Rotavirus-Infektion

Durchfall, Erbrechen und Fieber kommen bei Kindern häufig vor. Viele dieser akuten Magen-Darm-Infekte werden durch Rotaviren verursacht

von Dr. Dagmar Schneck, aktualisiert am 03.01.2014

Kinder leiden sehr oft an Magen-Darm-Infekten, die durch Viren oder Bakterien ausgelöst werden. Als häufigste Ursache gelten Rotaviren. Vor allem für Säuglinge und Kleinkinder bis zum zweiten Geburtstag kann die Erkrankung durch den hohen Flüssigkeitsverlust gefährlich werden. Bis zum fünften Lebensjahr haben sich praktisch alle Kinder mit den Erregern angesteckt. Allerdings können auch Erwachsene diesen Infekt bekommen. Vor allem bei älteren Menschen ist die Gefahr der Austrocknung ebenfalls erhöht.

Ansteckung: Wie werden Rotaviren übertragen?

Rotaviren sind hochansteckend (schon eine geringe Anzahl von Viren führt zur Infektion) und werden sehr leicht übertragen. Dies geschieht hauptsächlich durch eine sogenannte Schmierinfektion, also durch Aufnahme der Erreger über den Mund (fäkal-orale Infektion). Doch auch mit der Luft können die Viren eingeatmet werden (Tröpfcheninfektion). Sind sie im Körper, dringen sie in die Schleimhautzellen des Darmes ein, vermehren sich dort und schädigen die Schleimhaut, was die typischen Symptome hervorruft. Die Infektion tritt typischerweise in den Wintermonaten auf und erreicht Ihr Maximum zwischen Februar und  April.


Symptome: Welche Beschwerden treten bei einer Infektion mit Rotaviren auf?

Symptome einer Infektion sind Erbrechen, Fieber und wässrige Durchfälle, die meist nicht blutig sind. Gleichzeitig können die Zeichen eines Atemwegsinfektes wie Husten oder Schnupfen auftreten. Gefährlich kann der Magen-Darm-Infekt werden, wenn Babys oder Kleinkinder durch Durchfall und Erbrechen zu viel Flüssigkeit verlieren – sie dehydrieren. Wegen des häufigen Erbrechens ist das Risiko einer Austrocknung bei Rotaviren fünfmal höher als bei anderen Erregern.

Auf diesen Zustand können unter anderem ein trockener Mund, zurückbleibende Hautfalten (nachdem Sie in die Haut gekniffen haben) und eine gewisse Teilnahmslosigkeit hinweisen. Auch wenn der Urin dunkel gefärbt ist und der kranke Nachwuchs kaum Wasser lassen muss, fehlt ihm vermutlich Flüssigkeit. Normalerweise dauert der Infekt insgesamt vier bis sieben Tage. Das Erbrechen lässt oft rascher nach und damit wird das Wichtigste – der Flüssigkeitsersatz – wieder besser möglich.

Therapie: Wie wird eine Rotavirus-Infektion behandelt?

Wichtig: Ist Ihr Kind noch klein, hat mehrfach am Tag Durchfälle und wird von Erbrechen geplagt, dann suchen Sie rasch einen Arzt auf. Besonders, wenn die Beschwerden stark sind, sich verschlimmern oder wenn hohes Fieber hinzukommt, raten Experten dazu.

Die wichtigste Maßnahme bei jedem Magen-Darm-Infekt ist der Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten. Mineralwässer, Tees oder verdünnte Fruchtsäfte eignen sich. In Apotheken gibt es fertig gemischte Elektrolytlösungen, welche die wichtigsten Nährstoffe enthalten – zum Beispiel Kalium, Natrium (Kochsalz) und Glukose (Traubenzucker). Entscheidend ist in jedem Fall, dass die Flüssigkeit in ganz kleinen Portionen (löffelchenweise) zugeführt wird!

Gestillte Säuglinge sollten zunächst weiter Muttermilch bekommen – nach Rücksprache mit dem Kinderarzt gegebenenfalls auch eine Elektrolytlösung. Sofern möglich, sollte das Kind bald auch wieder leichte Kost, zum Beispiel Brei und Zwieback, zu sich nehmen. Das unterstützt die Erholung der Darmschleimhaut. Mehr zur Behandlung finden Sie hier: Durchfall und Erbrechen bei Kindern. Probiotische Bakterien können unter Umständen den Verlauf abmildern und die Heilung beschleunigen. Besprechen Sie dies mit dem Kinderarzt.

Verläuft die Infektion schwer und verliert das Kind zu viel Flüssigkeit, muss es im Krankenhaus behandelt werden. Dies betrifft bis zu 50 Prozent der erkrankten Unter-Fünfjährigen. Deshalb lieber rechtzeitig zum Arzt gehen.

Kann man einer Infektion mit dem Rotavirus vorbeugen?

Es gibt zwei Impfstoffe gegen das Rotavirus, die aus zwei bis drei Impfdosen bestehen und Babys vor dem sechsten Lebensmonat als Schluckimpfung verabreicht werden können. Die Impfstoffe schützen laut Studien mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent vor einer Infektion. In über 90 Prozent der Fälle kann die Impfung einen schweren Verlauf und damit einen Krankenhausaufenthalt vermeiden. Das Robert Koch-Institut empfiehlt, die Impfung bei Säuglingen im Alter von 6 bis 12 Wochen zu beginnen und je nach Impfstoff spätestens bis zur vollendeten 24. beziehungsweise 32. Lebenswoche abzuschließen. Der Arzt berät zu Vorteilen und möglichen Risiken der Impfung.

Hat der Nachwuchs einen infektiösen Durchfall, sollten sich – neben dem Erkrankten selbst – alle, die mit ihm Kontakt haben, häufig und gründlich die Hände mit Seife waschen. Hilfreich ist auch, häufig benutzte Oberflächen wie die Klobrille und Türklinken mit einem Desinfektionsmittel zu behandeln. Wichtig: Nicht alle Mittel töten Viren ab. Achten Sie auf eine entsprechende Angabe auf der Verpackung oder lassen Sie sich bei der Auswahl geeigneter Produkte in der Apotheke beraten.


Unser Experte: Dr. Guido Krandick

W&B/Privat

Beratender Experte: Dr. med. Guido Krandick, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin


Quellen:

Koletzko B: Kinder- und Jugendmedizin, 13. Auflage, Berlin Springer Verlag 2007

Robert Koch Institut: Rotaviren-Erkrankungen, RKI-Ratgeber für Ärzte. Online: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Rotaviren.html; jsessionid=688A112A46C954A0E41A616AB62F4C93.2_cid298

World Health Organization (WHO): Rotavirus infections. Online: http://www.who.int/topics/rotavirus_infections/en/

Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Rotavirus. Online: http://www.cdc.gov/rotavirus/


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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