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Serie Teil 2:
"Vermisse die Zweisamkeit mit meiner Frau"

Seit der Geburt von Sohn Jonas erkennt Marco, 34 (Namen geändert) seine Ehe nicht wieder. Er vermisst die Frau, in die er sich verliebt hat


Sehnsucht zeigen: Der Patner sollte wissen, was man fühlt

Ich liebe meine Frau. Trotz unserer Probleme käme eine Trennung für mich nie infrage. Als Bettina (heute 32) und ich uns auf einer Fortbildung kennenlernten, wussten wir beide schnell: Das ist es, mit diesem Menschen möchte ich mein Leben verbringen. Und wir wollten auch beide ein Kind.

 

Natürlich war ich nicht so naiv zu glauben, ein Baby würde unser Leben nicht umkrempeln. Womit ich jedoch nicht gerechnet habe: dass sich Bettina komplett verändert.


Bettinas Leben dreht sich nur noch um unseren Sohn Jonas (3). Früher haben wir uns beim Abendessen lustige Geschichten über unsere Kollegen erzählt. Heute werde ich – sobald ich die Wohnung betrete – mit den neuesten Episoden unseres Nachwuchses überfallen. Von Bettinas Humor fehlt dabei jede Spur.

 

Sie macht sich über alles Sorgen, kann eine geschlagene Stunde über Beikost sprechen und beim Essen (!) Jonas’ Stuhlgang beschreiben. In den ersten Monaten befanden wir uns gemeinsam in dieser Baby-Euphorie. Mittlerweile habe ich das Gefühl, wir leben auf zwei verschiedenen Planeten: Baby-Venus und Büro-Mars.

 

Es ist nicht Eifersucht auf Jonas, die mir zu schaffen macht. Es ist die Sehnsucht nach unserer früheren Zweisamkeit, die wir überhaupt nicht mehr haben. Denn Bettina verlässt ihren Baby-Planeten nie. So treffen wir uns zum Beispiel nur noch ganz selten mit alten Freunden.

 

Wir waren eines der ersten Pärchen aus unserer Clique, das Nachwuchs bekam. Also knüpfte Bettina auf dem Spielplatz, in der Krabbelgruppe, im Kindergarten neue Kontakte zu anderen Eltern. Die Treffen mit diesen neuen Bekannten sind nett, und ich freue mich, wenn Jonas auf diese Weise Freunde findet. Aber mit all diesen Leuten verbindet mich keine Vergangenheit. Mir fehlen die zwanglosen, vertrauten Abende mit unseren alten Freunden. Bettina scheint das alles nicht zu vermissen.

 

Dabei war es früher sie, die keine Party und keine Grillfete ausgelassen hat. Ich habe mich auch in Bettina verliebt, weil sie so offen und fröhlich auf Menschen zugehen konnte. Weil nur sie es geschafft hat, mich Tanzmuffel bis fünf Uhr morgens in eine Disko zu locken. Weil sie nach dem Feiern ganz spontan all unsere Freunde zu einem Weißwurst-Essen zu uns eingeladen hat.

 

Mit Bettina war immer alles leicht, alles entspannt. Seit Jonas auf der Welt ist, will sie nicht mehr ausgehen. Nicht einmal ins Restaurant um die Ecke. Als Jonas zweieinhalb war, habe ich Bettina mit einem Wochenende in Hamburg überrascht. Aber auch Hunderte Kilometer von zu Hause weg hat sie nur über Jonas gesprochen und ständig mit ihren babysittenden Eltern telefoniert. Am Ende hatte ich den Eindruck, sie war am glücklichsten, als wir wieder zu Hause waren.

 

Ich vermisse die Frau, in die ich mich verliebt habe. Aber ich kann Bettina nichts von meinen Gefühlen erzählen. In der Schwangerschaft plagten sie ständig Zweifel, ob sie – die Partygängerin – eine gute Mutter sein würde. Soll ich ihr jetzt etwa sagen, dass sie meiner Meinung nach eine zu gute Mutter für Jonas ist? Dass sie sich in ihre neue Rolle zu sehr hineinsteigert? Dass sie, statt der coolen Mum, die sie sein wollte, eine übervorsichtige Glucke geworden ist? Also genau der Typ Frau, den sie früher immer belächelt hat. Das kann ich nicht. Oder besser – dazu fehlt mir der Mut.

 

Außerdem: Wäre ich wirklich glücklicher, wenn sie nur mir zuliebe einmal im Monat ausgeht? Ich glaube nicht. Mein Wunsch wäre vielmehr, dass sie von selbst die Sehnsucht nach Zweisamkeit packt. Ein wenig gebessert hat sich die Situation schon: Ich konnte Bettina überzeugen, eine Halbtagsstelle anzunehmen. Seitdem gibt es tatsächlich wieder Abendessen ohne Gespräche über Jonas Töpfchen oder den hippen Kinderwagen der Nachbarin.

 

Vor ein paar Wochen hat Bettina mir freudestrahlend eröffnet, dass sie wieder schwanger ist. Ich habe sie umarmt und ihr gesagt, wie toll ich das finde. In der Nacht habe ich kein Auge zugemacht.



Julia Wölkart / Baby und Familie; 18.02.2010, aktualisiert am 25.06.2010
Bildnachweis: W&B/Forster & Martin

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