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Mit Kindern über den Tod sprechen

Dem Nachwuchs zu vermitteln, dass das Leben endlich ist, fällt Erwachsenen oft schwer. Was Väter und Mütter beachten können und wie sie kindgerechte Erklärungen finden


Eltern sollten das Thema Tod von ihren Kindern nicht fernhalten

Paulchen war schon ein alter Hund. Sein braunes Fell war in den letzten Jahren stumpf und glanzlos geworden, dafür schimmerten immer mehr graue Härchen durch seinen Pelz. Sein Gang wurde mit jedem Monat schwerer. Er fraß nur noch wenig und bellte längst nicht mehr so laut, wie er es früher getan hatte.

Paulchen würde bald sterben, die Erwachsenen wussten das. Aber mit den Kindern darüber reden? Ihnen sagen, dass ihr Hund nicht mehr lange zu leben hatte? Das würden die Kleinen doch gar nicht verkraften! Oder?

Thema Tod von Kindern nicht fernhalten

„Im Gegenteil“, sagt Beate Alefeld-Gerges, Diplom-Sozialpädagogin und Trauerbegleiterin vom Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche „Trauerland“ aus Bremen. „Wer das Thema Tod von seinen Kindern fernhält, um sie zu schützen, tut ihnen überhaupt keinen Gefallen.“ Denn: Der Tod gehört zum Leben dazu. Und das können Kinder nur verstehen, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, sich mit ihm auseinanderzusetzen.



Beate Alefeld-Gerges ist Trauerbegleiterin in Bremen

Für die meisten Eltern ist das gar nicht so einfach. Viele fürchten sich davor, ihrem Nachwuchs ein so schweres Thema zuzumuten. „Eine unbegründete Sorge“, glaubt Beate Alefeld-Gerges. „Die Angst vor dem Tod steckt nämlich vor allem in den Köpfen der Erwachsenen.“ Kinder reagieren meist erst mal unbedarft auf das Thema.

Problem liegt oft bei Erwachsenen

Trotzdem fällt es uns schwer, über den Tod zu sprechen. Und das ist auch gar kein Wunder. „Viele von uns haben selbst nie gelernt, mit dem Thema offen umzugehen“, erklärt Alefeld-Gerges. Wir sind selbst ängstlich und haben oft keinerlei Vorstellung davon, was nach dem Tod mit uns passiert. Wie also soll man einer Dreijährigen etwas erklären, das man selbst nicht versteht? „Es geht“, sagt die Pädagogin. Aber Erklärungen alleine reichen nicht aus. Kinder müssen Dinge sehen und erleben, um sie zu begreifen. Mit abstrakten Beschreibungen können sie wenig anfangen.

Praxisnah und anschaulich erklären

Die Expertin empfiehlt Eltern daher, ihren Kindern anhand von Alltagssituationen anschaulich zu erklären, was es bedeutet, wenn ein Mensch oder auch ein Tier nicht mehr lebt. „Ein toter Vogel im Garten wirft bei den Kleinen schon viele Fragen auf, die Eltern dann ruhig offen und ehrlich beantworten sollten“, so Alefeld-Gerges. Schon Kindergartenkinder verstehen, dass Tote nicht mehr essen und trinken, dass sie keinen Schlaf mehr brauchen, nicht mehr mit uns reden können und sich hart und kalt anfühlen. „Unter solchen konkreten Beschreibungen können sich Kinder etwas vorstellen“, erklärt die Expertin.

Formulierungen wie „er ist eingeschlafen“ oder „er ist von uns gegangen“ sollten Eltern dagegen lieber vermeiden. „Sie sind ja auch so nicht wahr“, sagt Alefeld-Gerges. „Tote wachen schließlich nicht mehr auf und kommen auch nicht wieder.“ Viele Kinder verunsichern solche Erklärungen deshalb nur.

