Wenn bei ihren Kindern „untenrum“ etwas nicht stimmt, sind viele Eltern schnell verunsichert. Doch keine Panik: Die meisten der klassischen Jungen- und Mädchenprobleme lassen sich leicht behandeln oder geben sich von allein. Experten erklären fünf der häufigsten Erkrankungen und sagen, welche Therapien nötig sind.
Vorhautverengung
Bei diesem Phänomen handelt es sich eigentlich um etwas ganz Normales: Mehr als 90 Prozent aller neugeborenen Jungen haben eine sogenannte Phimose. Sie entsteht, wenn ein Missverhältnis zwischen der Größe der Eichel und der Weite der Penisvorhaut besteht und die Vorhaut mit der Eichel verklebt ist. Einige Ärzte vermuten sogar, dies müsse so sein, weil die Vorhaut das empfindliche Nervengewebe der Eichel schütze. In der Regel löst sich die Phimose zwischen dem ersten und vierten Lebensjahr von selbst. „Problematisch wird eine Vorhautverengung nur, wenn sie zu Komplikationen führt“, erklärt der Remscheider Kinderurologe Dr. Michael Mathers. „Entzündet sich die Eichel immer wieder oder bläht sich die Vorhaut beim Wasserlassen ballonartig auf, sollte das Kind behandelt werden.“ Unter leichter Betäubung kann dann der Arzt die Vorhaut mit der Hand zurückschieben. Ist die Verengung aber sehr stark, muss operiert werden. Das heißt, die Vorhaut wird teilweise oder komplett entfernt. Wichtig: Eltern sollten auf keinen Fall versuchen, die Verengung selbst zu beheben – dabei können Verletzungen und Narben entstehen. Genauso wenig sollten sie aber erschrecken, wenn ihre Söhne selbst Hand anlegen: „Irgendwann entdecken alle Jungen ihren Penis. Mit dem typischen Kneten und Ziehen tragen sie dazu bei, dass sich Phimosen auflösen“, sagt Mediziner Michael Mathers.
Hodenhochstand
Die Hoden entwickeln sich beim männlichen Fötus zunächst in der Bauchhöhle. Von dort wandern sie über die Leiste hinunter in den Hodensack. Befinden sie sich bei der Geburt des Kindes noch nicht oder noch nicht dauerhaft dort, sprechen Mediziner von einem Hodenhochstand. Dieser kann ein- oder auch beidseitig auftreten.
Dr. Silke Riechardt ist Oberärztin in der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
„Lassen sich die Hoden auffällig häufig nicht im Hodensack fühlen, ist eine Therapie erforderlich“, sagt Dr. Silke Riechardt, Oberärztin in der Kinderurologie der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Ein Hodenhochstand verursacht keine Schmerzen, aber er birgt Gefahren, wenn er unbehandelt bleibt: Durch die Temperatur im Köperinneren kann das Gewebe, das den Samen bildet, geschädigt werden. Unfruchtbarkeit kann im schlimmsten Fall die Folge sein. Auch steigt die Krebsgefahr leicht an. „Deshalb sollte die Therapie unbedingt bis zum Ende des ersten Lebensjahres abgeschlossen sein“, betont Silke Riechardt. Zunächst geben die Ärzte dem kleinen Patienten Hormone, die den Abstieg der Hoden auslösen sollen. Gelingt dies nicht, ist eine Operation in Vollnarkose nötig. Der Hoden wird dabei in den Sack verlegt und vernäht.
Übrigens: Bei einigen Jungen befinden sich die Hoden zwar normal im Hodensack, rutschen bei Kälte aber in den Leistenkanal. Diese Pendelhoden müssen nicht behandelt werden.
Genitalhygiene: Der kleine Unterschied
So oft wie nötig, aber so wenig wie möglich, das ist die Richtschnur für die tägliche Hygiene bei Babys. Meist genügt klares Wasser für die Reinigung des Genitalbereichs, größere Verschmutzungen lassen sich mit einem milden Babyöl entfernen.
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Für Jungen gilt: Unter der Vorhaut muss nicht gewaschen werden. Im Gegenteil, die Manipulation an der Penisspitze kann zu Verletzungen führen. Also Finger weg! Wenn sich Vorhaut und Eichel gelöst haben, bildet sich das sogenannte Smegma, ein weißlicher Belag aus abgeschliffenen Hautzellen. Erst wenn er auftritt, sollte der Penis auch täglich unter der Vorhaut gewaschen werden.
