Viele Kleine eignen sich merkwürdige Tics an, beginnen etwa, ständig zu zwinkern oder sich zu räuspern
Immer wieder die Nase kraus ziehen: irgendwann können die Kleinen mit ihren Grimassen nicht mehr aufhören
Anfangs sah es noch ganz drollig aus: Immer mal wieder zog die fünfjährige Kathrin aus München die Nase nach oben, rümpfte sie und kniff dabei die Augen zusammen. Doch was als kleine Merkwürdigkeit startete, begann Mutter Daniela S. bald zu beunruhigen. Ihre Tochter zu ermahnen, endlich mit der Zwinkerei aufzuhören, brachte nämlich gar nichts. Im Gegenteil: Fast schien es so, als hätte das Kind die Grimassen schon längst nicht mehr im Griff.
Die meisten Kinder machen irgendwann Bewegungen oder Geräusche, deren Sinn der Betrachter nicht nachvollziehen kann. Manchmal tun sie es einfach nur so, aus Spaß oder weil es gerade zum Spiel gehört. Gelegentlich werden die Merkwürdigkeiten aber auch zum Dauerläufer, den die Kinder nicht mehr kontrollieren können. Dann sprechen Experten von Tics. Etwa zwölf Prozent der Grundschüler leiden an einer Tic-Störung, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP).
Meist fängt es um den Schuleintritt an, „manchmal sind schon Kinder im Alter von zwei oder drei Jahren betroffen“, sagt Dr. med. Matthias Niebler, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie aus Neumarkt/Oberpfalz. Manche zwinkern, so wie Kathrin. Andere fuchteln mit den Armen herum, zucken ständig mit den Schultern oder ziehen Grimassen. In diesem Fall sprechen Experten von Bewegungstics. Wenn Kinder Auffälligkeiten wie ständiges Räuspern, Fiepen, Grunzen, Schnüffeln oder Schnalzen zeigen, dann heißen diese vokale Tics.
Gelegentlich treten mehrere Erscheinungen gleichzeitig auf. Ihnen allen gemeinsam ist: Die Kinder sind nicht in der Lage, die Tics dauerhaft zu steuern. So zwinkern und hampeln sie mehrmals die Minute, manchmal auch nur ein paar Mal am Tag. Häufig hängt dies mit der psychischen Verfassung des Kleinen zusammen: Wenn es sich aufregt oder ärgert, kann dies die Symptome verschlimmern, im entspannten Zustand treten die Tics seltener auf.
Anne-Bärbel Köhle, Baby und Familie / BabyUndFamilie.de;
26.01.2009, aktualisiert am 22.06.2009
Getty Images/Mel Yates
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