Die große Liebe – dass Bernd das nicht sein würde, war nach wenigen Treffen klar. Klar war auch das Ergebnis des Schwangerschaftstests. Dennoch kamen die gemeinsame Wohnung, der Urlaub in Italien – der Versuch, vernünftig zu sein. Drei Monate nach Lenards Geburt zog Bernd aus, keine Tränen, kein Streit. Es ist in Ordnung. Bernd ist ein liebevoller Vater, jedes zweite Wochenende ist Lenard bei ihm.
Inzwischen ist der Kleine zwei Jahre alt. Ich bin 28. Mein Leben liegt vor mir, und ich hätte schon Lust, mich neu zu verlieben. Doch ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, wie der Typ sein soll, den ich suche. In erster Linie will ich einfach mal wieder Spaß haben. Die Idee mit dem Internet spukte mir schon länger im Kopf herum.
Im vergangenen Sommer habe ich es getan – ein Profil über mich erstellt in der größten deutschen Online-Partnerbörse. Mit Psycho-Test. Dann wird die Datenbank nach Übereinstimmungen durchforstet. Und seitdem läuft meine Mailbox voll. Okay, es ist auch ziemlich viel Ausschussware dabei. Trotzdem gut fürs Selbstbewusstsein. Mein erster Kontakt …
Tom mit der Liste
Sein Profil-Foto war irgendwie nett. Eine Mischung aus Bankertyp und Grundschullehrer. Dünn, mit randloser Brille, ein bisschen schrullig. Vor unserem Date stand ich ewig vor dem Spiegel, habe Smalltalk geübt und Klamotten gewechselt. Dann wusste ich doch nicht so recht, was ich sagen sollte. Das war kein Problem, das Reden übernahm er.
Er erzählte von seinem spannenden Job als Software-Berater, dem Leistungsdruck im Büro und seinen Aktienbeteiligungen. Irgendwo habe ich gelesen, dass Zuhören bei Dates gut ankommt. Also habe ich mich zurückgelehnt und ihn reden lassen. Doch dann kippte der eigentlich nette Plausch in Richtung Verhör.
„Wie ist das bei dir im Job? Zahlt der Kindsvater Unterhalt? Möchtest du noch weitere Kinder?“ Das war mir alles zu viel. Fast, als hätte er eine Liste im Kopf, auf der er meine Partnerqualitäten abhaken würde. Der Abend war nett, wir haben gelacht und zum Abschied „bis bald“ gesagt. Er hat sich dann per Mail für das nette Date bedankt. Ich habe nicht geantwortet.
Plastikblumen bei Mark
Mark hat mich überrascht! Nach ein paar E-Mails lud er mich zum Essen zu sich nach Hause ein. Ziemlich viel Intimsphäre für ein erstes Date. Das hat mich neugierig gemacht. Er wohnte in der Innenstadt, teure Gegend, und begrüßte mich mit Sweatshirt und ausgebeulter Jeans.
In der Küche duftete es wahnsinnig gut nach Kräutern und kräftiger Soße. Doch es war auch ein komisches Gefühl, so direkt in das Leben eines bis dato wildfremden Menschen einzutauchen. An der Pinnwand hingen Fotos: Er im Segelboot und mit Freunden in der Kneipe. Auf einer Postkarte stand „Liebe Grüsse, dein Schwesterherz“. Die Wohnung soll ja viel über einen Menschen verraten.
Ich versuchte mir ein Bild zu machen. Hier gab es Ikea wie bei mir. Praktisch, übersichtlich. Bei Mark aber mit Schnickschnack. Das Auffälligste war die Plastikorchidee auf dem Couchtisch. Das Essen war großartig. Und, um es kurz zu machen – die Nacht auch. In den nächsten drei Monaten haben wir uns immer wieder verabredet. Aber irgendwie ist das Feuer zwischen uns dann auch schnell wieder erloschen.
Till, der Kostverächter
Wenn ich nur wüsste, was ich suche! Ich kann es echt nicht sagen. Tolerant soll er sein, irgendwie ungewöhnlich, mit Muskeln. Till hatte zwei Kinder und lebte seit Kurzem in Trennung. Er fragte mich, ob ich mit ihm zu einem Eishockeyspiel gehen wolle. Das fand ich gut.
Es war lustig, wir hatten viel Spaß, konnten reden. Ich war locker und hatte das Gefühl, eine gute Figur abzugeben. Wir verabredeten uns für ein weiteres Date. In den nächsten Tagen habe ich wie verrückt auf eine SMS von ihm gewartet. Nichts! Nach fünf Tagen hat er sich dann doch gemeldet. „Habe diese Woche leider keine Zeit. Melde mich, liebe Grüsse.“ Das war alles, was ich noch von ihm gehört habe.
Party mit Kai
Kai fand ich gut, weil er genau das Gegenteil von dem Leben führt, das meines ist. VWL-Student, jedes Wochenende auf Partys unterwegs, er wohnt in einer WG, und wir verabredeten uns in einer Bar. Später tanzten wir durch die Nacht. Als ich morgens um drei in der Tür stand, war meine Mutter, die auf Lenard aufgepasst hatte, ziemlich sauer.
Mir war das in diesem Moment total egal. Als sie mich fünf Stunden später weckte, fühlte ich mich elend. Seit acht Wochen treffe ich mich mit Kai. Ich glaube, ich bin nicht sein einziges Date. Das ist mehr als nur ein Gefühl, aber es zieht mich jetzt nicht besonders runter. Ich glaube nicht, dass ich ihn wirklich kenne. In drei Tagen habe ich wieder eine Verabredung. Mit … Jan.
Netz-Liebe: Wegweiser zum Glück
Der Liebesmarkt im Internet ist groß. Die gute Nachricht: Ein Großteil der Anbieter arbeitet seriös, so eine Analyse der ZDF-Wiso-Redaktion. Die meisten Portale verlangen eine Mitgliedsgebühr, Ausnahmen: www.finya.de oder www.single.de. Nützliche Infos unter www.singleboersen-vergleich.de
Katja Töpfer, Baby und Familie;
26.08.2010, aktualisiert am 10.08.2011
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto
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