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Sorgerecht: Was gibt es zu beachten?

Verheiratete teilen sich automatisch das Sorgerecht für ihre gemeinsamen Kinder. Anders ist die Gesetzeslage für unverheiratete Paare


Über das Sorgerecht gibt es oft Streit. Wichtig ist dabei, dass das Kind im Mittelpunkt steht – und nicht zwischen den Stühlen

Für die meisten Paare sind die Wochen rund um die Geburt ihres Babys eine aufregende und turbulente Zeit. Kaum jemand möchte im Rausch der Glückshormone und im anfänglichen Durcheinander an gesetzliche Regelungen oder Formulare denken – doch das kann unter Umständen sehr sinnvoll sein. Vor allem, wenn es um das Sorgerecht geht.

Die elterliche Sorge – so der korrekte Begriff – beinhaltet das Recht und die Pflicht, für ein minderjähriges Kind zu sorgen, angefangen von der Pflege und Erziehung bis hin zur Verwaltung der Vermögenswerte. Diese Sorge üben Eltern dann automatisch gemeinsam aus, wenn sie miteinander verheiratet sind.


Unverheiratete können gemeinsame Erklärung abgeben

Anders ist es bei unverheirateten Eltern: Hier liegt das Sorgerecht zunächst allein bei der Mutter. Wollen Mutter und Vater das ändern, müssen sie so genannte Sorgeerklärungen abgeben. „Damit bestimmen die Eltern, dass sie das Sorgerecht gemeinsam ausüben wollen“, erklärt Rechtsanwalt Udo Wiemer. „Dabei müssen sie nicht zwingend zusammenleben, sie können sogar mit dritten Personen verheiratet sein. Wichtig ist, dass die Erklärungen nur persönlich abgeben werden können und öffentlich beurkundet werden müssen, etwa vom Jugendamt oder einem Notar.“

So eine Erklärung kann sogar schon vor der Geburt des gemeinsamen Babys abgegeben werden – aber auch noch lange danach, denn Fristen gibt es nicht. Eltern können bis zur Volljährigkeit des Kindes eine gemeinsame Sorgeerklärung abgeben. Ein Namenswechsel allerdings ist nur zeitlich begrenzt möglich, weiß Anwalt Wiemer: „Ab der Abgabe der Sorgeerklärung haben die Eltern noch drei Monate lang die Möglichkeit, dem Kind den Namen der Mutter oder des Vaters zu geben. Danach sind Namenswechsel nur noch dann möglich, wenn die Eltern heiraten.“

Im Zweifel helfen Beratungsstellen

Wenn Eltern sich nicht sicher sind, ob sie eine gemeinsame Sorgeerklärung abgeben sollen, können sie sich vom Jugendamt beraten lassen. Der Abteilungsleiter für Beistand- und Amtsvormundschaft des Nürnberger Jugendamtes, Stefan Böhler, weiß, wann dies empfehlenswert ist: „Wir raten unverheirateten Paaren dann zu einem gemeinsamen Sorgerecht, wenn sie zusammen leben und das Kind auch gemeinsam erziehen wollen. Für die Väter bringt das die Sicherheit, dass sie bei wichtigen Themen wie grundlegenden Fragen der Gesundheitsvorsorge oder der Auswahl von Kindertagesstätte und Schule mitentscheiden dürfen.“ Und das auch nach einer möglichen Trennung. Denn die gemeinsame Sorgeerklärung kann nicht widerrufen werden – beenden kann sie nur ein Familiengericht. Sollte ein Elternteil sterben, übt der andere die Sorge allein aus. Einer gerichtlichen Entscheidung bedarf es dafür nicht.

Neuregelung zugunsten der Väter

Dass unverheiratete Eltern für ihre Kinder ein gemeinsames Sorgerecht haben, ist seit der Reform des Kindschaftsrechts 1998 möglich. Seit damals unterscheidet der Gesetzgeber nicht mehr zwischen ehelichen und unehelichen Kindern. Und seit dem 19. Mai 2013 haben Väter noch einmal mehr Rechte: Früher musste die Mutter der gemeinsamen Sorgeerklärung zustimmen – verweigerte sie dies, hatten unverheiratete Väter nach einer Trennung anders als geschiedene nur noch ein Umgangsrecht und waren an den wichtigen Entscheidungen über die Zukunft ihrer Kinder nicht beteiligt. Heute können sie das geteilte Sorgerecht erzwingen. Auch ohne die Zustimmung der Mutter können Väter die Mitsorge beim Familiengericht beantragen und erhalten sie dann, wenn dabei dem Kindeswohl nichts entgegensteht.

Gemeinsame Sorge meist die beste Lösung

Auch wenn das gemeinsame Sorgerecht Paare nach einer Trennung auf eine harte Probe stellen kann, weil sie allen Zwistigkeiten zum Trotz zum Wohle des gemeinsamen Kindes kommunizieren müssen: Aus Sicht der Wissenschaft hat die gemeinsame elterliche Sorge nach Trennung oder Scheidung einen hohen symbolischen und psychologischen Wert. So kam der Nürnberger Jurist Roland Proksch in einer Studie, für die er Familienrichter, Jugendämter und Rechtsanwälte aus ganz Deutschland befragte, zu dem Schluss, dass ein gemeinsames Sorgerecht in aller Regel dem Wohle der Kinder entspricht. Diese gemeinsame Sorge bedeutet allerdings nicht, dass getrennte Eltern über alle Kleinigkeiten miteinander verhandeln müssen, erklärt Stefan Böhler: „Wenn das Kind nach der Trennung im Haushalt eines Elternteils lebt, hat dieser trotz gemeinsamen Sorgerechts ein so genanntes Alleinentscheidungsrecht in Angelegenheiten des täglichen Lebens.“ Fragen zur Freizeitgestaltung oder der geeigneten Kleidung können dann auch ohne Einschalten des Ex-Partners entschieden werden.




Bildnachweis: W&B/Forster & Martin

Dr. Susanne Kailitz / Baby und Familie; aktualisiert am 19.11.2013, erstellt am 25.01.2012
Bildnachweis: W&B/Forster & Martin

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