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Sex während der Schwangerschaft

Viele Schwangere und ihre Partner sind unsicher, ob sie beim Sex etwas beachten müssen. Gynäkologin Regina Rasenack klärt auf


Sex während der Schwangerschaft: Erlaubt ist, was Spaß macht und nicht weh tut

Frau Doktor Rasenack, verändert sich während der Schwangerschaft die Lust auf Sex?

Zu Beginn der Schwangerschaft haben viele Frauen wenig Lust auf Sex: Ihnen macht die Übelkeit zu schaffen, sie fühlen sich müde und schlapp. Außerdem ändert sich nicht nur der Körper, sondern auch das ganze Umfeld der Frau: sie erwartet ein Kind. Sobald sie sich aber in der neuen Situation wohl fühlt, läuft auch das Sexleben ganz normal weiter.

Im zweiten Schwangerschaftsdrittel hat sich der Körper an die Umstellung gewöhnt. Viele Frauen fühlen sich jetzt besonders wohl: die Haut strahlt rosig und die Brüste sind voller. Damit steigt die Lust auf Sex wieder. Manche Frauen erleben den Sex während der Schwangerschaft intensiver. Das liegt daran, dass die Gebärmutter und die Genitalien stärker durchblutet sind. Dadurch kann das Lustempfinden gesteigert werden.

Gegen Ende der Schwangerschaft, wenn der Bauch immer größer wird, fühlen sich viele Frauen nicht mehr fit und wendig genug für Sex.



Dr. Regina Rasenack ist Gynäkologin und Oberärztin an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Freiburg

Bekommt das Baby vom Sex etwas mit?

Keine Sorge, das Kind bekommt nichts mit. Es wächst in der flüssigkeitsgefüllten Fruchtblase heran. In der Blase kann es üblicherweise durch sexuelle Bewegungen weder berührt noch beeinträchtigt werden.

Wann sollte man lieber auf Sex verzichten?

Beispielsweise Frauen mit einem deutlich verkürzten Gebärmutterhals oder einem nicht fest verschlossenen Muttermund müssen mit ihrem Arzt oder der Ärztin absprechen, ob sie noch Sex haben dürfen. Falls der Partner eine Infektion wie zum Beispiel Genitalherpes oder Chlamydien hat, muss bis zur sicheren Ausheilung auf Sex verzichtet werden.

Kann das Ejakulat dem Baby schaden?

Nein, der Gebärmutterhals ist durch einen zähen Schleim verschlossen, durch den das Ejakulat in der Regel nicht durchkommt. Aber es kann zum natürlichen Geburtshelfer werden: In der Samenflüssigkeit sind Prostaglandine enthalten. Diese Hormone können Wehen fördern und den Gebärmutterhals bei der Dehnung unterstützen. Aber keine Sorge, Sex kann nur Wehen auslösen, wenn die Geburt kurz bevorsteht.

Erhöht Sex das Risiko für eine Fehlgeburt?

Nur in besonderen Situationen: Wenn es zu Symptomen wie zum Beispiel Blutungen, einem leicht geöffneten Muttermund oder zum Verlust von Fruchtwasser kommt, muss man sofort einen Arzt konsultieren.

Frauen empfinden nicht alle Stellungen als angenehm. Welche sind empfehlenswert?

Je größer der Bauch, umso unangenehmer ist es für die Frau beim Sex unten zu liegen. Sonst gilt: was angenehm ist, ist erlaubt. Jedes Paar muss für sich herausfinden, was ihr und ihm gefällt. Dabei sollten beide offen für Neues sein.

Wann darf man nach der Geburt wieder Sex haben?

Nach ungefähr sechs Wochen, sobald alle Geburtsverletzungen verheilt sind. Dann sollte auch der Wochenfluss, das Wundsekret der Gebärmutter, vorbei sein.

Kann es sein, dass nach der Geburt die Lust auf Sex so schnell nicht zurückkehrt? Wie kann man sich beim Sex besser fühlen?

Viele Frauen sind von der Geburt erschöpft und müssen sich erst mal an die neue Situation gewöhnen. Das wichtigste Organ beim Sex ist das Hirn. Wenn der Kopf frei ist, steht dem Sex nichts mehr im Weg. Dann braucht das Paar nur noch Zeit zu zweit und Ruhe.

Ab wann ist eine Frau wieder fruchtbar?

Mütter, die stillen, haben in der Regel eine Art natürlichen Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft: Beim Stillen schüttet der Körper ein Hormon namens Prolaktin aus. Es regt die Milchproduktion an und hemmt die Aktivität der Eierstöcke. Diese Blockade ist aber nur in den ersten sechs Monaten nach der Geburt relativ sicher, unter der Voraussetzung, dass das Baby ausschließlich und mindestens sechs mal pro Tag gestillt wird und nicht mehr als sechs Stunden zwischen den Stillmahlzeiten liegen.

Stillende Mütter, die nicht gleich wieder schwanger werden wollen, sollten deshalb zusätzlich verhüten, zum Beispiel mit einer Spirale oder einer reinen Gestagenpille. Während der Stillzeit gilt: Keine östrogenhaltigen Verhütungsmethoden. Die weiblichen Geschlechtshormone können die Milchbildung stören und zusätzlich können zu große Hormonmengen in die Muttermilch gelangen.

Bei Frauen, die nicht stillen, wird die Milchbildung unterdrückt. Und so stellt sich schon kurz nach der Geburt der Zyklus wieder ein und die Frau kann wieder schwanger werden.




Bildnachweis: Corbis/Ivy, W&B/Privat

Larissa Gaub / www.baby-und-familie.de;
Bildnachweis: Corbis/Ivy, W&B/Privat

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