Masern: Ansteckend und gefährlich

Masern sind eine ernstzunehmende Krankheit, die mit hohem Fieber und einem typischen Hautausschlag einhergeht. Sie ist hoch ansteckend. Gefährlich wird es, wenn Lunge, Ohren oder Gehirn und Hirnhäute betroffen sind

15.03.2016

Fieber, Husten, Bindehautentzündung? Das können die ersten Symptome der Masern sein

W&B/Christine Schneider

nach obenWas sind Masern?

Masern sind eine von Viren hervorgerufene Erkrankung. Der Erreger ist so ansteckend, dass sich vor Einführung der Schutzimpfung die meisten Menschen bereits als Kinder infiziert haben. Aus diesem Grund zählte man Masern zu den Kinderkrankheiten. Doch auch bei Erwachsenen, die noch keine Masern hatten beziehungsweise nicht gegen sie geimpft sind, können Masern auftreten

Die Bezeichnung "Kinderkrankheit" klingt zwar eher harmlos, doch da im Rahmen der Krankheit teils schwerwiegende Komplikationen auftreten können, ist die Maserninfektion durchaus ernst zu nehmen. Auch wenn die meisten Erkrankungen mit Hautausschlag nicht die Masern sind, ist die Virusinfektion doch keineswegs verschwunden, sondern tritt in Deutschland immer wieder örtlich begenzt gehäuft auf.


Hatschi: Masern sind eine Tröpfcheninfektion

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nach obenUrsachen und Ansteckung

Das Masernvirus ist ein Morbillivirus aus der Familie der Paramyxoviren. Der "Lebensraum" der Masernviren ist der Mensch. Die Erreger gelangen in winzigen Sekrettröpfchen durch Sprechen, Husten und Niesen einer Person in die Luft. Durch Einatmen der Tröpfchen oder durch Kontakt von infektiösen Körperflüssigkeiten mit Nasen- und Mundschleimhaut oder der Bindehaut des Auges, können die Viren übertragen werden. Diese Form der Ansteckung heißt Tröpfcheninfektion.


Nach Übertragung der Erreger erkrankt die betroffene Person (wenn sie nicht immun ist) praktisch immer. Die Inkubationszeit, das heißt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung, beträgt 8 bis 12 Tage. Die höchste Ansteckungsgefahr besteht während des Anfangsstadiums (siehe Abschnitt Symptome) und bis vier Tage nach Auftreten des Hautausschlages.


Hohes Fieber kann auf Masern hinweisen

PhotoDisc/ RYF

nach obenSymptome

Eine Masern-Erkrankung läuft in zwei Phasen ab:
1. Allgemeine Erkältungssymptome (katarrhalisches oder Prodromalstadium)

Die ersten Anzeichen von Masern werden oft mit den Begriffen "verrotzt, verheult, verquollen" zusammengefasst. Sie unterscheiden sich nämlich kaum von denen einer beginnenden Erkältung. Dem Patient läuft zum Beispiel die Nase, er hustet und hat Fieber. Oft tritt eine Entzündung der Bindehaut des Auges (Konjunktivitis) auf, die sich durch tränende und gerötete Augen zeigt. Viele Patienten sind empfindlich gegenüber Licht und fühlen sich in einem abgedunkelten Zimmer wohler. Allgemeine Krankheitszeichen wie Kopf- und Bauchschmerzen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit sind häufig. Dieses Vorläuferstadium, in dem die Krankheit noch nicht ihre typischen Anzeichen zeigt (Prodromalstadium), dauert etwa zwei bis drei Tage.
Als ein Hinweis auf eine Maserninfektion gelten zu diesem Zeitpunkt die sogenannten Koplik-Flecken, die mit den ersten Krankheitszeichen auftreten können: Es handelt sich dabei um kleine, weiße Flecken an der Wangenschleimhaut im Bereich der Backenzähne. Diese kalkspritzerartigen Ablagerungen sind nach dem amerikanischer Kinderarzt Henry Koplik (1858 bis 1927) benannt, der sie 1896 beschrieb. Sie sind allerdings nicht immer vorhanden und können zudem sehr leicht übersehen werden. Am Ende des Prodromalstadiums sinkt das Fieber zunächst etwas ab.
2. Exanthemstadium
Etwa drei Tage nach Krankheitsbeginn zeigt sich der für Masern typische Hautausschlag (Masern-Exanthem). Gleichzeitig mit dem Auftreten des Hautausschlags steigt das Fieber erneut an, unter Umständen auch sehr hoch. Die hochroten Flecken finden sich zuerst hinter den Ohren. Dann breiten sich der Ausschlag symmetrisch über das Gesicht, den Hals, den Körperstamm und die Arme und Beine bis hin zu den Hand- und Fußflächen aus.
Im Weiteren färbt sich der Ausschlag dunkelrot bis bräunlich, nach drei bis vier Tagen verblasst er und verschwindet in derselben Reihenfolge wie er begonnen hat. Häufig zeigt sich im Anschluss eine zarte, kleieförmige Schuppung. Am fünften bis siebten Krankheitstag verschwindet in der Regel das Fieber.

