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Wunschzettel: Richtig damit umgehen

Ein Rennauto, das neueste Handy oder sogar ein Pferd? Zu Weihnachten sind die Wünsche kleiner Kinder oft groß. So wählen Eltern am besten die Geschenke für ihren Nachwuchs aus


Glückliche Kinder unter dem Christbaum: Dafür machen Eltern fast alles

"Mama, ich wünsch mir das aber zu Weihnachten! Alle meine Freunde kriegen sowas", lautet die typische Ansage von Kindern vor Weihnachen. Wünsche – und Argumente dafür – haben schon die Kleinsten genug. Aber wie gehen Eltern am besten mit dem Wunschzettel um, von dem Glück und Unglück ihres Kindes abzuhängen scheint? Dr. Armin Krenz, Wissenschaftsdozent am Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel, rät: „Eltern sollten sich Gedanken machen, was umsetzbar ist. Zu teure oder unangebrachte Wünsche, wie ein Handy für einen Fünfjährigen, würde ich nicht erfüllen.“ Um ihren Kindern alles recht zu machen, geben Eltern manchmal mehr Geld aus, als sie eigentlich können. Das sei aber nicht Sinn der Sache, so Krenz.


Gemeinsame Zeit schenken

Doch wie dem Nachwuchs an Weihnachten eine Freude machen, wenn man sich das heiß ersehnte Teil nicht leisten kann? Eine Lösung: Die Eltern entwerfen für ihr Kind einen Sparplan, zu dem sie einen Zuschuss geben. Das können sie dem Kind an Weihnachten durch eine selbstgebastelte Karte oder eine Miniaturausgabe des gewünschten Geschenkes mitteilen. Ist sein Wunsch groß genug, kann das Kleine über einige Monate hinweg sein Taschengeld dafür einsetzen.

„Wenn Eltern sehr wenig Geld haben, können sie ihrem Kind auch einen Gutschein zum gemeinsamen Baumhaus-Bauen, einer Fahrradtour oder mehreren Spieleabenden schenken“, sagt Krenz. „Es lernt so, dass man sich nicht nur Dinge, sondern auch Zeit schenken kann.“

Allerdings begreifen erst Kinder ab ungefähr sechs Jahren, was Gutscheine bedeuten. Vorher bieten sich zum Beispiel selbstgemachte Geschenke an. "In einem Kindergarten habe ich einmal ein kleines Mädchen getroffen, das sich ein Pferd wünschte. Daraufhin besorgte ihr Vater eine riesige Papperolle und versah sie mit Pferdekopf, Schwanz und Beinen aus Pappe sowie Rollen", erzählt Krenz. "Die Tochter freute sich unbändig über das lebensgroße Pappepferd und nahm es mit in den Kindergarten, wo alle damit spielten, es fütterten und darauf ritten. Später besorgten Vater und Tochter für das Pferd sogar noch einen gebrauchten, alten Sattel. Das Mädchen wird das sicher nie vergessen."

Einfühlungsvermögen zeigen

An dem Beispiel wird klar, wie wichtig es ist, dass Eltern die Nachhaltigkeit des Geschenks berücksichtigen. Wenn sie davon ausgehen, dass sich das Kind lange mit dem neuen Spielzeug beschäftigen wird, ist das ein Pluspunkt. Wird es nach dem Auspacken voraussichtlich nicht viel damit anfangen können, sollten Mutter und Vater ein anderes Geschenk auswählen. „Am Wichtigsten ist, dass die Eltern bestimmen, was sie ihrem Kind schenken. Die Kleinen können das nicht selbst entscheiden“, sagt Krenz. Es gehe nicht darum, was Kinder wollen, sondern was sie brauchen und was sinnvoll ist.