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Für Mädchen gilt: Die Scheide immer vorsichtig von vorn nach hinten säubern. Sonst besteht die Gefahr, dass Darmbakterien in Scheide oder Harnröhre geraten und dort Infektionen verursachen. Mit etwas Wasser auch die Falte zwischen kleinen und großen Schamlippen reinigen.
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Wasserbruch
Wenn sich Flüssigkeit in den Hodenhüllen oder in den Nebenhoden ansammelt, sprechen Ärzte von einem Wasserbruch. Diese Brüche können angeboren sein. Das bedeutet: Nachdem der Hoden aus der Bauchhöhle in den Hodensack gewandert ist, blieb eine Verbindung bestehen. Wasserbrüche können aber auch durch Entzündungen und Verletzungen entstehen. Angeborene Wasserbrüche bilden sich oft spontan zurück. „Daher müssen sie im ersten Lebensjahr zwar beobachtet, aber in der Regel nicht behandelt werden“, so Medizinerin Silke Riechardt. „Besteht der Bruch über das erste Lebensjahr hinaus, sollte die Verbindung operativ geschlossen werden.“ Der Eingriff findet in der Regel ambulant und in Vollnarkose statt. Er kann über die Hoden oder die Leiste erfolgen.
Dr. Marlene Heinz ist Gynäkologin in Berlin und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendgynäkologie
Schamlippenverklebung
Eine Verklebung der Schamlippen kommt verhältnismäßig selten vor. Bei rund zwei Prozent der Mädchen bis vier Jahre stellt der Kinderarzt bei einer der Vorsorgeuntersuchungen die sogenannte Labiensynechie fest. Der Scheideneingang ist dabei teilweise oder vollständig verschlossen. Das verursacht in der Regel keine Probleme.
Nur in Ausnahmefällen kann es Schwierigkeiten geben, wenn sich Urin am Scheideneingang staut und sich dadurch der Bereich der Harnblase entzündet. „Wir behandeln das in aller Regel mit einer östrogenhaltigen Creme“, erklärt Urologe Michael Mathers. „Damit löst sich die Verklebung meist innerhalb weniger Tage.“
Pilzinfektion
Erwachsene Frauen können sie bekommen – und sehr selten ganz kleine Mädchen auch: eine Pilzinfektion am äußeren Genital. Die Berliner Gynäkologin und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendgynäkologie Dr. Marlene Heinz erklärt: „Diese Infektionen treten auf, wenn Östrogene im Körper vorhanden sind. Beim Säugling ist das etwa bis zur sechsten bis achten Lebenswoche der Fall. Danach sind sie wieder ab ungefähr acht Jahren vorhanden.“ Pilzinfektionen sind häufig mit einem starken Juckreiz verbunden. Treten weißliche Beläge in den Schamfalten auf, sind meist Fehler in der Intimhygiene schuld. Nachweisen lässt sich eine solche Pilzinfektion nur durch einen Abstrich. Der Arzt behandelt dann mit sogenannten Antimykotika, in der Regel als Salbe.
Viele Kleinkinder, egal ob Jungen oder Mädchen, leiden am sogenannten Windelsoor. Er entsteht ebenfalls durch den Erreger Candida albicans. Das feuchtwarme Klima in der Windel begünstigt ihn. Dann zeigen sich an Genitalbereich und After klein- bis großflächige Rötungen, die in Pusteln auslaufen. Auch hier helfen antimykotische Salben. Gelegentlich verschreibt der Arzt Tropfen. Expertin Heinz: „Wirklich nachweisen kann man den Pilzbefall auch in diesem Fall nur durch einen Abstrich – und der sollte auch gemacht werden. Zu viele Kinder werden erfolglos behandelt, weil der vermeintliche Soor in Wahrheit ein Problem mangelnder, falscher oder übertriebener Hygiene ist.“
Bei Windelsoor sollten Eltern darauf achten, öfter die Windeln zu wechseln und das Kleine immer mal wieder mit nacktem Po strampeln zu lassen.
Dr. Susanne Kailitz / Baby und Familie;
14.11.2011, aktualisiert am 15.11.2011
Bildnachweis: W&B/Universitaetsklinikum Hamburg-Eppendorf, W&B/Privat, W&B/Forster und Martin
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