nach obenKomplikationen

Masern müssen ernst genommen werden: Etwa eine von 10.000 bei Kleinkindern bis eine von 2.000 Erkrankungen bei Erwachsenen verläuft tödlich beziehungsweise mit schweren Folgeschäden. Bei Risikofaktoren wie zum Beispiel Mangelernährung in Entwicklungsländern können alle Komplikationen verstärkt auftreten.
Durch das Masernvirus selbst kann es weitere Beschwerden geben: Es kann die Lunge befallen und zu einer Lungenentzündung führen. Auch der Masern-Krupp kann eine unangenehme Komplikation sein. Eine gefürchtete Folge einer Maserninfektion ist eine Gehirnentzündung (Masern–Enzephalitits) zu der es in etwa einem bis zwei von 1000 Fällen kommt. Sie tritt bevorzugt drei bis neun Tage nach Exanthemausbruch auf. Bei einer Masern-Enzephalitis wirkt der Patient extrem schläfrig und benommen. Er leidet unter Kopfschmerzen und weist eventuell auch andere Symptome wie Krampfanfälle und Lähmungserscheinungen auf. In etwa zehn bis zwanzig Prozent der Fälle verläuft die Gehirnentzündung tödlich, bei ungefähr einem Drittel ist mit bleibenden Schäden des Nervensystems zu rechnen.

Das Immunsystem, das für die körpereigene Abwehr verantwortlich ist, wird bei einer Maserninfektion massiv geschwächt. Der Körper ist daher für mehrere Wochen darin beeinträchtigt, Krankheitserreger abzuwehren, so dass eine erhöhte Anfälligkeit für bakterielle Infektionen besteht. Dazu gehören Mittelohrentzündungen (Otitis media), Lungenentzündungen oder eine Bronchitis sowie Erkrankungen des Magen–Darmtraktes (Durchfälle etc.)

Als Spätfolge der Maserninfektion kann sich nach etwa sechs bis acht Jahren eine subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) zeigen. Sie betrifft etwa vier bis elf von 100.000 Erkrankten, bei Kindern mit Ersterkrankung unter fünf Jahren möglicherweise deutlich mehr (20-60 von 100.000). Die SSPE ist eine Entzündung der Nervenzellen des Gehirns und des Rückenmarks, die nach und nach zum Ausfall verschiedener Gehirnfunktionen (Aufmerksamkeitsminderung, Persönlichkeitsveränderungen, Bewegungsstörungen …) und schließlich zum Tod des Patienten führt. Trotz intensiver Forschung gibt es noch keine Heilung.


Masern oder nicht? Eltern sollten den Kinderarzt zu Rate ziehen

Imagesource/RYF

nach obenDiagnose

Da eine Masernerkrankung sehr schwerwiegend verlaufen kann und es eventuell nötig ist, Kontaktpersonen zu schützen, sollte man beim Verdacht auf Masern immer einen Arzt zu Rate ziehen. Er kann die Diagnose stellen, Komplikationen erkennen und gegebenenfalls behandeln sowie Kontaktpersonen zu den notwendigen Maßnahmen beraten.

Der typische Hautausschlag oder die Koplik-Flecken an der Wangenschleimhaut (siehe Kapitel Symptome) ermöglichen es, die Krankheit zu erkennen. Schwieriger wird es, wenn sich der Patient erst im Prodromalstadium (siehe Kapitel Symptome) befindet. Dann ist eine eindeutige Diagnose oft noch nicht zu stellen.

Gegebenenfalls kann der Arzt auch auf den Nachweis von Antikörpern gegen das Masernvirus im Blut zurückgreifen. Diese Antikörper sind meist bereits innerhalb der ersten drei Tage nach dem Auftreten des Hautausschlages messbar. Auch der direkte Virusnachweis (PCR) ist möglich, aber nur in seltenen Fällen erforderlich.


Abgedunkeltes Zimmer: Das finden viele Masernkranke angenehmer

Image Source/ RYF

nach obenTherapie

Es gibt kein wirksames Medikament gegen das Masernvirus. Die medizinische Versorgung konzentriert sich daher auf die Linderung der Symptome sowie die Früherkennung und Behandlung der Komplikationen, soweit möglich.

Bettruhe ist bei Masern sinnvoll. Alle Erkrankten sollten so lange zuhause bleiben, bis wirklich sämtliche Krankheitszeichen verschwunden sind. Besprechen Sie im Zweifel mit dem behandelnden Arzt, wann Sie oder ihr Kind wieder Gemeinschaftseinrichtungen besuchen dürfen.

Den meisten Masern-Patienten schmerzen bei Helligkeit die Augen. Ein abgedunkeltes Zimmer wirkt lindernd. Hörspiele oder –bücher sind eine gute Möglichkeit, dem Patienten die Zeit zu vertreiben.

Fieber gehört zu den Abwehrmechanismen des Körpers gegen Keime. Es muss daher nicht sofort gesenkt werden. Steigt das Fieber allerdings sehr hoch, ist das für den Organismus recht belastend. Dann, aber auch bei einer Neigung zu Fieberkrämpfen, kann eine Senkung der Temperatur angebracht sein.

