Hand-Fuß-Mund-Krankheit: Was hilft?

Bläschen an Händen, Füßen, an und im Mund. Wie ansteckend die Kinderkrankheit ist und wie Ärzte sie behandeln

von Barbara Weichs, aktualisiert am 01.07.2016

Hochansteckend: Symptom der Hand-Fuß-Mund-Krankheit sind kleine Bläschen

W&B/Fotolia

"Maul-und-Klauen-Seuche": So ­bezeichnet Burkhard Lawrenz die Hand-Fuß-Mund-Krankheit scherzhaft, wenn ihn Eltern in seiner Praxis in Arnsberg verdutzt ansehen, weil sie zum ersten Mal von dieser Krankheit hören. Charakteristisch für das Krankheitsbild sind rote Flecken und Bläschen an den Hand­innenflächen und den Fußsohlen sowie am und im Mund. "Manchmal treten sie auch auf Hand- und Fußrücken auf", sagt der Kinderarzt.

Zu den Bläschen, die wehtun können, gesellen sich Symp­tome wie Kopf- und Gliederschmerzen, auch mal Magen-Darm-Beschwerden und leichtes Fieber. "In der Regel steigt es nicht über 39 Grad", so Lawrenz. Die Kinder fühlen sich meist nicht sehr krank, nach etwa einer ­Woche verschwindet der Ausschlag von selbst wieder. Als recht harmlos stufen Ärzte die Krankheit ein. Manchmal infizieren sich Kinder sogar damit, ­ohne dass ihre Eltern überhaupt etwas davon bemerken. Neugeborene sowie Kinder mit einer Abwehrschwäche sollten jedoch vor einer Ansteckung geschützt werden. "Sie könnten eine Hirnhautentzündung entwickeln", erklärt ­Lawrenz. Diese ist jedoch selten.


Dr. med. Burkhard Lawrenz aus Arnsberg leitet den Landesverband Westfalen-Lippe im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.

W&B/Privat

Kann man der Hand-Fuß-Mund-Krankheit vorbeugen?

Ganz schlecht. Das Virus befindet sich vor allem in der Bläschenflüssigkeit sowie in Speichel und Nasensekret. Aber noch Wochen, nachdem die Bläschen abgeheilt sind, können die Viren über den Stuhl ausgeschieden werden. Am effektivsten ist es deshalb, nach dem Gang zur Toilette und vor dem Essen die Hände zu waschen. Das Problem: "Die Viren sind sehr resistent. Gründliches Hände­waschen verringert die Keimzahl nur", erklärt Burkhard Lawrenz.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr in der Kita?

Relativ hoch. Denn Kinder waschen sich noch nicht so sorgfältig die Hände. Ausgelöst wird die Hand-Fuß-Mund-Krankheit nämlich durch Viren, die zur Gruppe der Enteroviren gehören. Sie werden über den Mund aufgenommen und über den Stuhl ausgeschieden. Vor allem im Sommer und im Herbst verbreiten sie sich schnell. "Kinder kratzen sich auch mal am Po und fassen danach Spielzeug an", sagt Burkhard Lawrenz. Das findet der Mediziner auch nicht so dramatisch, da die Krankheit relativ harmlos ist. Die Kleinen können mehrmals an der Hand-Fuß-Mund-Krankheit ­erkranken, denn circa 15 verschiedene Virentypen lösen sie aus. Betroffen sind insbeson­dere Kinder unter zehn Jahren, aber auch als Erwachsener ist man nicht davor gefeit. Die gute Nachricht: Hierzulande handelt es sich fast immer um harmlose Varianten, am häufigsten ist das Coxsackie-A-16-Virus. Die Inkubationszeit beträgt zwischen drei und zehn Tagen.


Stefanie Nettersheim ist Apothekerin in Nürnberg

W&B/Angie Wolf

Was hilft?

