Scharlach

Scharlach ist eine Infektionskrankheit, die durch Streptokokken verursacht wird. Zu den Symptomen gehört ein typischer Ausschlag. Mehr über Ansteckung und Behandlung

aktualisiert am 08.03.2016

Der Körper wehrt sich gegen den Scharlach-Erreger: Streptokokken (grün am oberen Bildrand) und Abwehrzellen mit passenden Antikörpern (y-fömig, ebenfalls grün)

W&B/Kühn

Was ist Scharlach?

Scharlach ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren betrifft. Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 1 bis 1,5 Millionen Menschen an den A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes). Deren Gifte (Toxine) verursachen die typischen relativ plötzlich auftretenden Symptome: hohes Fieber, starke Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, dunkelroter Rachen, „Himbeerzunge“, Kopf- und Gliederschmerzen, gelegentlich auch Erbrechen. Am zweiten Tag entwickelt sich ein rötlicher Ausschlag am Körper und nach ein bis zwei Wochen schuppt sich die Haut an Händen und Füßen.


Eine Impfung existiert nicht, da es zu viele Varianten des Scharlacherregers gibt. Das ist auch der Grund, warum man mehrmals an Scharlach erkranken kann.

Gemäß § 34 des Infektionsschutzgesetzes dürfen sich an Scharlach erkrankte und verdächtige Personen nicht in Gemeinschaftseinrichtungen aufhalten beziehungsweise dort arbeiten (zum Beispiel Kindertagesstätte, Kindergarten, Schule, Hort, Kantinen, Restaurants, Lebensmittelfabriken). In den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen Ärzte jeden Erkrankungsfall dem Gesundheitsamt melden. Nach Beginn einer Antibiotika-Therapie erlischt die Ansteckungsfähigkeit und die erkrankten Personen können am nächsten Tag wieder eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Zum Vergleich: Ohne Therapie sind Erkrankte bis zu drei Wochen lang ansteckend!

Wie jede Infektion ist auch Scharlach in der Schwangerschaft ein Grund, sich einem Arzt vorzustellen. Denn es gehört unbedingt fachgerecht behandelt. Üblicherweise hat eine Scharlach-Infektion dann keine direkten Auswirkungen auf das ungeborene Kind.


Ein Blick in den Rachen zeigt, ob die Mandeln entzündet sind

Your Photo Today/PM/Arne Trautmann

Ursachen

Scharlach wird von den kleinen kugeligen Bakterien des Typs Streptococcus pyogenes ausgelöst, die sich zu langen Ketten zusammenlagern und in die menschlichen Schleimhäute eindringen.
Die Erreger werden über Tröpfcheninfektion übertragen, also durch Ansprechen, Anhusten oder Anniesen. Eine Infektion ist auch über Gegenstände, verseuchtes Wasser oder belastete Lebensmittel möglich. Zur Gattung der Streptokokkus-Bakterien gehören viele unterschiedliche Typen, die jeweils für verschiedene Krankheitsbilder verantwortlich sind.

Nisten sich Streptokokken in der Rachenschleimhaut ein, können sie zum Beispiel eine Rachenentzündung (Pharyngitis) oder Mandelentzündung (Tonsillitis) hervorrufen. Die Erreger können aber auch die Haut, das Unterhautgewebe, die Muskeln oder ihre Hüllen, die Faszien, befallen. Die ansteckende Borkenflechte (Impetigo contagiosa, Pyodermie) ist beispielsweise ebenfalls eine durch Streptokokken verursachte Erkrankung.

Nur wenn das jeweilige Streptokokken-Bakterium ein bestimmtes Gift (Scharlachtoxin) produzieren kann, entsteht der typische Scharlach: Eine Krankheit mit Fieber und dem charakteristischen fleckigen Ausschlag.

Das Immunsystem des Patienten kann sich nur gegen genau das Toxin wappnen, welches schon einmal bei ihm eine Scharlacherkrankung ausgelöst hat. Das heißt, dagegen ist der jeweilige Körper anschließend immun. Andere Streptokokkenstämme mit ihm noch unbekannten Toxinen können jederzeit wieder eine Scharlachinfektion verursachen.
Viele Menschen tragen den Keim in sich (zum Beispiel im Bereich der Nasenschleimhaut), ohne krank zu sein. Sie gelten als die wichtigste Infektionsquelle. Experten schätzen, dass in den Wintermonaten jeder Achte ein gesunder Überträger ist.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt zwei bis vier Tage.


Himbeerzunge bei Scharlach

Okapia/Neufried

Symptome

Scharlach beginnt oft ganz plötzlich. Typisch sind hohes Fieber und Halsweh. Eventuell kommen Husten und Kopfschmerzen hinzu. Der Rachen ist dunkelrot. Die Gaumenmandeln und die Lymphknoten am Hals sind geschwollen. Kinder klagen am ersten Tag auch manchmal über Bauchschmerzen oder müssen sich übergeben.


