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Fragen an die Experten: Kinderkrankheiten
Scharlach: Welche Komplikationen gibt es?

Was kann bei Scharlach alles passieren, welche Komplikationen gibt es?


Eine der möglichen Scharlach-Komplikationen, das rheumatische Fieber, kann auch auf die Gelenke schlagen

 

Als Folge der Rachenmandelentzündung können sich Abszesse, also eitrige Einschmelzungen im Rachenraum oder an den Halslymphknoten ausbilden. Gelegentlich kommt es als akute Komplikation zu einer Mittelohrentzündung, Nebenhöhlenentzündung, seltener zu einer Lungenentzündung, Knochenentzündung (Osteomyelitis), Hirnhautentzündung oder Herzmuskelentzündung. Der toxische Scharlach, heute Streptokokken-Toxin-Schock-Syndrom genannt, mit Blutdruckabfall, Krämpfen, Hautblutungen und Kreislaufschock bis zum Organversagen ist im Kindesalter sehr selten.

Gefürchtete Spätkomplikationen bei Scharlach sind das rheumatische Fieber mit einer Häufigkeit von 1:5000 in Deutschland, die Chorea minor („Veitstanz“) und die akute Glomerulonephritis (Nierengewebsentzündung). Alle diese Krankheitsbilder werden durch eine Fehlreaktion des Immunsystems ausgelöst und können zwei bis sechs Wochen nach einer Scharlacherkrankung auftreten.



Die Glomerulonephritis ist eine Entzündung der Nierenkörperchen im Nierengewebe und hat bei Kindern meist gute Heilungsaussichten. Erste Krankheitsmerkmale sind Fieber, Unwohlsein, Bauchschmerzen, Lidschwellung (Ödeme) und Kopfschmerzen. Meistens lenkt die Braunfärbung des Urins den Verdacht auf eine Ursache seitens der Nieren. Bei der mikroskopischen Untersuchung des Urins finden sich rote Blutkörperchen, Eiweiß und Ausgüsse der Nierenkanälchen. Nur selten entwickelt sich ein schweres Krankheitsbild mit Nierenversagen, Bluthochdruck, Hirnschwellung (Hirnödem) und Krampfanfällen.

Die heute nur noch selten beobachtete Chorea minor kann recht leicht verlaufen, die betroffenen Kinder fallen lediglich durch Unruhe oder Zuckungen (wie bei einem Tic) auf, im ausgeprägten Fall leiden sie unter unkontrolliert ausfahrenden Bewegungen, Grimassieren, Sprach- und Schluckstörungen.

Beim rheumatischen Fieber steht neben Hauterscheinungen und Gelenkentzündungen die Herzbeteiligung wegen ihrer möglichen ernsten Folgen im Vordergrund. Die Heilungsaussichten sind abhängig von der Beteiligung des Herzens, insbesondere der Schädigung der Herzklappen. Meist sind Kinder zwischen fünf und 15 Jahren betroffen. Die Erkrankung beginnt mit Allgemeinsymptomen wie Kopf- und Bauchschmerzen, Blässe, Müdigkeit und Schweißausbrüchen. Verbunden mit hohem Fieber entwickelt sich bei den meisten Kindern bald eine schmerzhafte Gelenkentzündung, für die der rasche Wechsel auf andere Gelenke innerhalb von 12-24 Stunden typisch ist. Es werden überwiegend große Gelenke befallen, wobei nur wenige Gelenke gleichzeitig betroffen sind. Diese fühlen sich heiß an und sind geschwollen, zum Teil ist die Haut hier auch gerötet. In bis zu 80 Prozent der Fälle entwickelt sich eine Herzentzündung, die sich durch eine Tachykardie (Erhöhung des Herzschlags) im Schlaf auf über 80 Schläge pro Minute als Frühzeichen äußert. In etwa zehn Prozent bildet sich ein meist flüchtiger, ring- oder girlandenförmiger blassroter Ausschlag aus, der vorwiegend am seitlichen Rumpf zu erkennen ist. Ferner treten in fünf bis 10 Prozent der Fälle sogenannte typische Rheumaknötchen in und unter der Haut auf. Eine Beteiligung des Auges in Form einer Entzündung der Regenbogenhaut (Iridozyklitis) wird oft nur zufällig bei einer Reihenuntersuchung mit Sehprüfung bemerkt.

Davon unabhängig kann sich fünf bis zehn Tage nach einer Scharlacherkrankung eine flüchtige Entzündung der Gelenkinnenhaut entwickeln, das als Scharlachfrührheumatoid bezeichnet wird und streng vom rheumatischen Fieber zu trennen ist.



Dr. med. Christa Kappler,
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Reinhardt,
Dr. von Haunersches Kinderspital, Universität München


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www.apotheken-umschau.de; 10.09.2009, aktualisiert am 25.06.2010
Bildnachweis: Brand X Pictures/RYF

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