Naive Vorstellungen nicht nehmen

Dabei haben die meisten Kinder eine sehr genaue Vorstellung davon, was mit Verstorbenen nach ihrem Tod passiert. Sie glauben zum Beispiel, dass Tote in den Himmel kommen oder dass sie zu Sternen oder Engeln werden. Eltern sollten ihrem Nachwuchs diese Vorstellungen unbedingt lassen, seien sie noch so naiv. „Wir haben die Erfahrungen gemacht, dass sie Kindern dabei helfen können, Trauer und Verlust besser zu verarbeiten“, erläutert Alefeld-Gerges.

Abschied nehmen kann helfen

Auch die Gelegenheit, sich von einer sterbenden Person oder auch dem Haustier zu verabschieden, kann Kindern die Trauerbewältigung erleichtern. „Sie kommen besser mit dem Verlust klar, wenn sie darauf vorbereitet sind“, sagt die Expertin. Die unheilbare Krebserkrankung der Oma, der baldige Tod des Familienhundes: All diese Dinge sollten Eltern ihren Kindern nicht verschweigen. „Es ist einfach wichtig, ehrlich zu sein und den Kindern nichts vorzumachen“, so Alefeld-Gerges. „Sie haben sehr feine Antennen und merken sowieso, dass etwas nicht stimmt.“

Tod des Haustiers: Kind nicht anlügen

Seinem Nachwuchs zum Beispiel zu erzählen, der Hund sei weggelaufen, obwohl er in Wirklichkeit gestorben ist, kann einen schweren Vertrauensbruch zur Folge haben. „Wer seinen Kindern nicht sagt, was tatsächlich passiert ist, riskiert im schlimmsten Fall, dass sie später jegliches Vertrauen in die eigene Familie verlieren, wenn sie die Wahrheit schließlich herausfinden“, sagt Alefeld-Gerges.

Sie plädiert deshalb dafür, selbst aus den Todesumständen von verstorbenen Angehörigen kein Geheimnis zu machen. „Eltern sollten sich nicht scheuen, genaue Begriffe für die Todesursache zu benutzen“, sagt die Pädagogin. Worte wie Krebs und Unfall klingen zwar hart, trotzdem helfen sie Kindern, sich mit der Realität des Todes abzufinden.

In Rituale mit einbeziehen

Dazu tragen auch Abschiedsrituale bei, in die Eltern ihre Kinder mit einbeziehen sollten. „Wer Kindern etwa ermöglicht, an der Beerdigungsfeier der Oma teilzunehmen oder sie mit vorzubereiten, vermittelt ihnen, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen werden“, erklärt die Trauerbegleiterin.

Natürlich sei eine Beerdigung nicht für jedes Kind geeignet. Aber man sollte Kinder abhängig von ihrem Alter und ihrer Reife wenigstens fragen, ob sie dabei sein wollen. Für den Fall, dass sie mitkommen möchten, empfiehlt die Expertin, eine Begleitperson zu engagieren, die sich für die Zeit der Beerdigung nur um das Kind kümmert. „Sie kann dann die Abläufe der Beerdigung erklären und mit dem Kind nach Hause fahren, wenn es plötzlich doch nicht mehr bleiben will“, so Alefeld-Gerges.

Wut, Rückzug oder fehlende Betroffenheit: Kinder trauern anders

Solange Kinder trauern, brauchen sie ein offenes Ohr und die Gewissheit, jemanden zu haben, dem sie ihre Trauer zumuten können. Eltern sollten sich aber nicht wundern, wenn ihre Kinder nicht weinen oder schon nach kurzer Zeit wieder fröhlich herumtoben. „Kinder trauern anders als Erwachsene“, erklärt die Expertin.

Manche sind wütend und gereizt, viele ziehen sich zurück, andere führen ihr Leben normal weiter und zeigen gar keine Anzeichen von Betroffenheit. „Eltern müssen das akzeptieren“, sagt sie. Eine Gedenkstätte in Form eines Grabes oder eines symbolischen Steins kann eine Anlaufstelle für gemeinsames Trauern sein. So wie für Paulchen. Seit er tot ist, brennt abends eine Laterne an seiner Hundehütte.




Bildnachweis: W&B/Strandperle, W&B/Privat

Julia Schulters / Baby und Familie; aktualisiert am 19.04.2013, erstellt am 21.04.2011
Bildnachweis: W&B/Strandperle, W&B/Privat

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