Schleimhautveränderungen im Mund

Mundsoor, Lippenherpes, Aphthen: Kinder leiden manchmal an Schleimhautveränderungen im Mund. Was hinter den Bläschen, weißen Belägen oder kleinen Geschwüren steckt

von Sandra Schmid, aktualisiert am 02.11.2015

Mach mal "Aaaaah"! Infektionen im Mund kommen bei Kindern manchmal vor

Banana Stock/ RYF

Im und am Mund eines kleinen Kindes spielen sich bisweilen abenteuerliche Dinge ab: Bläschen auf der Zunge, Beläge in den Wangentaschen, Geschwüre auf der Schleimhaut. Das ist nicht ungewöhnlich, denn im Kleinkindalter wandert ja so ziemlich alles in den Mund, was nicht festgeschraubt ist. Und egal, ob durch Bonbons von der Straße oder Bauklötze anderer Kinder – Infektionsgefahren lauern überall.

In der Regel ist das Immunsystem gegen viele Krankheitserreger gewappnet. Manchmal aber kann es doch zu Infektionen kommen. Zudem gibt es noch andere Mundschleimhautveränderungen. Einige häufige im Überblick:


Mundsoor

Bei Mundsoor handelt es sich um einen Befall der Mundschleimhaut durch Hefepilze, der bevorzugt Kinder im Säuglingsalter betrifft. "Wenn Babys schlechter als gewöhnlich an der Brust oder aus der Flasche trinken, kann das ein erstes Anzeichen sein", sagt Dr. Barbara Teichmann, Kinderärztin aus Leipzig und Sprecherin des Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte Sachsen. Charakteristisch für die Infektion ist, dass sich weißliche, cremige Beläge auf der Zunge oder in den Wangentaschen bilden.

Diese Hefepilze sind in der Regel nicht problematisch, sie gehören sogar zu einer funktionierenden Mundflora. Ist das Immunsystem aber geschwächt, zum Beispiel durch eine vorangegangene Antibiotika-Behandlung, können sich die Pilze stark vermehren. Da Mundsoor ansteckend ist, sollten Eltern unbedingt auf eine verstärkte Hygiene achten. "Das Immunsystem eines gesunden Erwachsenen hält den Pilz im Mund in Schach", erklärt Teichmann. Aber Erwachsene können den Pilz weitergeben, indem sie beispielsweise den Schnuller abschlecken und dem Kind in den Mund stecken.

Mundsoor sollte auf alle Fälle ein Arzt begutachten. "Die entsprechenden Stellen werden mit einem Anti-Pilz-Gel ausgepinselt", so Teichmann. Die Behandlung mit dem Antimykotikum sollte konsequent solange wie vom Arzt empfohlen erfolgen.

Lippenherpes

Die erste Infektion – hervorgerufen durch die Herpes-simplex-1-Viren (HSV-1) – ist oft symptomlos. In seltenen Fällen kommt es bei der Erstinfektion allerdings auch zu einem ausgeprägten Krankheitsbild mit Bläschen in der Mundhöhle und Fieber. Doch egal, wie die erste Begegnung mit Herpes verläuft: Die Viren bleiben im Körper zurück und können bei Stress oder anderen Erkrankungen erneut aktiv werden.

Experten schätzen, dass sich bereits bei 80 Prozent der Zweijährigen Abwehrstoffe gegen das HSV-1 im Blut befinden. Das heißt: Sie haben eine Herpes-Infektion durchgemacht. "Viele merken gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Aber es ist eine der häufigsten Infektionen bei Kindern", sagt Kinderzahnärztin Dr. Jacqueline Esch aus München. Besonders gefährlich ist das Virus für Neugeborene: Kommen sie mit Herpesbläschen in Kontakt, kann es zu einer lebensbedrohlichen Infektion kommen. "Darum sollten Erwachsene mit Herpes kurz nach der Geburt einen Mundschutz tragen, wenn sie Kontakt zum Baby haben", sagt Teichmann.

Später ist Lippenherpes zwar nicht mehr so gefährlich, aber extrem unangenehm – und leicht übertragbar. "Meistens beginnt es mit einem Kribbeln in der Lippe," erklärt Teichmann den Verlauf. "Dann entwickelt sich ein Bläschen. Sobald dieses aufplatzt und Flüssigkeit austritt, ist es ansteckend." Deswegen rät die Expertin zu vermehrter Achtsamkeit und Hygiene. Außerdem sollten kleine Kinder nicht in die Kita oder den Kindergarten – selbst, wenn sie außer dem Lippenbläschen keine anderen Symptome zeigen. Zu schnell nehmen die Kleinen im Kindergarten Spielzeuge oder Flaschen der anderen in den Mund. "Da ist die Gefahr der Übertragung zu groß." Das Kind muss nicht bei jedem Herpesbläschen zum Arzt, wenn es sonst keine Krankheitszeichen aufweist. Wichtig ist dies jedoch bei Babys, wenn die Bläschen an empfindlichen Stellen wie in der Nähe der Augen auftreten und wenn weitere Symptome wie zum Beispiel Fieber dazukommen.

Aphthen

Aphten sind kleine, gelb-weißliche Stippen oder Bläschen auf rotem Untergrund. Sie können äußerst schmerzhaft sein und befallen die Wangenschleimhaut, aber auch Zunge, Gaumen oder Zahnfleisch. Aphthen können immer wieder auftreten. Die Ursachen sind nicht ganz klar. Als Auslöser können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen: "Manche bekommen sie bei Stress, andere nach dem Genuss von Zitrusfrüchten oder nach kleinen Verletzungen der Schleimhaut", sagt Kinderzahnärztin Esch. "Häufig trifft es Kinder, deren Eltern auch darunter leiden."

Treten Aphten zum ersten Mal auf, sollten Eltern mit dem Kind zum Arzt, um andere Krankheiten auszuschließen. Die Geschwüre verschwinden meist nach ein bis zwei Wochen von allein. "Gegen die Schmerzen, vor allem beim Essen und Trinken, verschreiben Kinderärzte oft ein Gel mit leicht örtlich betäubendem Wirkstoff", erklärt Teichmann.

Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist eine häufige Virusinfektion bei Kindern. Die Erkrankung mit dem ungewöhnlichen Namen führt zu Bläschen im Mund und – ein bis zwei Tage später – auch zu Hautveränderungen an Händen und Füßen. "Typisch sind rötliche Flecken und kleine Knötchen an den Handflächen und Fußsohlen," sagt Teichmann. Manchmal können sie auch am Po, Knie oder Ellbogen auftreten. Der Kinderarzt kann die Erkrankung diagnostizieren und andere Krankheiten ausschließen.

Bei vielen Kindern läuft die Infektion harmlos ab und ist nach etwa einer Woche wieder vorbei. Wie bei Mundgeschwüren aber häufig, fällt betroffenen Kindern das Essen und Trinken schwer. Teichmann: "Behandelt wird diese Krankheit ähnlich wie die Mundfäule mit einem schmerzlindernden Gel. Ich empfehle kühle, glatte Speisen. Achten Sie vor allem auf genügend Flüssigkeitszufuhr, etwa in Form von kalter Milch."



Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Finden sie es okay, Babybilder in Sozialen Medien zu posten?

Darf Ihr Kind Online Videos gucken?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages