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Kinder gehen zu selten zum Zahnarzt

Nur ein Drittel aller Kinder unter sechs Jahren nimmt an der zahnmedizinischen Vorsorge teil – viel zu wenig. Eltern unterschätzen oft die Folgen mangelnder Zahnhygiene


Beim Zahnarzt erfahren Eltern und Kind, worauf es beim Zähneputzen ankommt

Löcher in den Milchzähnen? Egal, die fallen eh aus! – So denken anscheinend manche Eltern. Das Resultat: Kleine Kinder gehen zu selten zum Zahnarzt. Nur 31 Prozent der Zweieinhalb- bis Sechsjährigen nehmen an den Früherkennungsuntersuchungen beim Zahnarzt teil. Zwei von drei Kindern in dieser Altersgruppe verpassen die Prophylaxe. Zu diesem Ergebnis kam der Zahnreport der Krankenkasse Barmer GEK im April 2012. Die Folge: Knapp fünf Prozent aller Zahnfüllungen befinden sich in Milchzähnen. „Etwa jedes zehnte Kleinkind hat bereits Karies“, sagt Professor Dr. Christian Hirsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde. „Ein bestimmter Teil der Bevölkerung geht leider grundsätzlich nicht zum Zahnarzt, beziehungsweise nur zu Notbehandlungen. Diese Eltern achten dann meist auch weniger auf die Zähne ihrer Kinder.“


Schwerwiegende Konsequenzen möglich

Dabei sind die Folgen keineswegs zu vernachlässigen: Bekommt ein Kind keine zahnmedizinische Prophylaxe, kann Karies entstehen oder fortschreiten. Unbehandelt führt das zu Entzündungen, die sich ausweiten können. Eine Behandlung ist dann eventuell nur noch unter Narkose möglich.

Bleibende Zähne werden infiziert

Milchzähne fallen aus, Problem behoben? Schön wär's. Kariöse Milchzähne können die bleibenden Zähne infizieren. „Während des Zahnwechsels befinden sie sich über fünf oder sechs Jahre gemeinsam in der Mundhöhle“, so Hirsch. „Bei löchrigen Milchzähnen ist das Kariesrisiko für die bleibenden Zähne bis zu viermal höher.“ Muss ein Milchzahn gezogen werden, entsteht eine Lücke im Gebiss. Das hat in manchen Fällen Fehlstellungen zur Folge, die der Kieferorthopäde später zum Beispiel mithilfe einer Zahnspange korrigieren muss. Das ist teuer und aufwändig.

Sobald die ersten Zähne durchgebrochen sind, sind halbjährliche Kontrollen sinnvoll, meinen viele Zahnärzte. Inwieweit die Krankenkasse Ihres Kindes die Kosten dafür übernimmt, sollten Sie vorab klären, denn vom gemeinsamen Bundesausschuss sind die Früherkennungsuntersuchungen nur in einem Abstand von mindestens 12 Monaten vorgesehen. Stellt der Zahnarzt oder die Zahnärztin ein Problem oder erhöhte Risiken fest, können auch häufigere Zahnarztbesuche nötig werden.

Was passiert beim Zahnarzt?

Eine Früherkennungsuntersuchung beginnt in der Regel mit einem Zahnbefund. Dabei klärt der Arzt verschiedene Fragen: Welche Zähne sind schon vorhanden? Brechen sie in der richtigen Reihenfolge und Position durch? Außerdem untersucht er, ob schon frühe Anzeichen für Karies erkennbar sind. Er fragt die Eltern, ob das Kind einen Schnuller braucht oder am Daumen nuckelt, da das die Zahnstellung beeinflussen kann. Zusätzlich gibt er Hinweise zur richtigen Ernährung und zum Zähneputzen.

„Die wichtigsten Empfehlungen sind, möglichst früh mit dem Putzen anzufangen und eine fluoridhaltige Zahnpasta zu verwenden“, sagt Hirsch. Kinderärzte würden zwar häufig lieber Fluoridtabletten verschreiben, weil dabei die aufgenommene Fluoridmenge genauer kontrolliert werden könne. „Aus unserer Sicht ist es aber besser, das Fluorid direkt auf die Zähne aufzutragen“, sagt der Experte. „Wichtig ist bei den Unter-Dreijährigen, auf keinen Fall beides zu verwenden: Tabletten und fluoridhaltige Zahnpasta.“

Zahnärzte: Eltern besser informieren

Doch wie kriegt man die Kinder zum Zahnarzt? In Krippen und Kindergärten finden zwar zahnmedizinische Reihenuntersuchungen statt. Diese erreichen allerdings nicht alle Zweieinhalb- bis Sechsjährigen. Je nach Region ist vor allem der Anteil der Unter-Dreijährigen, die Betreuungseinrichtungen besuchen, sehr gering.

In der Vorsorgeuntersuchung U7 ist vorgesehen, dass der Kinderarzt den Zustand des Milchgebisses überprüft und einen Zahnarztbesuch empfiehlt. „Das funktioniert aber auch nicht optimal“, sagt Hirsch. „Viele Eltern bringen ihre Kinder trotzdem nicht zum Zahnarzt.“ Die Kinderzahnärzte wollen deshalb die Eltern künftig besser aufklären – und zum Beispiel sozial schwache Familien über Hebammen und Familienhelfer erreichen. Außerdem treten sie dafür ein, dass eine der vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt stattfindet. Denn diese nehmen fast alle Eltern wahr.




Bildnachweis: W&B/Jens Küsters

Daniela Frank / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 13.06.2012,
Bildnachweis: W&B/Jens Küsters

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