Verschiedene Maßnahmen kommen dazu in Frage. Bei der Auswahl berät sie der behandelnde Arzt. Es kann zum Beispiel auf Wadenwickel oder verschiedene fiebersenkende Medikamente zurückgegriffen werden. Geeignete Wirkstoffe sind beispielsweise Paracetamol und Ibuprofen, die passende Dosierung richtet sich streng nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker! Bei kleinen Patienten unter 14 Jahren sollte auf den Wirkstoff Acetylsalicylsäure verzichtet werden, da er bei ihnen im Zusammenhang mit fieberhaften Infekten möglicherweise das sogenannte Reye-Syndrom (gefährliche Gehirn- und Leberschäden) auslösen kann.

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist gerade bei fiebernden und schwitzenden Patienten wichtig. Meist kann man sich auf das Durstgefühl der Betroffenen verlassen. Bei älteren Patienten oder sehr kleinen Kindern sollte man mit dem Arzt über die geeignete Trinkmenge sprechen. Dies gilt auch bei Personen mit Herz- oder Nierenkrankheiten, bei denen zuviel Flüssigkeit schädlich sein könnte.

Bei Husten können Inhalationen helfen, die Atemwege feucht zu halten. Eventuell verordnet der Arzt Schleimlöser. Treten aufgrund der geschwächten Abwehr zusätzlich weitere Infektionen mit Bakterien auf (zum Beispiel eine bakterielle Mittelohr- oder Lungenentzündung) können auch Antibiotika notwendig sein.


Lücken im Impfpass? Lassen Sie den Arzt beim nächsten Besuch nachsehen!

W&B/Achim Graf

nach obenVorbeugung/Impfung

Nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollten Kinder im Alter von 11 bis 14 Lebensmonaten erstmalig gegen Masern geimpft werden. Die zweite Impfung sollte mit 15. bis 23. Monaten erfolgen. Die Masernimpfung ist eine aktive Impfung, das heißt das Immunsystem des Geimpften bildet eigene Abwehrstoffe (Antikörper) gegen den Erreger. Sie ist außerdem eine Lebendimpfung, das bedeutet es werden lebende abgeschwächte Masernviren verabreicht. Heutzutage wird die Impfung in der Regel in Kombination mit den Wirkstoffen gegen Masern und Röteln durchführt (MMR-Kombinationsimpfung). Inzwischen gibt es auch eine Vierfachkombination, die eine Impfung gegen Windpocken mit einschließt, die MMRV-Kombinationsimpfung.

Bei einem geringen Anteil der geimpften Personen kommt es nach ungefähr zehn Tagen zu leichten Allgemeinsymptomen wie Abgeschlagenheit oder etwas Fieber, manchmal tritt sogar ein Masernausschlag auf. Hier spricht man von Impfmasern, die nicht ansteckend sind und in den meisten Fällen harmlos verlaufen. Komplikationen im Zusammenhang mit Masernimpfungen treten insgesamt deutlich seltener auf als im Rahmen der Erkrankung.

Auch Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und nicht sicher Masern hatten, oder nicht genau wissen, ob sie geimpft sind, oder nur eine Impfung haben, sollen sich impfen lassen. Hat eine nichtgeimpfte Person Kontakt zu einem Maserninfizierten gehabt, ist eine Impfung noch innerhalb von drei Tagen möglich. Hierdurch kann ein Ausbruch der Krankheit üblicherweise verhindert werden. Abwehrgeschwächte Personen können vom Menschen gewonnene Antikörper verabreicht bekommen (= passive Impfung). Diese erzeugen zwar keinen anhaltenden Schutz, können aber für den Moment die Krankheit verhindern oder zumindest ihr Verlauf abschwächen.

Masern sind nach § 6 des Infektionsschutzgesetz (IfSG) seit dem Jahr 2001 meldepflichtig. Schon bei einem Verdacht auf Masern ist der Arzt verpflichtet den Fall beim Gesundheitsamt anzugeben. Menschen, die an Masern erkrankt sind, ist der Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Horten oder Ferienlagern gesetzlich verboten.

Eine Wiederzulassung zum Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen ist nach Abklingen der klinischen Symptome, jedoch frühestens fünf Tage nach Auftreten des Masernausschlags möglich.

Neugeborene von Müttern, die gegen Masern immun sind, haben während der Schwangerschaft über den Mutterkuchen Antikörper gegen Masern erhalten. Diese Antikörper schützen den Säugling nach der Geburt noch etwa sechs Monate gegen die Krankheit (Nestschutz).


Unser Experte: Dr. med. Guido Krandixk

W&B/Privat

nach obenBeratender Experte

Dr. med. Guido Krandick ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Nach Studium in Bonn, Wien und Würzburg folgte eine fast zehnjährige Tätigkeit an der Kinderklinik Schwabing der TU-München. Seit 2000 führt er eine eigene Praxis südlich von München. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Achim Graf, PhotoDisc/ RYF, Imagesource/RYF, W&B/Christine Schneider, W&B/Privat, Jupiter Images GmbH/Comstock Images, Image Source/ RYF
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