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Osteoporose vorbeugen
Einzahlen aufs Knochen-Konto

Junge Frauen müssen doch nicht an Osteoporose denken! Ein fataler Irrtum, findet Experte Prof. Helmut Minne. Er gibt Tipps, wie man der Erkrankung frühzeitig vorbeugt

Frau im Fitnesstraining mit Hanteln

Moderates Muskeltraining macht Knochen richtig stark

Je früher man etwas für die Knochen tut, desto besser, sagt Prof. Dr. Helmut Minne, Chefarzt der Klinik „Der Fürstenhof“ in Bad Pyrmont und Vorstandsmitglied im Kuratorium Knochengesundheit. Er erklärt, wie junge Frauen sich vor Knochenschwund schützen.

Ist Knochenschwund überhaupt ein Thema, das jüngere Frauen angeht?
Unbedingt. Zwar treffen die Auswirkungen der Osteoporose wie Wirbel- oder andere Brüche die meisten erst jenseits der Wechseljahre. Aber wie Frauen und Männer in jungen Jahren leben, entscheidet mit darüber, wie gesund später die Knochen sind. Wie viele Menschen unter Osteoporose leiden, lässt sich nicht genau sagen, weil die Auswirkungen erst dann zum Tragen kommen, wenn der Knochen bereits schwer geschädigt ist. Wir gehen von mindestens sechs Millionen Menschen hierzulande aus. Davon sind zwei Drittel Frauen.

Wie kann man vorbeugen?
Die Knochensubstanz wird während der ersten Lebenshälfte aufgebaut. Je mehr Sie bis dahin auf Ihr Knochenkonto einzahlen, umso ferner sind Sie später der Osteoporose. Das funktioniert über Ernährung und Sport, und zwar auch noch in hohem Alter, vorausgesetzt, der Knochen ist gesund. Am besten ist Sport, der den Knochen belastet: hüpfen, springen, Volleyball spielen und moderates Muskeltraining. Joggen oder Radfahren führen dazu, dass die Menschen mehr Koordination und ein besseres Körpergefühl bekommen. Das baut zwar nicht den Knochen auf, schützt aber vor Stürzen, die zu Brüchen führen können. Wichtig ist, dass regelmäßig trainiert wird, etwa dreimal die Woche eine halbe Stunde. Patienten, die bereits unter Osteoporose leiden, hilft ein medizinisch überwachtes Sportkonzept.

Was schwächt Knochen?
Erbanlangen spielen eine Rolle. Wer genetisch vorbelastet ist, kann unter Umständen die Krankheit auch mit bester Ernährung und optimalem Sport nicht aufhalten. Chronisch entzündliche Krankheiten wie Rheuma oder entzündliche Darmerkrankungen schwächen den Knochen ebenfalls. Wenn Frauen daran erkranken, sollten sie regelmäßig ihre Knochendichte messen lassen. Auch bestimmte Medikamente kosten den Knochen Substanz, dazu gehören Kortison und das blutverdünnende Heparin. Beides muss aber über Monate genommen werden, bevor es sich auswirkt.

Schützen Schwangerschaften vor Knochenschwund?
Schwangere produzieren viel Östrogene. Das Hormon stärkt die Knochen. Es gibt erste Studien, die nahe legen, dass Schwangerschaften schützen. Aber dies reicht für konkrete Aussagen nicht aus.

Manche Frauen bekommen in der Schwangerschaft eine Osteoporose...
Ein sehr seltenes Phänomen, aber eines, das häufig nicht erkannt wird. Aus noch unbekannten Gründen baut der Knochen in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft ab. Während der Geburt entstehen dann Wirbelbrüche. Die Frauen haben in der Folge extrem starke Rückenschmerzen. Ein monatelanger Leidensweg beginnt, weil keiner daran denkt, dass diese jungen Frauen bereits unter Knochenschwund leiden könnten. Dabei ließe sich das Problem bei entsprechender Behandlung in den Griff bekommen. Grundsätzlich sollten alle Frauen, die nach einer Geburt unter massiven Kreuzschmerzen leiden, auf Osteoporose untersucht werden.

Schwächt Stillen die Knochen?
Es entzieht dem Körper Vitamin D und Kalzium, beides Stoffe, die der Knochen braucht. Wir empfehlen deshalb, während der Stillzeit täglich ein Gramm Kalzium (aus der Apotheke) zusätzlich einzunehmen. Dann kann gar nichts passieren. Eine Extragabe Vitamin D braucht es nicht. Der Körper eines jungen Menschen ist in der Lage, den Stoff selbst zu bilden.


Baby und Familie



Baby und Familie; 05.08.2005, aktualisiert am 27.06.2010
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