Trotzdem wäre es falsch, das Kind zu bevormunden und aus Prinzip dessen Wünsche zu ignorieren. Möchte es zum Beispiel gerne ein Matchboxauto und bekommt stattdessen Handschuhe, wird es enttäuscht sein. Um herauszufinden, worüber sich das Kind freuen könnte, ist viel Einfühlungsvermögen nötig.

Nicht bloß die Liste abarbeiten

Was aber, wenn Eltern sich alle Geschenke auf dem Wunschzettel locker leisten können? Die Liste einfach abarbeiten und das Kleine an Heiligabend mit Geschenken überhäufen? Nein, denn ein Wunschzettel ist kein Bestellformular. „Manche Kinderzimmer sind kleine Warenhäuser, total vollgestopft“, sagt Krenz. „Kinder müssen aber lernen, mit Entbehrungen umzugehen und eine gewisse Frustrationstoleranz entwickeln.“ Die Flut an Besitztümern führe dazu, dass Kinder zu stark nach außen hin orientiert sind und sich zu wenig auf sich selbst konzentrieren können.

Ideal ist dagegen ein Geschenk, wenn es zur Entwicklung des Kindes beiträgt. „Eltern denken häufig, sie machen ihre Kinder glücklich, wenn sie deren materiellen Bedürfnisse befriedigen“, sagt Krenz. „Aber so entziehen sie sich ihrem Erziehungsauftrag.“ Erfüllen sie ihren Kindern alle Wünsche, tun sich Eltern außerdem langfristig selbst keinen Gefallen: Wer schon im Vorschulalter jede Erwartungshaltung des Nachwuchses bedient, der wird dazu beitragen, dass diese kontinuierlich ansteigt. Das Kind wird immer schwieriger zufriedenzustellen sein.

Den Sinn erklären

Doch wie dem Kleinen am besten erklären, warum es etwas nicht bekommt? „An Heiligabend können die Eltern zum Beispiel sagen: der Weihnachtsmann konnte dir den Wunsch leider nicht erfüllen. Er hat mit uns gesprochen und wir haben zusammen beschlossen, dass es nicht geht“, sagt Krenz. Zudem sollte sich das Weihnachtsfest nicht nur um die Geschenke drehen. Meist sind sie zwar Thema Nummer eins: „Was wünschst du dir denn zu Weihnachten?“, fragen sich die Leute – und vor allem Kinder – gegenseitig im Advent. „Was hast du denn bekommen?“, heißt es dann nach den Feiertagen. Doch Eltern können hin und wieder ganz bewusst die Rede auf andere Dinge lenken. „Sie sollten ihrem Kind unbedingt den Sinn des Weihnachtsfests erklären“, sagt Krenz. „Denn Eltern haben einen Bildungsauftrag und sollten das entsprechende Kulturgut weitergeben.“ Viele Erwachsene nähmen die freien Tage in Kauf, ohne über deren Bedeutung informiert zu sein – und damit wissen auch Kinder immer weniger Bescheid. „Dabei sind Kinder sehr neugierig und philosophieren gerne“, erklärt Krenz.

Eine schöne Weise, Kindern etwas über den Sinn des Schenkens beizubringen, ist es, zusammen an Bedürftige zu spenden. Wünscht sich das Kind zum Beispiel etwas, das es nicht wirklich braucht, können Eltern vorschlagen, das Geld stattdessen armen Kindern zu geben. Ab ungefähr fünf Jahren verstehen Kinder diesen Gedankengang in der Regel. Mithilfe von Bildbänden können die Eltern ihren Kleinen zeigen, wie Kinder in anderen Teilen der Welt leben, und warum es ihnen dort nicht so gut geht. „Dabei geht es nicht um Belehrung“, sagt Krenz, „sondern darum, zusammen über geschichtliche Ereignisse, andere Kulturen und Zeiten sowie Zusammenhänge nachzudenken.“




Bildnachweis: DigitalVision/RYF

Daniela Frank / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 26.11.2013, erstellt am 06.12.2011
Bildnachweis: DigitalVision/RYF

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