kann es sein, dass das Kleine irritiert ­reagiert und weint. Daher ist es gut, es wach ins eigene Bett zu legen, damit es dort einschläft – ­ohne besondere Einschlafhilfe, die es in der Nacht vermissen könnte.

Wie lernt das Kleine, allein einzuschlafen?

"Um gut schlafen zu können, braucht ein Baby kein besonderes Ritual", sagt Schlafberaterin Iris Lang. "Das Baby muss müde sein, sich wohl und sicher fühlen." Das heißt, es ist satt, trocken und zufrieden. Und es hat tagsüber viel Nähe bei Mama, Papa oder anderen wichtigen Bezugspersonen getankt und immer wieder die Erfahrung gemacht, dass verlässlich jemand kommt und sich kümmert, wenn es weint. Wenn die Eltern es dann noch bei den ersten Anzeichen von Müdigkeit (es dreht etwa das Köpfchen weg, klappt die Augen zu) hinlegen, fehlt nicht mehr viel, bis das Kleine schläft. Manche Babys haben auch schon früh den Bogen raus, sich etwa durch Saugen am Händchen selbst zu beruhigen. Andere brauchen etwas länger, das zu lernen.

Ist das Kleine älter als vier Monate, sollten Eltern möglichst das Zubettgehen vom Füttern/­Stillen trennen – damit Mamas Busen nicht zum Einschlafhelfer wird. Quäkt das Kind, kann man jetzt auch erst mal kurz abwarten, ob sich das Kleine von alleine beruhigt.

Zeigen Sie Ihrem Kind liebe­voll: Die Nacht ist nicht zum Spielen, sondern zum Schlafen da. Seien Sie ruhig langweilig, ­also kein Toben, keine Kitzelspiele vor dem Zubettgehen, wenig ­reden, das Licht dimmen. Es ist auch nicht schlimm, wenn ein Baby mal kurz meckert oder weint, bevor es weg­döst. Manche Kinder reagieren sich damit noch etwas ab. Da helfen vor allem Geduld, ein paar Streicheleinheiten – und die innere Gewissheit der Eltern, dass ihr Kleines gut schlafen kann. Das spürt es und gibt ihm Sicherheit.

Ungünstig wäre dagegen, das Kind gleich wieder aus dem Bett zu nehmen. Zu viel an elterlichen Einschlafhilfen (Schaukeln, Herumtragen, die Spieluhr oder Hopsen auf dem Ball) kann das ­Kleine überstimulieren. Zwar schläft es irgendwann erschöpft ein, aber nach ein oder zwei ­Stunden wacht es wieder auf und verlangt erneut nach der Einschlaf­hilfe (Schaukeln, Hopsen etc.). Diese Angewohnheit wird man nur schwer wieder los, wenn sich das Baby einmal darauf eingestellt hat.

Wo soll das Baby am besten schlafen?

Im ersten (Halb-)Jahr am besten im Schlafzimmer der Eltern. Ein Anstellbett ist praktisch, weil die Mama das Baby zum Stillen leicht zu sich holen kann. Wann das Kind vom Anstell- ins ­eigene Bett und schließlich ins eigene Zimmer wechselt, ist Geschmackssache. "Mit einem halben Jahr sind die meis­ten Kinder dazu in der Lage. Vor allem Babys, die einen hellhörigen Schlaf haben, profitieren vom eigenen Zimmer", sagt Schlafmedizinerin Schneider.

Wie sieht eine gute Schlafumgebung aus?

Die offiziellen Empfehlungen fürs erste Lebensjahr sehen vor:

  • Vor allem sollte das Baby auf dem Rücken liegend schlafen
  • Das Baby schläft im eigenen Bett bei den Eltern im Schlafzimmer
  • möglichst 16 bis 18 Grad Zimmertemperatur, ohne Zugluft oder Zigarettenrauch 
  • ein Schlafsack (auf die ­richtige Größe achten!) statt Decke, den kann es nicht über den Kopf ­ziehen. Weitere Infos, wie man dem plötzlichen Kindstod vorbeugt, finden Sie hier.

Warum sind Schlaflern-Programme noch nichts für die Jüngsten?

Aufgrund ihrer Entwicklung sind sie noch nicht in der Lage, aus solchen Programmen etwas zu lernen, erklärt die Schlafmedizinerin. Frühestens mit einem halben Jahr könnten Eltern mit einem solchen Training beginnen. Günstiger ist es, rechtzeitig darauf zu achten, dass das Baby lernt, sich selbst zu beruhigen und ohne zusätzliche Einschlafhilfen einzu­schlummern. Dann wird man ­solche Program­me wahrscheinlich gar nicht brauchen. Lassen Sie sich auf jeden Fall vorher von Ihrem Kinderarzt beraten.


Gute-Nacht-Rituale: Warum sie vielen Kindern beim Einschlafen helfen

Sie geben Sicherheit: Wiederholt sich etwas täglich, gibt das Vertrauen und vermittelt Geborgenheit. Kinder können sich deshalb mit Ritualen gut entspannen.

Sie beginnen nicht erst im Bett: Schon die Zeit vor dem Schlafengehen sollte möglichst immer gleich ablaufen – zum Beispiel essen, Sandmännchen gucken, waschen.

Sie schenken Zeit: Das Einschlafritual gehört ganz dem Kind, das die ungeteilte Aufmerksamkeit von Mutter oder Vater genießen kann, ehe es sich für eine Nacht von ihnen trennen muss.

Sie schaffen eine ruhige Atmosphäre: Abendrituale sollen Kinder nicht aufregen oder wieder richtig wach machen. Beliebt sind Dinge wie Lesen, Kuscheln, Singen. Kissenschlachten oder ein aufreibendes TV-Programm eignen sich nicht.

Sie sind nicht nur Mamas Sache: Im Gegenteil. Viele Kinder sehen ihre Mutter tagsüber ohnehin mehr als den Vater. Umso schöner ist es, wenn Papa abends Zeit hat. Wechseln sich Eltern ab, müssen nicht beide dasselbe Ritual pflegen. Mit Papa wird gelesen, mit Mama gesungen.

Sie dürfen sich verändern: Kinder können bei der Gestaltung gerne ein Wörtchen mitreden. Ihre Bedürfnisse wechseln ja auch. Einige Monate steht Kuscheln an erster Stelle, dann werden lieber Schäfchen gezählt.

Sie erfreuen schon die Kleinsten: Auch Babys merken, wenn das Zubettbringen immer gleich abläuft – zum Beispiel immer dasselbe Lied gesungen wird oder aus der Spieluhr erklingt.

Sie brauchen ein Ende: Zum Beispiel einen Kuss auf die Stirn des Kindes oder ein letztes Zurechtrücken der Decke. Damit weiß der Nachwuchs: Ich muss jetzt schlafen. Dauern sollte ein Gute-Nacht-Ritual nicht länger als 20 Minuten.



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Bildnachweis: Corbis GmbH/A. Inden, W&B/Privat, W&B/Simon Katzer
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