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Wenn die beste Freundin ein Baby bekommt

Ein Kind ändert vieles im Leben einer Frau. Auch die Beziehung zur besten Freundin. Hat diese selbst keine Kinder, sind Spannungen unvermeidlich. Das Protokoll einer enttäuschten Freundin


Freundschaften leiden oft darunter, wenn ständig das Baby im Mittelpunkt steht

Liebe Mütter. Ich sage euch jetzt mal ehrlich meine Meinung. Manche von euch gehen mir echt auf die Nerven. Ich habe langsam das Gefühl, die Schwangerschaft spaltet die Frauenschaft. Auf der einen Seite die durch Gebären Erleuchteten, auf der anderen Seite die Ahnungslosen – wir Frauen ohne Kinder.



Vielleicht stimmt es ja. Wir wissen nicht, wie sich dauerhafter Schlafentzug anfühlt, wir haben keine Ahnung, wo es die günstigsten Windeln gibt und ab welchem Monat man Getreidebrei füttern darf. Aber ist das wirklich so wichtig? Was zeichnet eine gute Freundschaft aus? Muss man zwangsläufig den gleichen Erfahrungshorizont haben, um dauerhaft befreundet zu sein?


Lina und ich haben vieles miteinander geteilt. Unser Pausenbrot in der Schule, unsere Klamotten, die erste Wohnung. Es war im Freibad, als sie mir von ihrer Schwangerschaft erzählte. Überrascht war ich nicht. Ich wusste, dass Lina und Marius sich schon länger ein Baby wünschten. Trotzdem spürte ich einen kleinen Stich.



Wenn Lina und ich uns in den nächsten Monaten verabredeten, prasselte jedes Mal eine geballte Ladung Mutterglück auf mich herab. Manchmal war das anstrengend, aber es gab auch schöne Momente. Einmal begleitete ich Lina zum Frauenarzt und konnte auf dem Ultraschall sehen, wie das kleine Wesen in Linas Bauch strampelte. Wir haben zusammen Ratgeberbücher gewälzt, in der Stadt nach Umstandsjeans gestöbert und diskutiert, welcher Kinderwagen der beste ist.



Doch seit Justus auf der Welt ist, hat sich unsere Freundschaft total verändert. Natürlich kam das nicht unerwartet für mich, doch dass Lina so mit Haut und Haaren in ihrer Mutterrolle aufgehen würde, damit hatte ich nicht gerechnet.



In den ersten Monaten meldete sie sich selten. Wenn, dann klang sie gestresst, klagte über Schlafmangel. Wenn wir, was selten vorkam, telefonierten, ging es ums Stillen, Füttern und Justus’ Verdauung. Für mich interessierte sich Lina erst mal gar nicht. Ich habe versucht, tolerant zu sein. Aber Lina gab mir irgendwie immer das Gefühl, ich sei nicht tolerant genug.



Toleranz ist aber keine Einbahnstraße, und nachdem Justus sechs Monate alt war, habe ich angefangen, Lina daran zu erinnern, dass ich auch noch da bin. „Ich habe Lust auf ein Essens-Date mit dir“, sagte ich am Telefon. „Nur wir zwei, abends.“



Ihre Antwort hat mich ziemlich schockiert. „Ich muss erst Justus ins Bett bringen, aber ich könnte um neun Uhr da sein, um zehn Uhr muss ich allerdings wieder nach Hause, um zu stillen.“ Dieses Speed-Date hat sich noch zweimal verschoben, aufgrund von „jetzt ist er zu spät eingeschlafen“, „heute ist er so quengelig. Die Zähne“.



Letztendlich haben wir uns dann getroffen, um im Eilverfahren Pizza zu verdrücken. Ein gemütliches Essens-Date mit meiner besten Freundin stelle ich mir anders vor. Nach diesem Abend war ich ziemlich geknickt, denn ich hatte das Gefühl, dass wir den Draht zueinander verloren hatten.



Und ich war sauer. Ich habe diese Geschichte meiner Schwägerin erzählt, die selbst zwei Kinder hat. Sie fand Linas Verhalten vollkommen normal, appellierte an mein Verständnis und meinte, ich würde das wohl erst verstehen, wenn ich selbst Mutter bin.



Aber auch der Papa kann seinen Sohn ab und zu ins Bett bringen, damit seine Frau mit ihrer Freundin mal wieder ohne Babygeplärre essen gehen kann. Oder? Bin ich als Nicht-Mutter tatsächlich so naiv, weil ich das für machbar halte? Ich habe das Gefühl, dass viele Frauen so in ihrer Mutterrolle aufgehen, dass sie alles andere als nebensächlich betrachten – manchmal eben auch die beste Freundin.



Ich mache Babysitter – wie oft habe ich Lina diesen Vorschlag gemacht. Einmal hat sie ihn angenommen, als sie Marius zu einem Geschäftsessen begleiten wollte. Ich war schon Stunden vor dem Essen da, um Linas Instruktionen entgegenzunehmen. Wie waschen, welche Creme, welcher Brei, welches Gute-Nacht-Lied. Als ob sie mir überhaupt nicht zutrauen würde, dass ich mit Justus klarkomme.



Inzwischen finde ich die Situation zermürbend. Justus wird bald zwei Jahre alt, und unsere Freundschaft plätschert nur noch oberflächlich vor sich hin, wir treffen uns ab und zu auf einen Kaffee und reden über Belanglosigkeiten. In mir ist der Wunsch gewachsen, die Sache zu klären.



Früher sind wir einmal im Jahr für ein Wochenende irgendwo hingefahren. Dass Lina den Vorschlag nicht machen würde, war mir klar. Daher habe ich die Initiative ergriffen und sie gefragt, ob wir nicht für ein Mädelswochenende nach Berlin fahren wollen. Ich war überrascht. Lina hat versprochen, es sich zu überlegen.



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Katja Töpfer / Baby und Familie; 30.09.2010, aktualisiert am 01.10.2010
Bildnachweis: plainpicture GmbH & Co. KG/Folio

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