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Der Zauber des Verliebtseins: So bringen Sie ihn zurück

Durchschnittlich ­dauert der Rausch bei Verknallten acht Monate. Aber es lohnt sich auch danach, die rosarote Brille immer wieder aufzusetzen


Damals war alles so leicht und frei! Sich an die Verliebtheitsphase zu erinnern, kann Paaren helfen, die Faszination für den anderen zurückzugewinnen

Schatz, das ist unser Lied …“ Mit der Melodie tanzen die Erinnerungen zurück. Bilder von ihrem geblümten Kleid und den Lippen, die ihn anlächelten, tauchen vor seinem geistigen Auge auf. Sie sieht seine Hüften schwingen. Wie damals …

Der Film läuft, und der Körper mixt den Gefühlscocktail zur Musik. Innerhalb weniger Takte kann ein Lied uns glücklich machen. Ist das Magie? Warum fühlen wir uns 15 Jahre später plötzlich wieder wie am Anfang der Liebe und spüren den Zauber? „Weil eine innere Zeitreise Empfindungen reaktiviert. Die Erinnerungen lassen Bilder aufblitzen – aus der Disko oder vom Abschlussball. Sie sind in der gleichen Region unseres Gehirns abgespeichert wie Emotionen“, sagt Dr. Jeanne Rademacher, Psychologin und Familientherapeutin aus Magdeburg.



Dr. Jeanne Rademacher, Psychologin, leitet ein Beratungszentrum für Familien an der Universität Magdeburg

Das Glücksgefühl, das Verliebte auf Wolke Sieben beamt, sei ein perfekter Mix aus Hormonen und Nervenbotenstoffen, den jeder Körper nach einem eigenen Rezept produziert. „Das ergibt ein einzigartiges Gefühl, das mit den Erinnerungen wieder hochkommen kann“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Wenn ich mich auf die Melodie einlasse, mich einlade, in Erinnerungen zu schwelgen, funktioniert der Zauber“, sagt Jeanne Rademacher. Sogar die Schmetterlinge können zurückflattern. Das hilft auch, wenn es einmal in der Beziehung kriselt. Die Expertin: „Paare und gerade Eltern nehmen sich häufig zu wenig Zeit füreinander. Man sollte achtsam bleiben, liebevoll miteinander umgehen und die Neugier auf den anderen pflegen.“



Christine Lößl ist Psychologin und Paartherapeutin mit einer Praxis in Estenfeld bei Würzburg

Sich an den Anfang zu erinnern, an die ganz besonderen Momente, die einen zusammengeschweißt haben, das kann die Faszination für den anderen wieder zurückbringen. Verabreden Sie sich zum Beispiel in dem Café, in dem sie früher gemeinsam gesessen und geredet haben. „Erwarten Sie ihn da. Wenn er zur Tür hereinkommt, sehen Sie ihn als den charismatischen Mann, in den Sie sich verliebt haben. Das Kribbeln spüren Sie, wenn Sie das wollen“, sagt die Expertin.

Verliebte empfinden am Anfang der Beziehung auch ein Gefühl von Freiheit und Unverbindlichkeit. Sie entscheiden täglich aufs Neue: Habe ich heute Lust auf eine Verabredung? Was wollen wir unternehmen? „Es gibt keine Verantwortung, keine Verpflichtungen“, schildert die Würzburger Psychologin und Paartherapeutin Christine Lößl die Anfangsphase von Paaren. Spätes­tens mit den Kindern kommen der Alltag und die Fragen: „Wo spüre ich heute noch Freiheit? Was bleibt für mich?“ Der Rat der Expertin: „Dann sollte man sich bewusst machen, was die Beziehung ohne Kinder geprägt hat.“ Das kann die Alpenüberquerung oder das gemeinsame Frühstück im Bett am Sonntagmorgen gewesen sein. Überlegen Sie, was Sie davon heute noch leben können, auch mit Kindern. Das muss nicht immer etwas Großartiges sein. „Manchmal reicht es schon, wie früher eine Pizza aus dem Karton vom Italiener kommen zu lassen“, meint Christine Lößl. „Die Stimmung, die aufkommt, wenn Mama und Papa entspannt in die Pizza beißen, spürt auch das Kind.“


Katrin (33) und Marco (33) Wettengel aus Würzburg:

„Lieben und leben: Unter diesem Motto stand unsere Beziehung am Anfang“, sagt ­Katrin Wettengel. Sie und ihr heutiger Mann waren vom ersten Kuss an unzertrennlich.
„Das war 1997. Wir waren blutjung, ich hatte meine erste eigene Wohnung, und er zog direkt aus seinem Kinderzimmer bei mir ein.“ Morgens fuhr er sie zur Arbeit, nachmittags holte er sie mit seinem weißen, klapprigen Golf wieder ab. „Katrin wusste immer, wo die bes­ten Partys steigen, und wir sind abends dorthin – zum Feiern und Tanzen. Ich war wahnsinnig verliebt in sie und genoss das Leben mit ihr.“ Nach zwei Jahren wurden aus zwei dann drei – mit Tochter Laura, heute 11. Dann kamen ­Mona (8) und Bastian (5). „Wir tragen gemeinsam die Verantwortung – für unsere Kinder und für unser Glück“, sagt Katrin Wettengel. Und: „Ich erinnere mich gerne an die unbeschwerte Zeit. Nie hätte ich geglaubt, dass wir mal drei Kinder und ein Haus haben werden. Ich bin stolz darauf. Das macht mich glücklich.“ Und Marco Wettengel ergänzt: „Meine Frau ist eine reizvolle Herausforderung, das liebe ich an ihr, seit ich sie kenne.“


Ute (47) und Robert (46) Hambitzer aus Erlabrunn:

Beim ersten Date im März 1996 fiel Ute ihrem ­Robert gleich in die Arme. Hochfiebrig allerdings. „Krank hatte sie sich zu mir geschleppt. Sie wollte mich lieber sehen als sich auszukurieren. Das muss Liebe sein, dachte­ ich.“ Robert fuhr seine Ute gleich wieder heim. Am nächs­ten Tag brachte er ihr Kuchen vorbei. „Er kümmerte sich rührend um mich. Ich spürte Vertrauen, Ehrlichkeit und dieses Füreinander-bestimmt-sein-Gefühl. Das habe ich bis heute“, sagt Ute Hambitzer. Zusammen haben sie einen Sohn: Felix (11). „Dass ­diese hübsche, intelligente Frau die gleichen Werte und Ideale hat wie ich, faszinierte mich gleich. Wir verbrachten jede freie ­Minute miteinander“, erinnert sich Robert. Dann bereiste­ er drei Wochen lang Indien. Ute tourte durch Kalifornien. „Ich merkte, ohne ihn ist das Leben nur halb so schön. Danach haben wir uns sofort eine gemeinsame Wohnung gesucht.“ Beide sagen: „Aus der Erinnerung an den Anfang schöpfen wir immer wieder Kraft und Mut weiterzumachen. Denn wir wissen einfach, wofür.“



Ariane Funke / Baby und Familie; 15.09.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Angie Wolf, W&B/Angie Wolf, Shotshop/danstar

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