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Die richtige Nabelpflege beim Neugeborenen

Meistens verheilt der Nabel bei Neugeborenen problemlos. Trotzdem sollten Eltern und Hebamme bei der Nabelpflege einiges beachten, damit es nicht zu Entzündungen kommt


Der Nabel ist bei Neugeborenen eine besonders sensible Stelle

Neun Monate war das kleine Loch in der unteren Bauchmitte des Ungeborenen der sprichwörtliche Nabel der Welt. Über die Nabelschnur war der Fötus mit der Plazenta und damit mit dem Blutkreislauf der Mutter verbunden. Sauerstoff und Nährstoffe – für alles war dadurch gesorgt. Nach der Geburt wird die Nabelschnur gekappt. Ein eigenständiges Leben beginnt. Aber um den Nabelschnurrest muss man sich trotzdem noch eine Weile kümmern – er fällt erst etwa zwischen dem fünften und dem zehnten Lebenstag ab.

In vielen Fällen übernimmt die Hebamme die Nabelpflege – und das auf recht unterschiedliche Weise. Eine Studie aus Schottland zeigt, dass etwa nur die Hälfte aller Krankenhäuser festgeschriebene Richtlinien für die Nabelpflege haben und dass die Diskrepanzen in der Handhabung immer noch sehr groß sind. Manche Hebammen schwören bis heute auf die Verwendung von Puder, andere auf antiseptische Flüssigkeiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass die Pflege des Nabels nur mit Wasser und eventuell Seife erfolgen soll. Der Nabel soll optimalerweise trocken und von der Windel unbedeckt gehalten werden. Je weniger er berührt wird, umso besser.

Nabel unbedingt trocken halten

Also, weg mit den Fingern, aber trotzdem Augen auf! Denn: Der Nabel kann sich entzünden. Damit das nicht passiert, sollten auch die Eltern (und nicht nur die Hebamme) einige Regeln kennen. Extrem wichtig ist es beispielsweise, dass der Nabel trocken gehalten wird. Um das sicherzustellen, gibt es zwei verbreitete Methoden: die geschlossene und die offene Nabelpflege.

Bei der geschlossenen Variante wird eine luftdurchlässige, sterile Nabelkompresse gelegt. „Die hält nicht nur trocken, sondern bringt auch Abstand zwischen Klemme und Haut. Auf diese Weise drückt und scheuert die Klemme nicht zu sehr,“ sagt Sabine de Wall, Hebamme in der Frauenklinik im KRH Klinikum Nordstadt in Hannover. Man muss nur darauf achten, dass die Kompresse nicht nass wird. Sollte dies doch passieren, zum Beispiel durch Urin, muss der Nabel vorsichtig trocken getupft und die Kompresse gewechselt werden. Ansonsten wird sie täglich bei der Pflege gewechselt.

Bei der offenen Nabelpflege achtet man hingegen vermehrt darauf, dass möglichst viel frische Luft an den Nabel kommt. Dementsprechend kann man auch die Windeln so umschlagen, dass die Klemme und die Wunde nicht bedeckt sind.

Nabelpflege tut dem Baby nicht weh

Die Devise von de Wall lautet: Den Nabel möglichst in Ruhe lassen und weder Puder, Öle noch Cremes benutzen. Trotzdem wird gerade Puder auch heute noch von vielen Hebammen verwendet. Er verkürzt zwar erfahrungsgemäß die Zeit bis zum Abfallen des Nabelstummels, kann aber auch dazu führen, dass die Wunde häufiger nachblutet. Sollte man Puder benutzen, müssen die Reste unbedingt einmal am Tag mit einem Desinfektionsmittel entfernt werden. Keine alkoholhaltigen Lösungen verwenden. Manche Hebammen benutzen zur Reinigung zum Beispiel auch Calendula-Essenz aus der Apotheke. Diese kann auch dazu beitragen, Entzündungen vorzubeugen.

Tipp von Sabine de Wall: Vor der Nabelpflege gut die Hände waschen. Dann die Wunde –  maximal einmal täglich – mit einem Wattestäbchen mit abgekochten lauwarmen Wasser reinigen. Vorsichtig trocken tupfen. Fertig. Und keine Angst: Weh tun kann die Pflege Ihrem Neugeborenen nicht, weil in der Nabelschnur keine Nervenenden sind.

Bei Rötungen zum Arzt

In seltenen Fällen kann es auch zu einer Nabelentzündung kommen. Laut WHO betrifft das aber nur 0,2 bis 0,7 Prozent aller Neugeborenen. Bei Frühgeborenen treten Entzündungen etwas häufiger auf. Wie Sie eine Nabelentzündung bemerken? „Achten Sie darauf, ob sich Rötungen um die Wunde bilden. Wenn der Nabel schmiert, unangenehm riecht oder blutet, sollte man das sofort der Hebamme zeigen oder zum Arzt gehen," sagt de Wall. Eine Infektion kann sich auch dadurch äußern, dass sich der Nabel ungewöhnlich nach außen wölbt oder das Kind Fieber bekommt. Gehen Sie dann auf jeden Fall mit dem Baby zum Arzt. Vorwölbungen des Nabels können auch ein Zeichen von Nabelbruch sein.

Einige Mütter entdecken am Babynabel bisweilen auch kleine, blaurote Geschwulste. Dabei handelt es sich eventuell um ein Nabelgranulom (etwa nach einer Entzündung), das der Arzt problem- und schmerzlos entfernen kann. Vorsicht: Sollte sich Schorf auf dem Nabel bilden, niemals mit dem Fingernagel wegkratzen. Das kann zu Entzündungen führen.

Nabel gut im Auge behalten

Ist der Nabelschnurrest nach einigen Tagen abgefallen, kann es durchaus sein, dass der Nabel noch etwas Wundsekret ausscheidet. Man nennt das einen so genannten "Schmiernabel". Das ist in dem meisten Fällen harmlos. Wenn Sie beunruhigt sind, zeigen Sie es aber lieber trotzdem der Hebamme.

Behalten Sie den Nabel Ihres Kindes auch nach dem Wegfall des Nabelschnurrests im Auge. Auch, wenn schon einige Monate vergangen sind, bleibt es doch eine empfindliche Stelle, an der sich Keime ansiedeln können. Achten Sie also auch nach dem Baden darauf, dass der Nabel immer schön trocken ist.




Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; erstellt am 12.12.2012
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

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