Es gibt kein Medikament gegen die Krankheit. Allerdings lassen sich die Symptome gut behandeln. Bei ­Fieber helfen Ibuprofen und Paracetamol – in altersgerechter Dosierung als Zäpfchen oder Saft. Auch wenn das Kind über Schmerzen klagt, rät Burkhard Lawrenz dazu: "Es ist wichtig, dass die kleinen Patienten gut schlafen können, das fördert das Gesundwerden." Bei starkem Juckreiz hilft ein Antihistaminikum als Saft, es ist aber selten nötig. Der Ausschlag muss an sich nicht behandelt werden. Wer ­möchte, kann allerdings eine Wund- und Heilsalbe mit dem Wirkstoff Dexpanthenol auftragen. Für die Flecken im Mund gibt es eigene Tinkturen und Gele, die die Schmerzen lindern. "Die Mittel enthalten Myrrhe, Kamille oder ­Salbei", sagt Stefanie Nettersheim, Apothekerin in Nürnberg. Eltern, die sich ­Sorgen machen, weil ihr krankes Kind wenig isst oder keinen ­Appetit hat, kann der Kinderarzt beruhigen: "Das ist in der Regel überhaupt kein Problem. Viel wichtiger ist es, dass das Kind genug Flüssigkeit zu sich nimmt, vor allem, wenn es Fieber hat." Kühle Getränke lindern zudem die Schmerzen im Mund.

Wie lange muss das Kind zu Hause bleiben?

Bis die Flecken verblasst sind – meist dauert das drei bis sieben ­Tage. Außerdem solange das Kind Fieber hat. Erst wenn die Temperatur 24 Stunden lang ohne fiebersenkende Mittel unter 38 Grad bleibt, darf es wieder in die Kita.

Was gilt für Schwangere?

Für werdende Mütter ist eine Ansteckung in der Regel kein Problem, die Krankheit verläuft meist harmlos – laut Robert Koch-Institut gibt es keine Hinweise, dass durch die Erkrankung Fehl- oder Totgeburten auftreten können. Allerdings: Erkrankt die Frau gegen Ende der Schwangerschaft, kann das Virus auf das Baby übergehen. Auch bei Neugeborenen verläuft die Krankheit meist mild, aber schwere Verläufe sind etwas wahrscheinlicher. Die Infektion kann andere ­Organe wie Leber und Herz befallen, das Risiko dafür ist aber minimal.


Kennzeichen der Hand-Fuß-Mund-Krankheit

  • Hand-Fuß-Mund-Krankheit
    Fotolia/Gordon Grand

    Diese Flecken und Bläschen sind typisch für die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. An den Händen treten sie vor allem an deren Innenflächen auf.

    1/3

  • Hautkrankheit
    Mauritius Images GmbH/Alamy

    An den Füßen kommen die juckenden Bläschen vor allem an den Fußsohlen vor. Der Arzt kann dagegen austrocknende Salben mit Gerbstoffen verschreiben.

    2/3

  • Hand-Fuß-Mund-Krankheit
    Mauritius/Alamy/Hercules Robinson

    Die Bläschen im Mund sind besonders schmerzhaft. Mittel mit Myrrhe, Kamille oder Salbei lassen sie schneller abheilen, kalte Getränke oder Speisen lindern den Schmerz.

    3/3

Melden oder nicht?

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist nach dem Infektionsschutzgesetz keine meldepflichtige Erkrankung. Sie muss ­also nicht der Gesundheitsbehörde gemeldet werden. ­Ausnahme: ­Ausbrüche in Kindertagesstätten. Als Ausbruch gilt, wenn zwei Kinder oder mehr ­erkrankt sind. Die Leitung der Kita  muss das zuständige Gesundheitsamt informieren, das dann über notwendige Maßnahmen entscheidet. Da Infizierte auch nach Abklingen der Symptome ­längere Zeit ansteckend sein können, ist es trotzdem nicht sinnvoll, die Einrichtung zu schließen. Nach einem ­­Ausbruch in der Kita sollten aber die Oberflächen und Spielzeuge mit einem gegen Viren ­wirksamen Desinfektionsmittel gereinigt und Schnuller und Zahnbürs­ten ausgetauscht werden.


Lesen Sie auch:

Krankes Kind

Kind krank: Welche Rechte Berufstätige haben »

Ist das Kind oft krank, mehren sich die Fehltage der Eltern schnell. Gut zu wissen, welche Rechte berufstätige Mütter und Väter haben »


Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Sind Sie für eine Impfpflicht?

Wie wichtig ist Ihnen ein einheitlicher Familienname?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages