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So verstehen Sie den Kinderarzt

Wenn Mediziner etwas erklären, kommt bei Eltern oft nur die Hälfte an. Ab heute ändert sich das! Mit unseren Tipps entschlüsseln Sie komplizierte Botschaften


Beim Doktor: Gute Vorbereitung sorgt für Verständnis

Es ging alles ganz schnell: Erst brach der Ast, auf dem der Nachwuchs turnte, dann der Arm. Mit dem schreienden Kind fuhren die Eltern in die Notaufnahme. Röntgen, trösten und ein paar Worte vom Arzt: Unterarmschaftfraktur, konservative Therapie, gute Prognose. Gute was? In der Hektik des Krankhausbetriebes war der Arzt schon wieder verschwunden, und die Eltern hatten kaum etwas verstanden.

Eltern sollten verstehen, bevor sie zustimmen

"So darf es natürlich nicht laufen", sagt Corinna Schaefer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) in Berlin. "Es ist wichtig, dass Eltern erst einer Behandlung zustimmen, wenn sie verstanden haben, was geplant ist."

Ob im Krankenhaus oder in der Arztpraxis: Eltern kranker Kinder haben immer mindestens so viele Fragen wie Sorgen. "Die Situation ist nicht einfach für Eltern. Trotzdem sollten sie sich immer trauen nachzufragen", sagt Corinna Schaefer. "Niemand braucht sich für seine Unwissenheit zu schämen, um sich anschließend zu ärgern, weil etwas unklar blieb."


Gut zuhören und Wichtiges notieren

Doch Eltern sollten ihren Teil zur guten Verständigung beitragen: "Hören Sie genau zu und schreiben Sie sich Stichpunkte mit", rät Schaefer, die beim ÄZQ für den Bereich Patienteninformation arbeitet. Bei einem Notfall müssen Eltern zudem die Routine im Krankenhaus respektieren. "Kein Arzt meint es böse, wenn er sich von den nervösen Angehörigen abwendet, um sich seinen Patienten widmen zu können", so Corinna Schaefer.

Trotzdem kommt es darauf an, mit dem behandelnden Arzt im Gespräch zu bleiben. "Mit dem niedergelassenen Kinderarzt ist das weniger ein Problem als mit dem Stationsarzt", sagt Schaefer. "Aber auch mit ihm lassen sich Termine vereinbaren." In den meisten Krankenhäusern gibt es zudem einen Sozialdienst. Er hilft bei Angelegenheiten mit der Krankenkasse, kann aber auch vermitteln, wenn es Probleme und Fragen gibt.

Dem Arzt die Situation näherbringen

Bleibt vor einer Behandlung noch ausreichend Zeit, sollte der Arzt sich diese allerdings auch nehmen, um zum Beispiel verschiedene Therapiemöglichkeiten zu erklären. "Häufig gehen Mediziner kaum auf die individuellen Eigenschaften des kleinen Patienen ein", meint Schaefer.

"Eltern sollten deshalb von sich aus erzählen, wie das Kind so ist, ob es viel herumtobt oder den ganzen Tag draußen spielt." Gleiches gilt für die Betreuungssituation: Eine alleinerziehende Mutter hat vielleicht weniger Zeit, sich mehrere Wochen um den Sprössling mit Gipsarm zu kümmern als die Familie mit Großeltern-Anschluss. "Solche Dinge sollte der Arzt bedenken, wenn er die Behandlung plant", sagt Expertin Schaefer.

Gut vorbereitet zum Kinderarzt

Der Kinderarzt in der Praxis freut sich, wenn Eltern vorbereitet zum Termin erscheinen. So kann er meist schneller und sicherer feststellen, was dem Kleinen fehlt. Dazu muss er wissen, wann und wie oft das Fieber kam oder was der Nachwuchs in den vergangenen Stunden gegessen und getrunken hat. Wer alle Auffälligkeiten zu Hause notiert, muss sich vor Ort nicht mühsam erinnern. Hat das Kind bereits Medikamente bekommen, muss der Arzt ebenfalls erfahren, wann und in welcher Dosis. Das gilt auch für rezeptfreie Mittel. Nehmen Sie auch den Allergiepass mit, wenn das Kind einen besitzt.

Und wer dann schon mit Zettel und Stift hantiert, schreibt sich gleich die Fragen auf, die er dem Arzt stellen will. Wenn es in der Sprechstunde mit dem kranken Kind stressig wird, liest man seine Notizen einfach vor und vergisst nichts. Wer sich im Gespräch nicht sicher ist, etwas richtig verstanden zu haben, kann auch zusammenfassende Fragen stellen. So erkennt der Arzt außerdem, was eventuell noch unklar ist.


Mediziner-Latein: Was bedeuten die Fachbegriffe von Ärzten?

akut: Wenn Schmerzen, andere Symptome oder eine Krankheit schnell und heftig auftreten

Anamnese: Sie beschreibt das erste Gespräch, bei dem der Arzt die Krankheitsgeschichte des Patienten erfährt

Befund: Er bezeichnet alle Ergebnisse der ärztlichen und technischen Untersuchungen

Diagnose: Aus dem Befund leitet der Arzt eine Diagnose ab, also die vermutliche Krankheit oder Verletzung

Fraktur: Knochenbruch

Infektion: Wenn Krankheitserreger in einen Körper eingedrungen sind, hat dieser eine Infektion

konservative Therapie: Die Behandlung mit Medikamenten oder äußeren Hilfsmitteln wie einem Gips bei der Fraktur. Gegenteil: Operation

Prognose: Sie beschreibt den voraussichtlichen Krankheitsverlauf. Eine gute Prognose bedeutet, dass der Patient wahrscheinlich geheilt wird

Symptome: Anzeichen, etwa Schmerzen oder Fieber, die durch eine Krankheit oder Verletzung verursacht werden




Bildnachweis: Banana Stock/RYF

Julia Lüneburg / Baby und Familie; aktualisiert am 31.05.2013,
Bildnachweis: Banana Stock/RYF

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