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Mittelohrentzündung beim Kind, was tun?

Wie eine Entzündung des Mittelohrs entsteht, wann man zum Arzt sollte und warum nicht immer Antibiotika nötig sind, erklärt Kinderarzt Michael Mühlschlegel im Interview

Schmerzen, Weinen, Ohrenreiben. 90 Prozent aller Kinder erkranken in den ersten drei Lebensjahren einmal an einer Mittelohrentzündung.

Herr Mühlschlegel, was steckt hinter einer Mittelohrentzündung?

Der Teil des Ohres, der hinter dem Trommelfell liegt, entzündet sich. Von dort zum Rachen läuft die Ohrtrompete oder sogenannte Eustachische Röhre. Sie belüftet das Mittelohr und gleicht den Druck zwischen der Paukenhöhle und der Außenluft aus. Aber auf diesem Weg können auch Krankheitserreger ins Ohr wandern. Wie in der Nase schwillt auch dort die Schleimhaut an. Es sammelt sich Sekret, eine Entzündung kann entstehen.


Dr. Michael Mühlschlegel

Unser Experte: Kinderarzt Dr. Michael Mühlschlegel

Wie merken Eltern, dass ihr Kind eine Mittelohrentzündung hat?

Meist haben die Kinder Fieber und starke Schmerzen im Ohr. Babys weinen viel, die Größeren halten sich das Ohr und sagen, was wehtut.

Und dann gibt der Arzt in der Regel Antibiotika?

Nein. Etwa 40 bis 60 Prozent der Mittelohrentzündungen werden durch Viren hervorgerufen. In diesem Fall helfen keine Antibiotika, also Mittel gegen Bakterien. Ich höre ein krankes Kind ab, schaue ins Ohr und befrage die Eltern, ob das Kleine Fieber hat, ob es isst und trinkt. Dann kann ich entscheiden, ob Antibiotika notwendig sind. Meist verordne ich abschwellende Nasentropfen und ein Schmerzmittel. Nach ein oder zwei Tagen sehe ich mir das Kind noch einmal an, um die Heilung zu begutachten.

Wann verordnen Sie Antibiotika?

Wenn die Mittelohrentzündung bakterielle Ursachen hat. Das sehe ich beim Blick ins Ohr an der Rötung des Trommelfells. Manchmal erkennt man auch eitriges Sekret. Auch bei einer viralen Entzündung können sich Bakterien im Ohr ansiedeln. Es bildet sich Eiter, der großen Druck im Ohr ausübt und im Extremfall das Trommelfell sogar zum Platzen bringen kann. Dann läuft der Eiter aus dem Ohr, ganz selten sind auch kleine Blutspuren vom Trommelfellriss dabei. Hier sind Antibiotika notwendig.

Eine wissenschaftliche Studie sagt, dass Ärzte zu häufig Antibiotika bei Mittelohrentzündungen verschreiben. Verordnen Ärzte manchmal ein Antibiotikum, weil die Eltern dann beruhigt sind?

Das kommt sicher vor. Vor allem Eltern aus anderen Ländern sind daran gewöhnt, dass schnell Antibiotika gegeben werden. Die sind erstaunt, wenn sie keine bekommen. Aber ich erkläre ihnen, warum ein Antibiotikum in dem Moment bei ihrem Kind nicht sinnvoll ist. Das klappt meist sehr gut. Und viele sind froh, wenn ich ihrem Kind so helfen kann. Auch von Ärzten, die nicht so häufig Kinder behandeln, wird schnell ein Antibiotikum verordnet.

Was können die Eltern zur Heilung beitragen?

Wärme empfinden die Kinder oft als angenehm, manche Eltern bestrahlen die Ohren zum Beispiel mit Rotlicht. Auch Säckchen mit klein gehackten gewärmten Zwiebeln, die aufs Ohr gelegt werden, können die Schmerzen lindern.

Wann muss das Kind zum Arzt?

Das hängt vom Alter des Kindes ab und auch davon, wie sicher sich Eltern fühlen. Eine Mittelohrentzündung ist kein Fall für den Notarzt. Mit Babys unter drei Monaten sollte man bei Fieber immer zum Arzt, bei kleinen Kindern können Eltern es auch erst selbst mit abschwellendem Nasenspray und Schmerzmitteln versuchen. Gerade bei viralen Mittelohrentzündungen gehen die Schmerzen so schnell zurück, und die Erkrankung heilt zügig. Aber wenn das Fieber trotz fiebersenkender Medikamente hoch bleibt, das Kind über anhaltende Schmerzen klagt oder Flüssigkeit  aus dem Ohr läuft, müssen Eltern das Kind dem Arzt vorstellen.

Welche Spätschäden sind möglich?

Wenn das Kind sehr oft Mittelohrentzündungen hat, kann das Trommelfell vernarben. Das kann das Hören beeinträchtigen. Deshalb sollte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt prüfen, ob die Gaumenmandeln, auch Polypen genannt, vergrößert sind und die Eustachische Röhre verschließen. Eventuell müssen sie herausgenommen werden. Gleichzeitig saugen die Ärzte das zähe Sekret, das sich angesammelt hat, nach einem kleinen Schnitt ins Trommelfell ab. In sehr seltenen Fällen entzündet sich der Knochen am Ohr.

Wie kann man einer Mittelohrentzündung vorbeugen?

Eine Studie hat gezeigt, dass Säuglinge, die in den ersten drei Monaten gestillt werden, seltener Mittelohrentzündungen bekommen. Zigarettenrauch schadet dagegen. Außerdem sollten Eltern ihr Kind nicht zu viel am Schnuller nuckeln lassen.




Bildnachweis: W&B/Privat

Annett Zündorf / Baby und Familie; 07.03.2011, aktualisiert am 08.03.2013
Bildnachweis: W&B/Privat

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