Die Neurodermitis wird auch atopische Dermatitis oder endogenes Ekzem genannt. Neben einer angeborenen Veranlagung mit verminderter Aktivität der Talgdrüsen tragen sowohl äußere Einflüsse wie Allergene aus der Nahrung (zum Beispiel Zitrusfrüchte, Weizen), die Haut reizende Faktoren wie Synthetikfasern, Wolle oder Farbstoffe, als auch innere psychische Faktoren zu der Hauterkrankung bei.
Bei Säuglingen zeigen sich erste Symptome einer Neurodermitis etwa ab dem vierten Lebensmonat. Meist treten zunächst eine auffallende Trockenheit der Haut und kleinschuppige, juckende Rötungen im Bereich der Wangen mit Übergreifen auf das Ohr und den behaarten Kopf auf. Diese Veränderungen sind auch unter dem Begriff Milchschorf bekannt. Oft klingen diese Symptome spontan wieder ab. Manchmal ist aber auch der gesamte Kopf mit dicken Krusten besetzt. Wenn diese Areale zu nässen beginnen, siedeln sich dort nicht selten Bakterien oder Viren an und führen zu einer Infektion dieser Hautbereiche. Diese muss dann gezielt mit Antibiotika oder virushemmenden Medikamenten (Virostatika) behandelt werden.
Deshalb sollte schon bei den ersten Anzeichen einer Neurodermitis, auch wenn sie nur schwach ausgeprägt sind, eine Behandlung beginnen. Sie besteht zunächst hauptsächlich in der sorgfältigen Pflege der Haut. Wichtig: Die Haut regelmäßig mit Basisfettsalbe eincremen. Die Kinder sollten hautnah nur Kleidung aus reiner ungefärbter Baumwolle tragen. Verwenden Sie beim Baden – Achtung: nicht zu oft, nicht zu heiß! – keine austrocknenden Seifen. Besser sind rückfettende Ölbäder. Waschmittel sollten parfümfrei sein. Stillen Sie Ihr Kind in den ersten Lebensmonaten ausschließlich und vermeiden Sie offensichtlich schubauslösende Nahrungsmittel. Welche das sind, muss bei jedem einzelnen Kind durch genaue Beobachtung oder auch mithilfe eines Protokolls, das die Ernährung und den Hautzustand dokumentiert, herausgefunden werden. Empfehlenswert sind Aufenthalte in allergenarmen Zonen wie an der Nordsee oder im Hochgebirge, jedoch am besten erst ab dem Kleinkindalter.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Reinhardt,
Dr. von Haunersches Kinderspital, Universität München
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07.06.2010
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