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Was ist die häufigste Ursache ungewollter Kinderlosigkeit?

Wie wird diese Ursache festgestellt und behandelt? Und wie sind die Erfolgschancen danach? Aus der "Experten-Sprechstunde Schwangerschaft-Geburt-Stillen"


Kommt es trotz regelmäßigem umgeschütztem Sex zu keiner Schwangerschaft, sollten Paare mit Kinderwusch einen Arzt aufsuchen

Grundsätzlich finden sich die Ursachen der Kinderlosigkeit bei beiden Partnern zu gleichen Teilen: In 40 Prozent der Fälle liegt die Ursache bei der Frau, in weiteren 40 Prozent der Fälle beim Mann und in 20 Prozent der Fälle finden sich bei beiden Partnern Auffälligkeiten.

•    Jede fünfte Frau, die wegen unfreiwilliger Kinderlosigkeit zum Arzt kommt, weist eine Erhöhung männlicher Geschlechtshormone im Körper auf (siehe unten), meist verbunden mit Übergewicht und dem sogenannten Syndrom polyzystischer Ovarien (siehe Frage unter "Experten-Sprechstunde Schwangerschaft...": „Was sind eigentlich polyzystische Ovarien?“). Die Diagnose schließt eine Hormonanalyse und eine Ultraschalluntersuchung – letztere kann polyzystisch veränderte Ovarien darstellen – ein. Typischerweise haben diese Frauen auch einen unregelmäßigen Zyklus.

Für die Behandlung stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung: Mit antiöstrogenen Substanzen (zum Beispiel Clomifencitrat) und dem Follikel-stimulierenden Hormon FSH versucht man, einen Eisprung herbeizuführen, was in der Folge eine Schwangerschaft ermöglichen soll. Gegebenenfalls wird die Behandlung mit dem Antidiabetikum Metformin kombiniert. Metformin durchbricht die sogenannte Insulinresistenz, was in denjenigen Fällen wichtig ist, in denen ein Insulinüberschuss die Funktion der Eierstöcke stört. Zur Erklärung: Insulin ist das körpereigene zuckersenkende Hormon aus der Bauchspeicheldrüse. Bei einer Resistenz sprechen die Zellen in den Geweben, die schwerpunktmäßig den Zucker verstoffwechseln, nicht richtig auf das Insulin an. Dann steigen die Insulin- und Zuckerspiegel im Blut. Metformin senkt den erhöhten Blutzucker über verschiedene Mechanismen im Stoffwechsel. Auch die gesteigerte Bildung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron lässt sich im Zuge dessen meist regulieren.


•    An Endometriose leiden etwa 10 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter. Unter Frauen, die wegen eines unerfüllten Kinderwunsches einen Arzt aufsuchen, wird in 30 bis 45 Prozent der Fälle Endometriose festgestellt. Endometriose bedeutet, dass außerhalb der Gebärmutter, zum Beispiel im Unterleib, „verstreute“ Anteile von Gebärmutterschleimhaut vorhanden sind. Bei leichten Formen der Endometriose ist wahrscheinlich der Samentransport in der Gebärmutter gestört. Schwere Formen führen durch Verwachsungen im kleinen Becken (Unterleib) der Patientin zu anatomischen Hindernissen bei der Befruchtung und dem Transport der Eizelle.

Mit einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) kann abgeklärt werden, ob eine Endometriose die Ursache für die Kinderlosigkeit ist. Um eine Schwangerschaft herbeizuführen, stehen die Intrauterine Insemination (IUI, siehe Frage unter "Experten-Sprechstunde Schwangerschaft...":"Derzeit gängige Verfahren mit Befruchtung im Körper der Frau?") oder die In-vitro-Fertilisation (IVF, siehe Frage "Derzeit üblicherweise angewandte Verfahren mit Befruchtung außerhalb des Körpers der Frau?") zur Verfügung. Die IUI ist jedoch nur sinnvoll, wenn der weitere Transport nach Einbringen des Samens in die Gebärmutter funktioniert. Eine spezielle Szintigrafie der Gebärmutter (ein nuklearmedizinisches bildgebendes Verfahren) ist in der Lage, die Transportkapazität zu testen.


•   Myome, das heißt gutartige Geschwülste bzw. Wucherungen der Muskelschicht der Gebärmutter (des Myometriums), kommen ebenfalls als Ursache in Frage. Sie können mit einer Ultraschalluntersuchung erkannt werden. Sind die Myome größer, empfiehlt sich eine Operation. Wenn sie kleiner sind, werden die Myome belassen. Sie sind dann auch nicht der Grund für die Unfruchtbarkeit.


•    Auch ein Verschluss der Eileiter durch eine vorangegangene Operation oder eine Unterleibsinfektion kann hinter der Unfruchtbarkeit stecken. Festgestellt wird der Verschluss in einer Durchgängigkeitsprüfung mittels Ultraschall oder einer Bauchspiegelung (Laparoskopie). Mithilfe einer In-vitro-Fertilisation (IVF, siehe oben) kann die Frau dennoch schwanger werden.


•    Weist das Spermiogramm des Mannes leichte Einschränkungen, vor allem der Beweglichkeit der Spermien auf, dann kann die Intrauterine Insemination (IUI) zu einer Schwangerschaft führen (siehe oben).


•    Bei schweren Veränderungen des Spermiogrammes, insbesondere wenn es zu wenig oder sogar gar keine Spermien aufweist, bleibt als Behandlungsmöglichkeiten die In-vitro-Fertilisation (IVF) mit intracytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI, siehe Frage "Derzeit üblicherweise angewandte Verfahren mit Befruchtung außerhalb des Körpers der Frau", Link weiter oben).


•    Seltener ist eine Ovarialinsuffizienz, also der Ausfall der Eierstöcke (Ovarien) als Orte der Eizellproduktion infolge zu niedriger, Eisprünge auslösender Hormone (Follikel-stimulierendes Hormon, kurz FSH; Follikel bedeutet Eibläschen, und Luteinisierendes Hormon, abgekürzt LH) oder als Folge einer Erhöhung des Hormons Prolaktin.


•    Eine Infektion mit Chlamydien kann bei Männern die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen. Ein Befall mit diesen Bakterien verursacht meistens keine Beschwerden. Deshalb werden infizierte Männer kaum einmal behandelt. Wissenschaftler an der Canalejo Universitätsklinik in La Coruña (Spanien) haben festgestellt, dass Chlamydien die Spermien schädigen und so die Zeugungsfähigkeit der Männer schwächen. Es wird vermutet, dass sich diese durch eine Antibiotikatherapie möglicherweise wiederherstellen lässt.


•    Immer häufiger zeigen sich Schilddrüsenfunktionsstörungen (Autoimmunthyreoiditis, Hashimoto) als Ursache der Kinderlosigkeit. Das liegt allerdings daran, dass die betroffenen Frauen in den letzten Jahren einfach immer konsequenter daraufhin untersucht worden sind und werden.

 

Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Kissler, Experte der "Sprechstunde Schwangerschaft-Geburt-Stillen", in der Sie viele Fragen und Antworten rund um das Thema Schwangerschaft finden.



Diese Informationen enthalten nur allgemeine Hinweise und dürfen nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Sie können einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Kissler / surfmed / www.baby-und-familie.de; 17.01.2008, aktualisiert am 26.01.2012
Bildnachweis: Stockbyte/RYF

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