Die Zunge ist anfangs weißlich belegt. Nach drei bis vier Tagen löst sich der Belag. Die Zunge erscheint dann glänzend rot und die Geschmacksknospen (Papillen) sind geschwollen. Der Anblick erinnert an eine Erdbeere oder Himbeere, daher auch der Ausdruck "Himbeerzunge".


Der Hautausschag beginnt in den Achsel- und Leistenbeugen sowie an Brust, Hals und Rücken. Von dort breitet er sich über den Stamm vor allem auf die Innenseiten von Armen und Beinen aus. Beim Darüberstreichen fühlt sich der Ausschlag rau (sandpapierartig) an. Die anfangs kleinfleckigen, erhabenen, blassroten Flecken färben sich nach ein bis zwei Tagen scharlachrot und fließen an vielen Stellen zu einem diffusen Ausschlag zusammen. Handinnenflächen und Fußsohlen sind nicht betroffen. Das Dreieck um Mund und Nase bleibt ebenfalls frei und erscheint oft umso heller.


Verschwindet der Ausschlag nach sechs bis neun Tagen wieder, schält sich die Haut – jetzt insbesondere an den Handinnenflächen und den Fußsohlen.


Der Verlauf der Krankheit kann sehr unterschiedlich ausfallen: Mal leiden kleine oder große Patienten an hohem Fieber, starken Schluckbeschwerden, Erbrechen und deutlichem Ausschlag. Andere zeigen einen milderen Verlauf, zum Teil ohne die typischen Symptome.


Komplikationen

Eine Scharlachinfektion kann auch von einer Mittelohrentzündung (Otitis media), einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) oder einer Lungenentzündung (Pneumonie) begleitet sein. Eine weitere Komplikation ist ein Abszess der Gaumenmandeln (Peritonsillarabszess).
Gelangen die Erreger in großer Zahl in die Blutbahn, kann eine lebensbedrohliche Blutvergiftung, das Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrome (STSS) entstehen. Die Symptome sind anfangs unspezifisch: Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Blutdruckabfall, verringerte Harnausscheidung, Blutungsstörungen, Leberfunktionsstörungen, Hautausschlag, Atembeschwerden. Diese Komplikation entwickelt sich zum Glück nur selten, endet in 30 Prozent der Fälle jedoch tödlich. Eine rasche Diagnose und eine intensivmedizinische Behandlung sind daher überlebensnotwendig.


Genau hinhören: Als Folge eines Streptokokken-Infekts können Herzschäden auftreten

W&B/Christine Schneider

Folgeerkrankungen

Nach einem Racheninfekt mit Streptokokken kann es mit einer Verzögerung von etwa 18 Tagen zu einem akuten rheumatischen Fieber (ARF) kommen. Die vom Immunsystem zur Abwehr gegen die Streptokokken gebildeten Antikörper reagieren dabei mit körpereigenem Gewebe und können so zum Beispiel zu Herzschäden führen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war das akute rheumatische Fieber (ARF) eine der führenden Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen und zudem die häufigste Ursache von Herzkrankheiten bei jungen Erwachsenen. Aufgrund der Antibiotika-Therapie sieht man dieses Krankheitsbild heute jedoch nur noch selten.

Eine akute Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist bei einem Racheninfekt mit A-Streptokokken nach einer Verzögerung von etwa zehn Tagen möglich. Bei einer Hautbeteiligung sogar noch nach drei Wochen.

Auch einige neuropsychiatrische Erkrankungen bei Kindern können unter Umständen auf eine Streptokokken-Infektion zurückzuführen sein: So zum Beispiel die Chorea minor, eine Erkrankung mit Zuckungen und Muskelkrämpfen, oder manche Fälle des Tourette-Syndroms.


Ein Schnelltest kann Klarheit bringen

Your Photo Today/Boissonet/BSIP

Diagnose

Wenn der typische Hautausschlag bei der Vorstellung beim Arzt bereits vorliegt, ist die Diagnose leicht zu stellen. Schwieriger wird es, wenn nur allgemeine Infektzeichen zu finden sind. Scharlach kann auch ohne Mandelentzündung, nach einer Entfernung der Mandeln und selten auch ohne Hautausschlag auftreten. Der Arzt wird den Patienten auf jeden Fall genau untersuchen und dabei auch in den Mund und die Ohren schauen.

Es gibt einen Antigen-Schnelltest zum Nachweis von Streptococcus pyogenes, der als sehr spezifisch aber nicht sensitiv genug gilt, was bedeutet, dass er nicht immer die vorhandene Infektion auch erkennt.

