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Sandkastenliebe: Wenn Kinder sich verlieben

Tatsache, Kinder können sich verlieben! Das ist sogar völlig normal, sagen Psychologen. Die Zwerge üben schon mal den erwachsenen Ernstfall – Sex spielt bis zur Pubertät noch überhaupt keine Rolle


Nur dir gehört mein Herz! Kinder lieben so intensiv wie Erwachsene

Heiraten mit drei? Geht zwar nicht. Aber zumindest kann man es sich im Sandkasten ja schon mal versprechen, wenn man das erste Mal so richtig verliebt ist.

Die ganz großen Gefühle treffen manchmal nämlich schon die Kleinsten. „Viele Kleinkinder sind irgendwann einmal verliebt“, erklärt Andreas Engel, stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung und Erziehungsberater in Hof. „Kleine ab dem Kindergartenalter sind sehr bindungsbereit“, so der Experte. Neben einer engen Beziehung zu ihren Eltern, Großeltern und Geschwistern stellen Kinder deshalb auch gerne starke Nähe zu Gleichaltrigen her. Für den Experten ist das „ein erstes Experiment mit der Zweierbeziehung“.


Gefühle der Kleinen ernst nehmen

Die Liebesgeschichten der Kleinen ähneln denen von Erwachsenen durchaus: „Kinder gestalten die Beziehung oft richtig romantisch aus“, sagt Engel. Sie erfinden eine Sprache, die nur sie verstehen, hören Musik, treffen sich heimlich an einem ganz bestimmten Ort, an dem sie ungestört sein können. Und sie möchten am liebsten­ nur für sich sein. Im Kindergarten kann das jetzt manchmal zu Missstimmung führen, wenn sich das Pärchen zu sehr abkapselt. Dann sollte man die kleinen Turteltauben liebevoll darauf hinweisen, auch mal mit anderen zu spielen.

Was viele Eltern unterschätzen: „Schon Kleine können sehr tiefe Gefühle zu einem anderen Kind entwickeln“, sagt Engel. Väter und Mütter sollten also ihre Winzlinge auf Freiersfüßen ernst nehmen. Ganz besonders dann, wenn die Liebe zerbricht – oder ein kleiner Herzensmensch wegzieht. Nun ist erwachsenes Feingefühl gefragt: Am besten hilft dem Kleinen jetzt, wenn man ihm ermöglicht, andere, positive Erfahrungen zu sammeln, etwa neue Kinder kennenzulernen. Vor einem sollten sich die Großen aber hüten: „Sie können kein Ersatz für eine missglückte Liebesgeschichte sein“, sagt Engel. Selbst wenn den Großen das Herz vor Mitgefühl wehtut: Es dauert einfach, bis der Liebeskummer überwunden ist. Ganz wie bei den Erwachsenen auch. Und da tut vor allem eins gut: trösten, einfach da sein und das Kind in den Arm nehmen.

„Mädchen sind doof!“ In der Schule ist Abstand angesagt

In der Grundschule ändert sich die Gefühlslage bei vielen Kindern von selbst. Da finden vor allem Jungen Mädchen oft ganz schön blöd, ergab eine Studie des Deutschen Jugendinstituts. Und auch die Mädchen spielen jetzt offenbar viel lieber mit gleichgeschlechtlichen Spielkameraden. Der Grund: In dieser Entwicklungsphase kommt es darauf an, zur eigenen Geschlechteridentität zu finden. Aber selbst wenn ein Junge wochenlang steif und fest behauptet, Mädchen seien das Blödste auf der Erde, kann sich das im Urlaub am Strand manchmal ganz schnell ändern. Mit einem gravierenden Unterschied zu den Erwachsenen: Noch spielt das Thema Sex keine Rolle.

Sex wird erst in der Pubertät interessant

Erst in der Pubertät bekommt die Liebe eine erotische Komponente. Die Sexualhormone tanzen – und plötzlich sehen sich Jungen und Mädchen in einem ganz anderen Licht. Das Interesse am anderen Geschlecht zeigt sich zunächst häufig als romantisches Anhimmeln: von Popstars, Serien­heldinnen – oder von Lehrern. Früher oder später wagen die Jugendlichen dann erste Gehversuche in Sachen körperliche Liebe. Für Eltern oftmals eine befremdliche – und manchmal ein bisschen schmerzhafte – Erfahrung. Denn wenn zwei Jugendliche eine Liebesbeziehung miteinander eingehen, ist das für die Erwachsenen das klare Signal, dass sie emotional nun ein wenig mehr auf eigenen Füßen stehen. „Dass Eltern dabei manchmal ein bisschen eifersüchtig reagieren: völlig normal“, weiß Erziehungsberater Engel.

Jugendliebe: Nicht ablehnen, sondern Regeln aufstellen

„Das ist ja noch viel zu früh“ – lautet oft das Argument der Väter und Mütter. Aber: „Den Zeitpunkt für die erste Liebe können Eltern nicht beeinflussen“, so Engel. Die körperliche Entwicklung und Freunde haben einfach zu viel Einfluss darauf, wie schnell ein Jugendlicher den ersten­ Freund oder die erste Freundin hat. Eltern können und sollen­ deshalb eine Liebesgeschichte auch nicht verhindern, selbst wenn sie das Objekt der Liebe merkwürdig oder unsympathisch finden. Manchmal bleibt jetzt die Schule­ auf der Strecke. Da hilft es, mit Jugendlichen gemeinsame Regeln aufzustellen: Während der Woche spätestens um acht zu Hause sein, erst Hausaufgaben erledigen, dann sich mit dem/der Liebsten treffen. Im Gegenzug versprechen­ die Großen, niemals das Tagebuch des Teenagers anzurühren oder ohne Anklopfen ins Zimmer zu kommen.

Wann Jugendliche das erste Mal miteinander schlafen, können Eltern nicht beeinflussen. Aber sie können dafür sorgen, dass Kinder angstfrei über Sex sprechen. Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen nämlich: Je offener Eltern mit dem Thema Sexualität umgehen, umso größer die Chance, dass ihre Kinder den ersten Sex nicht ungeplant – und damit ohne Verhütung – erleben.




Bildnachweis: Jupiter Images/Bananastock

Anne-Bärbel Köhle / Baby und Familie; 30.05.2012
Bildnachweis: Jupiter Images/Bananastock

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