Was sind Ringelröteln?

Die meisten Eltern haben noch nie von der Infektion gehört. Dabei zählen Ringelröteln mit dem typischen Ausschlag zu den klassischen Kinderkrankheiten
von Julia Jung, aktualisiert am 26.05.2017

Typischer Kinderinfekt: Ringelröteln

Your Photo Today/Phanie

Die Diagnose sorgt häufig für Verwirrung. Das Kind sei doch gegen Röteln geimpft, wie könne das jetzt sein, fragen Eltern, wenn Dr. med. Hermann Josef Kahl ihnen mitteilt, dass ihr Kind Ringelröteln hat. "Röteln und Ringelröteln sind zwar beides Kinderkrankheiten, sonst haben sie aber nicht viel gemeinsam", erklärt der Kinder- und Jugendarzt aus Düsseldorf. Der wohl gravierendste Unterschied: Gegen den Erreger der Ringelröteln gibt es keinen Impfstoff. Das bedeutet, dass mindestens jeder Zweite in seinem Leben eine Ringelröteln-Infektion durchmacht. Danach ist er immun, denn der Körper bildet während der Krankheit Antikörper, die er sein Leben lang behält.

Wie bei den meisten Kinderkrankheiten kommen auch Ringelröteln hauptsächlich bei Kleinen im Alter zwischen zwei und sechs Jahren vor. Zwei- bis dreimal im Jahr häufen sich die Fälle in der Praxis von Hermann Josef Kahl. "Dann steckt im Kindergarten ein Kind das andere an, und so machen alle die Krankheit gleichzeitig durch." Nicht jeder bekommt das allerdings mit: Bei manchen Kindern verlaufen Ringelröteln völlig symptomlos.


Ringelröteln: Anfangs Symptome wie bei Grippe

In der Regel treten jedoch zuerst Fieber und grippeähnliche Zeichen wie Kopf- und Gelenkschmerzen auf. Häufig leidet der Nachwuchs auch unter Durchfall und Übelkeit. Nach zwei bis fünf Tagen bildet sich der charakteristische Ausschlag, das Exanthem. Es unterscheidet sich übrigens deutlich von den kleinen roten Pünktchen der Röteln. Erst, wenn das Fieber verschwindet, entsteht bei vielen Kindern das Exanthem – aber ebenfalls nicht bei allen. "Sie bekommen hochrote Wangen, es bilden sich die typischen großflächigen, girlandenförmigen Flecken, die sich bis auf die Arme, Beine und den Rumpf ziehen", sagt Kinderarzt Kahl.

Ansteckungsgefahr bei Ausschlag meist vorüber

Da sich der Ausschlag von der Nase her flügelförmig ausbreitet, wird er auch Schmetterlingsexanthem genannt. Vom ersten Fieber bis zum Abklingen der roten Flecken vergehen etwa zwei bis drei, manchmal bis zu sieben Wochen. Bis dahin lässt sich für den kleinen Patienten nicht viel tun. "Ringelröteln sind nicht therapierbar. Aber wir können mit Medikamenten das Fieber senken und die Schmerzen lindern", erklärt Kahl.

Sobald der Ausschlag ausbricht, ist die Krankheit praktisch nicht mehr ansteckend. Bis dahin können allerdings Anhusten, Händeschütteln oder andere Kontakte die Viren vom einen zum anderen transportieren. Wer nicht immun ist, wie die meisten Kleinkinder, steckt sich an. "Für die Kinder sind Ringelröteln meist harmlos, nur selten kommt es zu Folgeerkrankungen am Herzen, an der Leber oder auch an den Gelenken", sagt Kahl.

Ringelröteln bei Blutarmut und für Schwangere gefährlich

Gefährlich können die Viren allerdings werden, wenn jemand an bestimmten Formen von Blutarmut leidet. "Da der Erreger die Bildung der roten Blutkörperchen hemmt, verschlimmert er die Blutarmut", so Kinderarzt Kahl.

Diese Eigenschaft der Viren, im fremden Organismus die Blutbildung zu stören, macht ihn in seltenen Fällen für Schwangere gefährlich. "Eine Infektion verursacht zwar keine Fehlbildungen oder Spätschäden, kann aber zu einer Fehlgeburt führen. Das Risiko ist allerdings sehr gering", erklärt Dr. med. Regina Rasenack, Fachärztin für Pränataldiagnostik und ehemals Oberärztin an der Universitätsfrauenklinik Freiburg.

Ungeborenem drohen Schäden

Da die Krankheit bei Erwachsenen oft unbemerkt bleibt, wird sie häufig erst beim Ungeborenen erkannt. Ist das Virus auf das Kind übergegangen, kann die gestörte Blutbildung schwere Schäden verursachen. "Im Doppler-Ultraschall erkennt der Arzt dann eine schwere Blutarmut. Sie kann zum sogenannten Hydrops fetalis führen – gefährlichen Flüssigkeitsansammlungen unter der Haut und in den Organen", erklärt Rasenack. Eine Therapie ist möglich, allerdings erst ab der 20. Schwangerschaftswoche: Über eine Kanüle in der Nabelschnurvene erhält das Kind dann Bluttransfusionen.

Bluttest bringt Aufschluss

Um sicherzugehen, dass sie sich nicht mehr anstecken können, gibt es für Frauen die Möglichkeit eines Bluttests. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten dafür jedoch nur dann, wenn es im Umkreis der Frau einen Fall von Ringelröteln gab. Werden die spezifischen Antikörper gefunden, ist die Frau immun, und es besteht keine Gefahr. Für Frauen, die nicht immun sind, hat der Test nur wenig Nutzen, da es keine hundertprozentige Vorbeugung gibt. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als besonders auf Hygiene zu achten und sich, wenn möglich, von erkrankten Kindern fernzuhalten. Infiziert sich eine Frau in der Schwangerschaft, prüft der Arzt einmal in der Woche im Ultraschall, wie es dem Ungeborenen geht. Hat es nach zehn Wochen keine Symptome gezeigt, besteht kein Grund zur Sorge mehr.

"Ringelröteln sind fast immer harmlos", sagt Rasenack. "Wer nicht schwanger ist, braucht sich von kranken Kindern nicht unbedingt fern zu halten."



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