Ist der Antigen-Schnelltest positiv, handelt es sich um A-Streptokokken und eine Therapie mit Antibiotika (üblicherweise eine Art Penicillin) sollte schnellstmöglich begonnen werden.

Ist er negativ, sollte von einem Rachenabstrich eine Bakterienkultur angelegt werden. Das heißt, die im Abstrich enthaltenen Bakterien werden im Labor angezüchtet. Dies hat den Vorteil, dass die verschiedenen Untergruppen dieser Bakterien diagnostiziert werden können (wichtig ist das zum Beispiel bei gehäuften Infektionen mit diesen Erregern in Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kindergärten) und zugleich bestimmt wird, auf welche Antibiotika sie reagieren. Findet das Labor keine A-Streptokokken kann der Arzt eine überflüssige Antibiotika-Therapie vermeiden.

Antikörpernachweise sind nur bei Verdacht auf eine Streptokokken-Folgeerkrankung sinnvoll.


Zuhause bleiben: Langweilig, aber bei ansteckenden Infekten sinnvoll

Banana Stock/RYF

Therapie

Um Komplikationen und Folgeerkrankungen vorzubeugen und um die Ansteckungsgefahr für andere zu reduzieren empfehlen das Robert-Koch-Institut und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), rasch mit einer Antibiotika-Behandlung zu beginnen. Von alternativen Therapieformen raten die Experten aufgrund möglicher schwerer Komplikationen ab. Ohne Antibiotika-Therapie ist der Patient bis zu drei Wochen ansteckend, mit Antibiotikum ist die Ansteckungsgefahr nach 24 Stunden gebannt.

Gängig ist zum Beispiel eine zehntägige Behandlung mit einem Penicillinpräparat in Tablettenform (oral). Alternativ kommen – zum Beispiel bei Allergien gegen Penicillin – Antibiotika wie Erythromycin, Clarithromycin oder Cephalosporine in Frage. Der Kinderarzt wird entscheiden, welches Antibiotikum für ihr Kind das richtige ist.

Zusätzlich können eventuell weitere Maßnahmen nötig sein, um unangenehme Symptome zu lindern: Gurgeln oder Lutschpastillen helfen gegen den Halsschmerz. Vorsicht: Kleine Kinder können beides noch nicht. Wenn Sie sich unsicher sind, fragen Sie daher lieber ihren Kinderarzt.

Bei einer Körpertemperatur über 38,5° Celsius können auch fiebersenkende Maßnahmen erwogen werden. Dazu gehören neben Wadenwickeln auch Medikamente mit fiebersenkenden Wirkstoffen. Soll bei Kindern das Fieber gesenkt werden, sollten sich Eltern immer zuerst vom Kinderarzt oder Apotheker beraten lassen, welches Arzneimittel in welcher Darreichungsform (zum Beispiel Saft, Tablette oder Zäpfchen) sich für Ihr Kind am besten eignet und welches die korrekte alters- beziehungsweise gewichtsangepasste Dosierung ist. Kinder sollten keine Acetylsalicylsäure erhalten, da dieser Wirkstoff bei ihnen insbesondere bei Infekten zu schweren Komplikationen (gefährliche Leber- und Gehirnschäden - sogenanntes Reye-Syndrom) führen kann!


Zwar ist die Ansteckungsgefahr bei einer Antibiotika-Einnahme nach 24 Stunden gebannt, doch hat die Erfahrung gezeigt, dass eine Scharlacherkrankung die Kinder so schwächt, dass sie einige Tage lang das Bett hüten sollten. Viel Zuwendung der Betreuungsperson hilft leichter über diese Zwangspause hinweg.


Dank der Therapie mit Antibiotika sind Komplikationen selten geworden und Scharlach heilt in der Regel folgenlos aus. Gesunde Streptokokken-Träger wurden früher auch vorsorglich mit Antibiotika versorgt. Das ist überholt und wird heute als überflüssig erachtet.


Dr. med. Severin Wegerle

Unsere Expertin: Dr. Severin Wegerle

W&B/privat

Beratende Expertin

Dr. med. Severin Wegerle ist Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektions-Epidemiologie. Nach dem Studium in Münster und München folgte eine zweijährige Weiterbildung in der Inneren Medizin und Infektiologie und die Facharztausbildung in der Mikrobiologie am Max von Pettenkofer Institut in München. Ab 2005 war sie in einem mikrobiologischen Labor mit Schwerpunkt Tuberkulose in Gauting tätig, bevor sie im Frühjahr 2013 ans Max von Pettenkofer Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München zurück kehrte. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/privat, Your Photo Today/PM/Arne Trautmann, W&B/Christine Schneider, Banana Stock/RYF, Okapia/Neufried, W&B/Kühn, Your Photo Today/Boissonet/BSIP
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