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Partnerschaft:
Die Masken der Liebe

Wer liebt, ist verletzlich. Unsere wahren Gefühle zu zeigen, fällt uns deshalb gerade in engen Beziehungen oft schwer

Pärchen mit Schlafbrillen auf

Vertrauter Fremder: Jeder Mensch braucht seine Geheimnisse

Sie glauben, in einer langjährigen Beziehung kennen Sie Ihren Partner in- und auswendig? Stimmt nicht, sagt Dr. Wolfgang Hantel-Quitmann, Professor für Familien-Psychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Seine These lautet: Gerade Liebende tragen Masken. Im Interview erklärt der Buchautor, warum vollkommene Offenheit eine Illusion ist. Und warum eine Beziehung ohne Masken gar nicht funktionieren kann.

 

Gerade in Liebesbeziehungen glauben wir, uns öffnen zu können. Ist das eine Illusion? Unsere Idealvorstellung ist, dass wir in einer Partnerschaft alle Masken fallen lassen. Doch das trifft nur zum Teil zu.


Prof. Dr. Wolfgang Hantel-Quitmann

Professor Wolfgang Hantel-Quitmann lehrt und forscht in Hamburg über Klinische und Familien-Psychologie

Warum verstecken wir uns denn überhaupt hinter Masken?
Stellen Sie sich vor, wir würden allen Menschen, denen wir begegnen, unsere Gefühle mitteilen. Und alle anderen würden das Gleiche tun. Das gäbe ein unglaubliches Chaos. Wir würden anderen Menschen ständig Dinge sagen, die sie gar nicht hören wollen. Der authentische Umgang mit Emotionen ist etwas sehr Subjektives. Wir werden dadurch verletzt und verletzen andere. Letztlich sind Masken dazu da, uns vor den Gefühlen anderer, aber auch unseren eigenen zu schützen. Masken sind wie Kleidung für die Seele: Wir können nicht alle nackt herumlaufen. Kleidung kann schützen und verkleiden.

 

Aber warum brauchen wir diesen Schutz in einer Partnerschaft?
Weil wir gerade in einer Partnerschaft sehr verletzlich sind. Je größer die Gefahr von Verletzungen ist, desto größer ist auch unser Bedürfnis nach Schutz.

 

Welche Masken setzen wir dann auf?
Am häufigsten tun wir so, als ob wir etwas nicht sind. Ich bin nicht traurig. Ich trage die Maske einer fröhlichen Person. Das ist auch die Maske, die viele am Beginn einer Beziehung tragen. Sie zeigen sich als die Person, wie sie auf dem Liebesmarkt hoch im Kurs steht – stets gut gelaunt und attraktiv.

 

Aber diese Maske kann ja niemand ewig aufrechterhalten.
Der erste Moment, in dem eine Maske fällt, ist bereits der Morgen nach der ersten Nacht. Wenn man den anderen ungeschminkt sieht und selbst ungeschminkt ist. Aber für die nächsten Stationen der Beziehung setzen wir erneut Masken auf – nur andere. Der Grund ist einfach. Gerade in engen Beziehungen haben wir Angst davor, der andere könnte uns so, wie wir wirklich sind, nicht lieben.

 

Eben das wünschen wir uns doch aber: geliebt zu werden, wie wir sind.
Fakt ist aber auch: Masken sind ein Teil der Persönlichkeit. So gesehen, liebt man den anderen mit seinen Masken so, wie er ist. Masken stellen ja nichts Schlechtes oder Intrigantes dar. Ich maskiere mich zum Beispiel, wenn ich während eines Streits die Wut hinunterschlucke, um meinen Partner nicht mit unbedachten Worten zu verletzen. Ich zeige auch nicht meine wahren Gefühle, wenn ich meinen kranken Partner liebevoll umsorge, obwohl ich ihn eigentlich für übertrieben wehleidig halte. Ebenso können Geheimnisse Masken sein, die einer Partnerschaft keineswegs schaden müssen.



Julia Wölkart / Baby und Familie / GesundheitPro; 12.06.2009, aktualisiert am 26.06.2010
W&B/Privat, Corbis GmbH/A.Green/zefa

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