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Was tun bei Infektionen im Mund?

Ob Herpes-Bläschen, weiße Beläge oder kleine Geschwüre wie Aphthen – bei Kindern treten häufiger mal Beschwerden im Mund auf. Denen sollte man auf den Grund gehen


Mach mal "Aaaaah"! Oft stecken Kinder sich gegenseitig mit Viren oder Pilzen an, die Infektionen an der Mundschleimhaut auslösen

Plastik-Enten, dreckige Finger, runtergefallene Bonbons – Kinder stecken sich vieles in den Mund. Kein Problem, gegen die meisten Krankheitserreger ist das Immunsystem gewappnet. Ist es aber geschwächt oder nehmen Bakterien, Viren und Pilze überhand, dann wird auch ein kleiner Mund mal krank. Hautveränderungen wie Bläschen oder kleine Geschwüre sind die Folge. Meist verschwinden sie von selbst, es können aber auch ernstere Gründe dahinterstecken, wie eine Herpangina oder schwere chronische ­­Erkrankungen wie Morbus Crohn. Deshalb ist der Besuch beim Kinderarzt immer Pflicht, vor allem wenn zu Bläschen und Geschwüren noch andere Begleiterscheinungen wie Fieber oder ein richtiges Krankheitsgefühl hinzukommen. Die häufigsten Probleme bei Kindern – und was Sie dagegen tun können:


Mund-Soor

Hefe-Pilze gehören zur normalen Mundflora. Bei einer stark zuckerhaltigen Ernährung vermehren sie sich jedoch so sehr, dass sie auf der Schleimhaut oder Zunge kleine Flecken aus weißlichen Belägen bilden. Auch andere Infekte, die das Immunsystem schwächen, begünstigen die Vermehrung der Pilze, die medizinisch Candida heißen. Mundsoor trifft hauptsächlich Babys im ersten halben Lebensjahr.

„Eltern sollten alles, was auf den Boden fällt, sorgfältig spülen, bevor das Baby eine Chance hat, es in den Mund zu stecken“, rät Kinderzahnärztin Dr. ­­Jacqueline Esch aus München. „Sonst kann das ­Immunsystem durch weitere Krankheitserreger geschwächt werden.“ Zeit für den Kinderarzt ist es, wenn das Kind zusätzlich an Schluckbeschwerden oder Fieber leidet. Er kann im Zweifel auch ein antimykotisches Mittel verschreiben. Nach zwei bis vier Tagen Behandlung verschwinden die Beläge wieder.



Prof. Dr. med. Thomas Dirschka ist Hautarzt und hat eine eigene Praxis in Düsseldorf

Lippen-Herpes

Experten schätzen, dass sich bereits bei 80 Prozent der Zweijährigen Abwehrstoffe gegen das Herpes-simplex-I-Virus im Blut befinden. Das heißt: Sie haben schon mal ­eine Herpes-Infektion durchgemacht. „Viele merken gar nicht, dass sie das ­Virus in sich tragen. Aber es ist eine der häufigsten Infektionen bei Kindern“, sagt Kinderzahnärztin Esch. Meist wird das Virus im Kleinkindalter von den Eltern übertragen oder auch von Kind zu Kind in der Kita. Deshalb sollten Eltern, die selbst ­unter Herpes leiden, nicht den Schnuller des Kleinen ablecken.

Die erste Infektion zeigt sich ganz anders als die folgenden: „Wie bei einem grippalen Infekt leiden Kinder dann unter hohem Fieber und einem entzündeten Rachen. So schlimm wird es später zum Glück nicht mehr“, sagt der Düsseldorfer Dermatologe Professor Dr. med. Thomas Dirschka.



Dr. med. dent. Jacqueline Esch aus München ist spezialisiert auf Kinder- und Jugendzahnheilkunde

Nach der ersten Infektion ziehen sich die Viren im Körper zurück, verschwinden aber nicht. Bei Stress, anderen Infekten, starker Sonneneinstrahlung oder unter Einfluss bestimmter Medikamente werden bei vielen die Herpes-Bläschen wieder aktiv. Beim ersten Mal verschreibt der Arzt eine zinkhaltige Salbe. Sie muss aber aufgetragen werden, bevor die Bläschen sprießen. Nach einigen Tagen platzen diese und hinterlassen eine gelbliche Krus­te. Schon vor den ersten Bläschen kann die Haut spannen, später brennt und juckt sie.

„Kehrt ein Lippen-Herpes regelmäßig wieder, muss das Kind deshalb nicht jedes Mal zum Arzt. Das ist erst nötig, wennn die Abstände zwischen den Phasen kürzer werden oder Fieber und Unwohlsein hinzukommen“, so Dirschka. Vorbeugen lässt sich fast nicht. Es hilft aber, die Sonne zu meiden.

Mundfäule

Die medizinisch meist als Stomatitis aphthosa bezeichnete Virus-Infektion verur­sacht kleine schmerzhafte Bläschen auf der Schleimhaut. Sie entstehen innerhalb eines Tages und platzen nach einiger Zeit auf. Zurück bleiben weißlich belegte Geschwüre, die in der Regel nach sieben bis zehn Tagen wieder verschwinden. Der Erreger ist der gleiche, der auch den Lippen-Herpes auslöst. „Neben hohem Fieber haben die Kinder häufig starken Mundgeruch, daher der Name“, erklärt Kinderzahnärztin Esch.

„Bei Verdacht auf eine Virus-Infektion wie die Mund­fäule sollte ein Kind erst einmal nicht in den Kindergarten“, sagt Hautarzt Dirschka. „Die Infektion kann sehr ansteckend sein.“ Auf jeden Fall sollte ein Kinder- oder Hautarzt gleich beim ers­ten Verdacht einen Blick in den Mund des Kindes werfen. Meist kann aber auch er nur die Symptome lindern und fieber- und schmerzstillende Mittel verschreiben. Gegen Entzündungen hilft etwa eine Kamillen-Spülung.

Aphthen

Die kleinen Geschwüre an Wangen­innenseite, Zahnfleisch oder Zunge plagen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Und wie die Herpes-Bläschen kehren sie meist immer wieder zurück. „Aphthen haben viele Ursachen. Manche bekommen sie bei Stress, andere nach dem Genuss von Zitrusfrüchten oder nach kleinen Verletzungen der Schleimhaut. Häufig trifft es Kinder, deren Eltern auch schon darunter leiden“, sagt Kinderzahnärztin Esch. Sie hat die hellen Fleckchen mit dem hochroten Untergrund schon bei einjährigen Kindern beobachtet. In dem Alter sind sie aber noch die Ausnahme.

Treten Aphten das erste Mal auf, sollten Eltern mit dem Kind zum Arzt, um andere Krankheiten auszuschließen. Ansonsten verschwinden die Geschwüre meist nach sieben bis 14 Tagen. Medikamentös lassen sie sich nicht behandeln. Gegen die teils heftigen Schmerzen, vor allem beim Essen und Trinken, helfen Gele mit einem örtlich betäubenden Wirkstoff.



Julia Lüneburg / Baby und Familie; 19.09.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, Strandperle/fStop

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