Pflanzliche Mittel gegen Bauchweh

Wenn Kinder Bauchschmerzen haben, können Tees und Zubereitungen aus Heilpflanzen für Linderung sorgen. Die wichtigsten Kräuter und wie sie wirken

von Julia Schulters und Beatrice Sobeck, aktualisiert am 06.12.2016

Bauchweh? Extrakte aus Kamille, Kümmel, Pfefferminze oder Anis können helfen

W&B/Christine Schneider

Manche kann man essen, andere sind giftig, viele heilen: Die Natur bietet uns weltweit mit 21.000 Heilpflanzen ein riesiges Repertoire, um gesundheitliche Beschwerden zu lindern und das Wohlbefinden zu stärken. Vor allem Eltern greifen gern zur sanften Medizin, wenn es die Kleinen mal wieder erwischt hat – zum Beispiel bei Bauchweh.

Viele Kontrollen sichern die Qualität pflanzlicher Präparate

Die westliche Pflanzenmedizin, auch Phytotherapie genannt, orientiert sich rein an naturwissenschaftlich-medizinischen Kriterien. Sie beruht also nicht auf eigenen Theorien oder Lehren, wie etwa die Homöopathie. Pflanzliche Arzneien unterliegen zudem den gleichen strengen Qualitätsstandards wie synthetisch hergestellte Arzneimittel.

Nur wenige Studien zur Wirksamkeit bei Kindern

Allerdings gibt es nur wenige klinische Studien zur Anwendung von Arzneimitteln bei Kindern. Daher lesen Eltern in den Beipack­zetteln auch häufig den Hinweis, dass ­eine Anwendung des Arznei­mittels mangels Daten bei Kindern nicht empfohlen wird. Trotzdem können sich viele pflanzliche Heilmittel durchaus für Kinder eignen. Die Art, Dauer und Menge der jeweiligen Medikamentengabe sollten Eltern sorgfältig mit ihrem behandelnden Kinderarzt besprechen.

Welche Heilpflanzen bei Bauchweh und Magen-Darm-Problemen helfen können, erklärt Margit Schlenk, Apothekerin für Offizinpharmazie, Homöopathie und Naturheilverfahren mit Apotheken in Nürnberg und Neumarkt/Oberpfalz:


Kamille

Stockfood Munich GmbH/Maximilian Stock Ltd

Kamille

Bei Blähungen und Völlegefühl können die Wirkstoffe aus der Kamillenblüte helfen, denn sie entspannen die verkrampfte ­Magen-Darm-Muskulatur. Schlenks Tipp bei der Zuberei­tung von Kamillentee: "Kochen­des Wasser verwenden und den Tee während des Ziehens abdecken, dann verflüchtigt sich das ätherische Öl nicht." Vorsicht: Wer allergisch auf Korbblütler reagiert, sollte auf Zubereitungen mit Kamille unbedingt verzichten!


Bittere Schleifenblume

juniors @ wildlife Bildagentur GmbH/D.Harms

Bittere Schleifenblume

Sie ist eine Art Multitalent unter den Heilpflanzen: Die Inhaltsstoffe der bitteren Schleifenblume spannen einserseits die Muskulatur im Magen-Darm-Bereich an, können sie aber auch entkrampfen. Präparate, die Extrakte der bitteren Schleifenblume enthalten, fördern daher die Verdauung bei Völlegefühl, wirken aber gleichzeitig Blähungen entgegen. In der Apotheke gibt es Tropfen, die auch für Kinder geeignet sind. Meist enthalten sie zusätzlich Auszüge anderer Heilpflanzen.


Kümmel

W&B/Christine Schneider

Kümmel

Blähungen, Völlegefühl oder Magen-Darm-Krämpfe lassen sich mit Zubereitungen aus Kümmel lindern. Sie haben einen entspannenden Effekt auf die Magen-Darm-Muskulatur, wirken antibakteriell und regen die Verdauung und den Appetit an. In Tees wird Kümmel häufig mit Fenchel und Anis kombiniert. Für Kleine gibt es außerdem spezielle Zäpfchen mit Kümmelextrakt in der Apotheke.


Pfefferminze

W&B/Christine Schneider

Pfefferminze

Die Inhaltsstoffe der Pfefferminze wirken verdauungsfördernd und regen die Gallensäurepro­duktion an. "Das kann bei Völlegefühl und Blähun­­gen guttun", sagt ­Margit Schlenk. Das ätherische Öl der Heilpflanze ent­­spannt auch die Muskulatur der Darmwand und wirkt so entkrampfend. Für ­­Kinder eignen sich am ehesten Tees.


Anis

Getty Images/Dorling Kindersley

Anis

Das ätherische Öl aus Anisfrüchten wirkt  leicht entkrampfend und antibakteriell. Meist wird die Heilpflanze als Tee in Kombination mit Fenchel und Kümmel eingesetzt. Pharmazeutin Schlenk empfiehlt Fertigtees in Aroma­beuteln aus der Apotheke. "Sie sind so verpackt, dass sich die Wirkstoffe im Tee optimal entfalten können." Vorsicht: Selber sammeln sollte man Anis nicht, denn die Früchte sehen denen des giftigen Schierlings ähnlich.


Alkohol in Arzneien

Der Blick auf die Zutatenliste einiger pflanzlicher Präparate mag Eltern manchmal erschrecken: Das Medikament enthält Alkohol? Und dann soll es für Kinder geeignet sein? "Tatsächlich ist der Alkohol­gehalt in altersentsprechender Dosierung ­geringer als der natürliche Alkoholgehalt in Apfelsaft, Brot oder Kefir", erklärt Schlenk. Eltern ­brauchten ­also keine Bedenken haben. Oft gibt es aber auch ­alkoholfreie Präparate, die alternativ angewendet werden können. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten.

Hinweis zu ätherischen Ölen

Pflanzliche Zubereitungen mit ätherischen Ölen dürfen bei Säuglingen und Kleinkindern niemals im Bereich von Mund und Nase aufgetragen werden. Im schlimmsten Fall können sie mit Atemnot reagieren. Aus diesem Grund eignen sich auch Inhalationen mit ätherischen Ölen nicht für kleine Kinder. Schlenks Tipp bei Einreibungen, die ätherische Öle enthalten: "Am besten auf dem Rücken auftragen! Dann können die Kleinen das ätherische Öl nicht berühren und damit nicht an Mund und Nase kommen", empfiehlt die Apothekerin.



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