Blinddarmentzündung: Was sind Anzeichen?

Typische Symptome einer Blinddarmentzündung sind starke Bauchschmerzen. Wann Eltern hellhörig werden und handeln sollten

von Andrea Schmidt-Forth, 11.01.2016

Dringend zum Arzt müssen Kinder bei starken Bauchschmerzen

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Morgens hat Moritz noch ­fröhlich gespielt. Mittags ist der Zweijährige wie ausgewechselt: Er mag nichts essen, ist weinerlich und legt sich freiwillig hin. Seiner ­Mutter ist das nicht geheuer, sie sucht am selben Tag den Kinderarzt auf. Dem gefällt der Bauch nicht, er überweist Moritz an die Klinik für Kinderchirurgie, um den "Verdacht auf Blinddarmentzündung" abklären zu lassen.

Eine Appendizitis, so der Fachausdruck, kann in jedem Alter vorkommen. Am häufigsten tritt sie zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr auf, mit einer zweiten Spitze in der Pubertät.


Dr. Hermann Josef Kahl ist Präventionsbeauftragter des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Er hat eine eigene Praxis in Düsseldorf

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Bauchweh bei Kindern nicht unterschätzen

"Auch heute noch kann eine Blinddarmentzündung gefährlich sein, wenn sie zu spät erkannt oder behandelt wird", erklärt Dr. Hermann Josef Kahl vom Berufsverband der Kinder- und Jugend­ärzte aus Düsseldorf. Unterschätzen sollten Eltern Bauchschmerzen bei Kindern deshalb nicht, vor allem wenn sie nicht von ­alleine weggehen. Unter Umständen muss schnell operiert werden, um ­einen Blinddarmdurchbruch zu ­vermeiden: Dabei platzt das ver­eiterte Gewebe­, Keime und Stuhl ergießen sich in den Bauchraum, die Entzündung breitet sich dort aus. Das passiert oft bereits 24 bis 48 Stunden nach den ersten Symptomen.


Dr. Tobias Schuster von der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie ist Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Augsburg

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Dr. Tobias Schuster von der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie hat regelmäßig kleine Patienten mit einem perforierten Blinddarm, die noch nicht sprechen und weder Ort noch Art ihrer Schmerzen benennen können. "­Eltern sollten lieber einmal mehr als weniger mit ihrem Kind zum Arzt", rät Schuster, der auch Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Augs­­burg ist.

Blinddarmentzündung: Der Wurmfortsatz bereitet Probleme

Entzündet ist übrigens nicht der Blinddarm am Übergang vom Dünn- in den Dickdarm, sondern sein etwa fingergroßes Anhängsel, der Wurmfortsatz. Er hat ein blindes ­Ende, bildet folglich eine Sackgasse. Bleibt nun ein Obstkern oder ein verkalktes Stückchen Stuhl darin hängen, verstopft er und schwillt an. Bakterien, die im Darm vorhanden sind, setzen sich meist fest, es kommt zu einer eitrigen Entzündung. Dabei ­treten diffuse Schmerzen auf, die rund um den Bauch­nabel beginnen und in den rechten Unterbauch wandern. "Bei manchen Patienten liegt der Blinddarm aller­dings ­etwas anders oder die Schmerzen strahlen aus", erklärt Pädiater Kahl. Zudem kommt es oft zu Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und/oder leichtem Fieber.

Der anfangs niedrige Dauer­schmerz mit kleinen Spitzen nimmt im Laufe mehrerer Stunden oder eines halben Tages zu. Die Bauchdecke fühlt sich prall und gespannt an. In ausgeprägteren Fällen ist schon das Gehen unangenehm. Das Kind kann nur gekrümmt stehen, will auf den Arm oder liegt mit angezogenen Beinen im Bett. Bei Erschütterung, zum Beispiel beim Hüpfen, nehmen die Schmerzen zu.

Beim Blinddarmdurchbruch lassen die Schmerzen eventuell zuerst nach, kehren aber einige Zeit später schlimmer als zuvor wieder zurück. Der Allgemeinzustand kann sich sichtlich verschlechtern.

