Fieber: Was Ihrem Kind jetzt hilft

Kinder leiden oft unter fiebrigen Infekten. Wann Fieber behandelt werden sollte und welche Medikamente und Hausmittel helfen

von Julia Jung, aktualisiert am 06.02.2017

Heiße Stirn? Bei Infektionen kann die Körperkerntemperatur rasch steigen

W&B/Forster und Martin

Gerade erst haben sich die Krankheitserreger im Kind ausgebreitet, da wird es für sie auch schon unangenehm warm. Denn der Körper hat eine ziemlich effektive Waffe gegen die winzigen Störenfriede: Hitze. Wenn es zu heiß wird, können sie sich nicht so gut vermehren, und zusammen mit den Zellen des Immunsys­tems gewinnt der Körper die kleine Schlacht auf Mikro-Ebene.

Was Eltern rasch Sorgen bereitet, ist eine natür­liche Reak­tion des Körpers auf die Infektion. "Wenn der Körper ­seine Kerntemperatur ­­erhöht, spielen verschiedene Funktionen zusammen", erklärt Professor Johannes Liese von der Universitätskinderklinik Würzburg.

Fieber: Was passiert im Körper?

Haben Krankheitserreger sich eingeschlichen, reagieren Zellen des Immunsystems im Blut blitzschnell: Sie schicken Botenstoffe ans Gehirn, das antwortet wiederum mit Befehlen an den ganzen Körper. So wird zum Beispiel die Stoffwechselaktivität erhöht, der Körper verbrennt mehr Energie. Schüttelfrost, also zitternde Muskeln, sorgen für Wärme. Gleichzeitig wird der Körper daran gehindert, die Wärme gleich wieder abzugeben: Die Blutgefäße in den Händen und Füßen ziehen sich zusammen, sie fühlen sich kalt an. Auch das Schwitzen setzt aus, wenn das Fieber steigt.


Prof. Dr. med. Johannes Liese leitet die Pädiatrische Infektologie und Immunologie an der Universitätskinderklinik Würzburg

W&B/Privat

Wann das Kind zum Arzt sollte

Die Temperatur lässt sich messen. Dabei bedeutet nicht unbedingt: je höher, ­desto schlimmer. "Ab 40 Grad Fieber sind die meis­ten Kinder deutlich beeinträchtigt. Vorher kann man aber auch fitte Kinder mit 39 Grad be­obachten und deutlich kranke mit 38 Grad", erklärt Johannes Liese. Generell gilt: ­Alles über 38 Grad ist Fieber.

Ein ein oder zwei Monate altes Baby mit einer Temperatur von 38 Grad und mehr muss auf jeden Fall zum Arzt. "Fieber ist bei den ganz Kleinen meist das einzige Zeichen einer Infektion", so Liese. Bei älteren Babys und Kleinkindern sollte der Allgemeinzustand über den Arzt-Besuch entscheiden, und da können Eltern ihrem Gefühl vertrauen, so Liese. "Einen definitiven Wert gibt es da nicht."

Wem sein Kind verändert vorkommt, wenn es besonders ruhig oder gar abwesend ist, und bei Fieber ab 40 Grad heißt es: ab zum Arzt. Gleiches gilt, wenn das Fieber länger als einen Tag dauert, das Kind Symptome wie Kopfweh hat, nicht genügend trinkt, sich sehr schlapp fühlt oder einen Fieberkrampf erleidet.

Medikamente: Was hilft bei Fieber?

Bei 40 Grad und höher rät ­Liese, das Fieber zu senken: "Meist leiden die Kinder sehr. Dann ist eine medikamentöse Fiebersenkung mit Ibuprofen oder Paracetamol sinnvoll." Geht es dem Kind schlecht oder ist es zu schlapp, um zu trinken, kann es ebenfalls den fiebersenkenden Saft oder ein Zäpfchen bekommen. Zur Dosierung bitte den Arzt oder Apotheker fragen.

"Man darf nur nicht vergessen, dass Fieber im Körper eine Aufgabe hat", sagt ­Liese. Zwar seien die Risiken, die eine Fiebersenkung mit sich bringt, bisher kaum belegt, trotzdem haben Medikamente immer auch Nebenwirkungen. Sie sollten daher nicht leichtfertig verabreicht werden.

Die Temperatur von außen zu senken, etwa mit Wadenwickeln, ist übrigens auch nicht immer gut: "Durch die kalten Beine wird der Körper nur angeregt, die Temperatur zu erhöhen. Wir machen es im Krankenhaus gar nicht mehr", so Liese. Da die Zuwendung, auch mal nur als feuchter Waschlappen auf der Stirn, dem Kind aber guttut, spricht nicht grundsätzlich ­etwas dagegen – wenn man das Gefühl hat, es hilft und man sich mit der Methode auskennt.

Fieber oder nur kurzfristig erhöhte Temperatur?

Manchmal kommt und geht Fieber­ innerhalb von wenigen Stunden. Auch das kann ein Infekt gewesen sein, ein kurzer Kampf ohne weiteres Symptom. Trotzdem ist danach Schonung angesagt. Tritt das öfter auf, bitte zum Arzt gehen. Übrigens: Nach einer wilden Toberei oder wenn die dicke Daunendecke zu warm war, kann die Körpertemperatur auch erhöht sein. Sobald Ruhe eingekehrt ist oder das Kind die Decke weggestrampelt hat, normalisiert sich ­alles wieder.

Die normale Körpertemperatur beträgt um die 37 Grad Celsius. Sie kann im Tagesverlauf und von Mensch zu Mensch schwanken. Ab 37,5 Grad spricht man von erhöhter Temperatur, Neugeborene haben ab 37,8 Grad – rektal gemessen – bereits Fieber. Ansonsten liegt Fieber ab 38 Grad vor.



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