Trennung der Eltern: Das hilft dem Kind

Bei einer Trennung sind Eltern häufig sehr mit sich selbst beschäftigt. Aber Vorsicht: Ihr Kind braucht sie jetzt mehr als vorher. Wie Sie Ihrem Kleinen durch die schwere Zeit helfen
von Daniela Frank, aktualisiert am 12.05.2017

Wenn Eltern mit ihrem Kleinen im Gespräch bleiben, erfahren sie, was es bedrückt

W&B/Strandperle

Wer sich trennt, dessen Alltag verändert sich meist radikal. Familienfeiern, Urlaube, ja sogar die Mahlzeiten zuhause laufen künftig anders ab. Keiner mehr, mit dem man täglich Erlebnisse und Sorgen teilt. Niemand, mit dem man die kleinen und großen Entscheidungen des Lebens trifft. Zukunftspläne müssen revidiert, gemeinsame Träume verworfen und die Finanzen oft neu geordnet werden. Und dann tauchen da noch Gefühle wie Enttäuschung oder Selbstzweifel auf. Kein Wunder, dass viele da erst einmal keinen klaren Gedanken fassen können. Aber was, wenn man Kinder hat?

"Eltern sind während einer Trennung oft so mit sich beschäftigt, dass sie ihre Kinder in Unsicherheit darüber lassen, was los ist und wie es weitergehen soll", sagt Professorin Dr. Sabine Walper, Psychologin und Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut München. Das sei jedoch genau das falsche Signal. "Während des Trennungsprozesses ist für Kinder ein größtmögliches Maß an Sicherheit entscheidend." Diese sechs Punkte sollten Eltern beim Umgang mit einer Trennung beachten:

1. Gefühle nicht beim Kind abladen

Kinder sind kein Ersatz für erwachsene Gesprächspartner. Wichtig ist, den Kummer nicht bei ihnen abzuladen, sondern weitgehend von ihnen fernzuhalten und selbst zu verarbeiten. Andernfalls entsteht beim Kind der Druck, sich um Mama oder Papa kümmern zu müssen, obwohl es selbst sehr traurig ist. Damit wäre es überfordert.

2. Absprachen treffen und einhalten

Je nach Alter hat das Kind eventuell schon eine eigene Meinung dazu, wo es wohnen und wann es welchen Elternteil sehen will. Ein gewisses Mitspracherecht kann gegen das Gefühl der Machtlosigkeit helfen, das viele Trennungskinder haben. "Die meisten wollen, dass sich möglichst wenig an ihrem Alltag ändert", sagt Walper. Jüngere Kinder würden zu weitreichende Wahlmöglichkeiten jedoch überfordern. Ob Mitspracherecht oder nicht – für alle Punkte gilt: "Eltern sollten sich an Absprachen halten", sagt Walper.

3. Im Gespräch bleiben

Langfristig helfen regelmäßige Gespräche dem Kind, mit der veränderten Situation klarzukommen. Dabei erfahren die Eltern zum Beispiel am ehesten, wenn es dem Kind schlecht geht oder es über eine Regelung besonders unglücklich ist. "Wenn Eltern zu ihrem Kind guten Kontakt halten, findet es in der Regel auch den Mut, Probleme von sich aus anzusprechen", sagt Walper.

4. Veränderungen wahrnehmen

Oft verändern sich im Anschluss an eine Trennung die Bedürfnisse des Nachwuchses. Dann hilft es, wenn die Eltern sensibel darauf reagieren. Vor allem Kleine brauchen nach einer Trennung oft mehr Nähe. "Konnte das Kind vorher zum Beispiel schon alleine bleiben, wenn die Mama zum Einkaufen ging, kann es sein, dass es jetzt lieber mitkommen möchte", sagt Walper. Jüngere haben ein höheres Risiko, im Anschluss an eine Trennung Verlustängste zu entwickeln.

Älteren Kindern ist eine zu große Präsenz der Eltern dagegen manchmal lästig. "Jugendliche suchen sich ihren Rückhalt oft außerhalb der Familie", sagt Walper. "Trotzdem sollten die Eltern Nähe anbieten." Auch wenn Trennungskinder vordergründig keine Auffälligkeiten aufweisen, können sie sehr belastet sein, so die Expertin. "Für manche ist die Trennung aber eine Erlösung, wenn es vorher viel Streit gab. Für viele kommt sie zumindest nicht überraschend, sie haben ohnehin damit gerechnet."

5. Schuldgefühle nehmen

Nach einer Trennung entwickeln Kinder häufig Schuldgefühle. Vor allem kleine Kinder beziehen Dinge, die in ihrem Umfeld passieren, oft auf sich selbst. "In der Regel ist es Kindern ein großes Anliegen, dass die Eltern zusammenbleiben", sagt Walper. "Deshalb fragt sich jedes Kind irgendwann einmal: Was hätte ich anders machen können, sodass meine Eltern zusammen geblieben wären?" Die Kleinen versuchen dann zu vermitteln, Frieden zu stiften, abzulenken.

Ein weiterer Faktor: Oft sind Eltern in der Trennungsphase angespannt und reagieren über. Bei kleineren Kindern kann so der Eindruck entstehen, sie seien der Trennungsgrund. Eltern sollten deshalb dem Kind kurz und prägnant erklären, warum sie auseinandergegangen sind. "Das vermittelt ihnen eine plausible Erklärung als Gegengewicht zu ihrem Hirngespinst", sagt Walper.

6. Zeit geben

Wie lange es dauert, bis ein Kind die Trennung der Eltern verarbeitet hat, ist unterschiedlich. "Die meisten Kinder haben sich nach zwei bis drei Jahren wieder in die neue Situation eingefunden", sagt Walper. "Das kommt aber auf das Kind an und vor allem auch darauf, wie Eltern die Trennung gestalten – ob es ihnen zum Beispiel gelingt, Konflikte beizulegen." Wenn die Familie auseinanderbricht, ist das zunächst immer schmerzlich für das Kind. Bessert sich die Situation nach der Trennung aber merklich, kommen viele langfristig leichter damit klar.


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