Diagnose am besten beim Kinderchirurgen

Für Bauchschmerzen bei ­Kindern gibt es viele mögliche Ursachen wie Magen-Darm-Infekt, Harn­stau, Verstopfung, Hodentor­sion oder ein verdreh­ter Eierstock, Nah­rungsmittel-Unverträglichkei­ten oder seelische Probleme. Umso wichtiger ist eine gründliche körperliche Untersuchung und die Befragung von Kind und Eltern durch den Arzt. "Je kleiner das Kind, des­to schwieriger ist die Beurteilung des Bauches, um ­eine Appendizitis auszuschließen. Kinderchirurgen haben besonders große Erfahrung", sagt Tobias Schus­ter.

Zeigt sich im Ultraschall, dass die Wand des Wurmfortsatzes verdickt und das Gewebe darum herum geschwollen ist, muss er in der Regel raus. Entschieden wird aber immer im Zusammenhang mit den anderen Symptomen. Sind diese unklar, wird der ­kleine Pa­tient erst einmal statio­när aufgenommen und meh­rere Stunden beobachtet, bevor die Ärzte sich für oder gegen einen Eingriff entscheiden. Die Kunst sei, nicht unnötigerweise zu operieren, ohne eine fortschreitende Appendizitis zu übersehen, sagt der Kinderchirurg.

Nicht unnötig operieren, aber rechtzeitig

Heute operieren Ärzte schonender als früher. In drei von vier Fällen erfolgt der Eingriff durch eine Schlüsselloch-OP (Laparoskopie). Durch zwei ­kleine Schnitte in der Bauchdecke kann der Kinderchirurg über dünne Rohre mit speziellen Instrumenten in der Bauchhöhle operieren. Dabei hat das OP-Team mittels einer Kamera über einen dritten Zugang Sicht in das Bauch­­innere und auf die Instrumente. Nach 30 bis 60 Minuten ist alles vorbei. Die Kinder können drei bis fünf Tage nach der OP nach Hause gehen. Vorausgesetzt, sie haben kein Fieber, die Wunde verheilt gut und sie haben wieder Appetit und Stuhlgang.

Ob Komplikationen wie Wundheilungsstörungen oder Abszessbildung auftreten, hängt von der Schwere der Entzündung ab. Nur sehr selten muss das Kind noch einmal sta­tionär in die Klinik.


Reicht auch ein Antibiotikum?

Immer wieder flammt die Diskussion auf, ob man milde Fälle von Appendizitis auch mit einem Antibiotikum behandeln könne. Unter anderem will man den Wurmfortsatz erhalten, wegen seiner Funktion für die Immunabwehr. Doch die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) zeigt sich nach wie vor skeptisch.

Bislang fehle eine genaue Definition für die Fälle, die mit Antibio­tika behandelt werden könnten. Außerdem hätte sich in Studien aus den USA gezeigt, dass die Entzündung zwar erst einmal ab­klinge, danach aber in ­etlichen Fällen wiederkäme. "Die Familien können sich also nicht sicher sein, dass die Appendizitis unter Antibio­tika komplett ausheilt. Sie müssen damit rechnen, dass die Entzündung unter Umständen irgendwann akut wird und schnell operiert werden muss", sagt To­bias Schuster, Pressesprecher der DGKCH.


Bei der Schlüssellochmethode entfernt der Chirurg den Blinddarm mittels drei kleiner Schnitte (zur vollständigen Ansicht bitte auf die Lupe klicken)

W&B/Ulrike Möhle

Die Blinddarm-Operation

Kinderchirurgen entfernen den entzündeten Wurmfortsatz heutzutage häufig mithilfe der Bauchspiegelung, der laparoskopischen Appendektomie. Dabei führt der Arzt ­seine Instrumente durch zwei kleine Schnitte in den Bauchraum. Über ­einen dritten Zugang am Nabel wird ­eine Minikamera platziert. So sieht der Operateur, was er macht. Die Blutgefäße des Wurmfortsatzes werden verödet, dann wird er abgebunden und entfernt.



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