Medikamente: Antihistaminika

Gegen die Symptome einer Allergie werden Antihistaminika eingesetzt. Ältere Präparate sind wegen ihrer Nebenwirkungen in vielen Fällen ungeeiget, neuere helfen jedoch meist gut

von Franziska Draeger, aktualisiert am 29.11.2013

Heuschnupfen kann sehr unangenehm sein – Antihistaminika helfen

Image Source/ RYF

Die Nase läuft, die Augen tränen, weil das Kind etwa auf Pollen allergisch reagiert. Ein Fall für Antihistaminika. Als Spray, Tropfen oder Tabletten lindern sie Allergiebeschwerden. Einige Kinder brauchen sie fast täglich. Dann sorgen sich Eltern schon mal, ob das Kleine zu viel davon bekommt. Und war da nicht was? Wirken Antihistaminika nicht einschläfernd? Gab es nicht sogar Fälle von Herzstillstand?


Was ist dran an der Angst vor Antihistaminika?

Um diese Frage zu beantworten, muss man zwischen älteren und neueren Antihistaminika unterscheiden. Bei Heuschnupfen werden nur noch die neueren eingesetzt. In manchen Mitteln gegen Übelkeit oder Schlafprobleme sowie in Kombinationspräparaten gegen Erkältungen stecken aber weiterhin die älteren Wirkstoffe. Diese können ins Gehirn vordringen und müde machen sowie Herzschlag und Atemfrequenz beeinflussen.


Dr. Heinrich Vielhaber ist Kinder- und Jugendarzt in Starnberg (Bayern)

W&B/Privat

Der Starnberger Kinderarzt Dr. med. Heinrich Vielhaber schildert die Brisanz an einem Fall, den er vor einigen Jahren hatte. Er musste erst drei Kilogramm schwere Zwillinge beatmen, nachdem die Eltern ihnen Zäpfchen mit dem älteren Antihistaminikum Dimenhydrinat gegen Erbrechen verabreicht hatten.

"Diese waren für das Gewicht der Säuglinge nicht geeignet", so der Arzt. "Bei diesen Präparaten muss man die Alters- und Gewichtsbeschränkungen beachten, sonst wird es gefährlich", warnt er.


Dr. Katja Renner ist Apothekerin in Wassenberg (NRW)

W&B/Privat

Er rät dringend davon ab, Kindern unkritisch Antihistaminika gegen Übelkeit zu geben. Gegen Erkältungen sollten Antihistaminika gar nicht verabreicht werden. Die Wirkstoffe Dimenhydrinat und Diphenhydramin sollten Kinder nur auf ärztliche Anweisung bekommen.

Wesentlich nebenwirkungsärmer sind neuere Antihistaminika, die bei Heuschnupfen und anderen Allergien eingesetzt werden, sagt die Apothekerin Dr. Katja Renner. "Sie wirken gezielter gegen die allergischen Beschwerden und beeinflussen Herz und Atmung kaum."


Welche Bedeutung haben Antihistaminika in der Behandlung?

"Gerade die modernen antiallergischen Präparate sind für Allergiker mit Heuschnupfen ein großer Fortschritt", sagt Vielhaber. "Sie helfen ihnen, die Pollenzeit zu überstehen." Auch die älteren Präparate sind heute noch nützlich. "Manchmal ist ihre müde machende Wirkung durchaus erwünscht", sagt Katja Renner. Etwa bei einem großflächigen Ausschlag (Nesselsucht, "Urtikaria"), da sie den Juckreiz lindern und die Kleinen – als Nebeneffekt – leichter einschlafen können. Gelegentlich werden die älteren Antihistaminika auch gezielt als Schlafmittel eingesetzt. "Ich verordne Kindern aber sehr selten Schlafmittel", sagt Vielhaber. Fast immer lassen sich Einschlafprobleme bei Kleinkindern ohne Medikamente behandeln. Wichtige Schritte können ein regelmäßiger Tagesrhythmus und Rituale sein. Doch bei chronischen Erkrankungen, bei denen Kinder nicht schlafen können, seien Schlafmittel mit Antihistaminika im Einzelfall unvermeidbar. 

Was sollte man bei der Anwendung beachten?

"Generell sollten Eltern nie die Hausapotheke plündern und Mittel für Erwachsene in einer niedrigeren Dosierung für Kinder verwenden", warnt Vielhaber. "In der Apotheke sollten Eltern unbedingt angeben, wie alt und schwer ihr Kind ist und sich beraten lassen", fügt Renner hinzu. Modernere Antihistaminika machen zwar kaum müde. Wenn ein Kind aber täglich Medizin braucht oder empfindlich ist, kann es davon etwas schlapper werden. Dann hilft es, die Medizin abends zu geben oder das Präparat zu wechseln. Braucht ein Kind allergiebedingt monatelang Antihistaminika, ist oft eine spezifische Immuntherapie angeraten, die die Ursachen bekämpft.


So wirken Antihistaminika

Histamin ist ein wichtiger Botenstoff im Körper. Es spielt eine wesentliche Rolle bei Immunantworten. So begünstigt es bei Infektionen die Wanderung von Abwehrzellen dorthin, wo sie gerade gebraucht werden. Bei Allergien fördert dieser Mechanismus die Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Reize.
Antihistaminika unterdrücken die Wirkung von Histamin im Körper und unterbrechen so die allergische Reaktion. Zudem können sie auch den Juckreiz abschwächen.



Frau liegt in Wiese

Heuschnupfen bekämpfen »

Der Frühling ist für Sie auch eine Qual? Die Pollen verderben Ihnen regelmäßig die Laune? Heuschnupfen ist nicht nur lästig, sondern kann richtig gefährlich werden. Sie sollten deswegen alle Register der modernen Medizin ziehen, um das Leiden effektiv zu bekämpfen. Wie das geht, erfahren Sie in der Gesundheitsakademie. Hier klicken! »

Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Teilen Sie sich die Elternzeit mit Ihrem Partner?

Finden sie es okay, Babybilder in Sozialen Medien zu posten?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages